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Kultur Großer Andrang bei der Nacht der Museen
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11:55 15.06.2009
Von Stefanie Kaune
Indianische Kultur im Landesmuseum. Quelle: Jana Striewe

Was mag das bloß für eine Riesenparty sein, zu der all die Leute mit den Bändern um den Hals und den bunten Eintrittskarten daran unterwegs zu sein scheinen? Die Gruppe junger Männer, die Sonnabendabend am Aegi über die Kreuzung marschiert, befürchtet wohl, etwas zu verpassen im Nachtleben der Stadt. „Ey, was geht ab, wo habt ihr die Bänder her?“, ruft einer zwei Frauen zu, die ihnen begegnen. Was? Aus dem Museum? Die Enttäuschung steht den Partygängern ins Gesicht geschrieben. Doch die 7500 Besucher, die Sonnabend bei der elften Nacht der Museen mitmachten, wussten es besser – und bescherten der Veranstaltung mehr Zulauf als im Vorjahr.

200 Eintrittsbänder mehr als 2008 wurden verkauft. Da Kinder bis zwölf Jahre keinen Eintritt zahlen, gehen die Veranstalter davon aus, dass insgesamt sogar etwa 10 000 Menschen zwischen 18 und 1 Uhr in den 21 teilnehmenden Museen, Galerien und anderen Kultureinrichtungen unterwegs waren. Auch der Andrang in den einzelnen Häusern war stärker als zuletzt: Rund 40.000 Besuche wurden gezählt – gegenüber 38 000 bei der vergangenen Museumsnacht.

Weil im Landesmuseum eine Ausstellung über die Indianer Kanadas läuft, hat man dort Ed Bryant eingeladen. Der gebürtige Kanadier vom Stamm der Tsimshian-Indianer führt im Hof einen Friedenstanz in Tracht und mit Vogelmaske auf. Mittlerweile lebt er mit seiner deutschen Frau in Bensheim an der Bergstraße, doch der Kultur seiner Heimat fühlt er sich nach wie vor verbunden. Bryant schnitzt vor staunenden Kinderaugen auch weiter an seinem Totempfahl, den er dem Landesmuseum nächsten Sonntag schenken will. Auch die Kollegen vom Museum August Kestner haben sich von der aktuellen Ausstellung inspirieren lassen, bei der es um 4000 Jahre Gastgewerbe geht. „Wir haben die Besucher eingeladen, nach ihren Vorstellungen den Tisch zu decken“, sagt Museumspädagogin Pia Drake. Jede Menge Besteck und Geschirr aus dem Fundus stehen dafür zur Verfügung. Die Freundinnen Anna (14), Joana (14) und Jolin (14) sind fasziniert von den bunten Plastiklöffeln, während Silke von der Ah-Röber und ihre Tochter Nina es lieber Ton in Ton mögen. „Symphonie in Orange“ haben sie ihr Gedeck genannt.

Im Wilhelm-Busch-Museum gibt es sogar eine kleine Biologiestunde: Imker Burghard Otten aus Neustadt erklärt das Leben im Bienenstock. Seit zehn Jahren hat er zwei Bienenstöcke im Palaisgarten des Museums und beliefert das Haus mit Honig für den Museumsshop. Direktor Hans-Joachim Neyer liefert die passenden Erläuterungen zu Busch und dessen Sicht auf die Bienen. Interessante Einsichten anderer Art vermittelt Stephanus Fischer von der Friedhofsverwaltung der Stadt, der als „Pestknecht“ auf dem Friedhof Seelhorst über Hannovers Bestattungskultur informiert. Wer wusste denn schon, dass in den sechziger Jahren ein hannoverscher Schlossermeister den Prototypen eines „Friedhofsbaggers“ entwarf, der dann europaweit nachgebaut wurde? Besucher Michael Hoops jedenfalls nicht, er hört staunend zu, als Fischer erzählt.

Zuhören ist auch die Devise in der Cumberlandschen Galerie, wo aus Kopfhörern die persönlichen Erinnerungen von 40 interviewten Personen an ihre Großeltern ertönen. Derder Schweiz hat das Projekt für das derzeit laufende Festival Theaterformen entwickelt, das sich damit an der Museumsnacht beteiligt hat. Janka Pietrasie aus der List gönnt sich diesen Moment der (Museums-)ruhe gleich zum Auftakt. Party muss heute nicht sein, schönen Gruß an die Jungs vom Aegi.

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