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Kultur Green Day und 11.000 Fans feiern noch eine hannoversche Party
Mehr Welt Kultur Green Day und 11.000 Fans feiern noch eine hannoversche Party
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14:34 31.05.2010
Von Uwe Janssen
Green Day setzt das hannoversche Rockprogramm fort. Quelle: Martin Steiner
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Die TUI Arena ist mit 11.000 Fans voll bis unters Dach, und die Fans wollen eine Party. Die sollen sie haben.

Aber was heißt eigentlich Punk? Da ist um kurz vor 21 Uhr ein Mann in einem rosa Hasenkostüm auf der Bühne, aus den Boxen läuft „YMCA“ von den Village People und wird in der Großraumhalle launig abgefeiert. Punk? Wäre es Punk, würde der Hase mindestens auf die Bühne kotzen oder die Szene sonst irgendwie brechen. Aber nichts da. Was also wird hier gespielt? Das weiß man spätestens fünf Minuten später. „Wenn ich gleich auf vier zähle, möchte ich, dass ihr verdammt noch mal ausflippt“, brüllt Sänger Billy Joe Armstrong frei übersetzt, er benutzt ein bisschen Indexvokabular, und dann röhren die Gitarren los. "21st Century Breakdown“ rollt über die Menge hinweg, ein lautes, am Ende wildes Stück über Befindlichkeiten im heutigen Amerika, titelgebend für das jüngste Album, das wie der Vorgänger „American Idiot“ im Stil eines Konzeptalbums angelegt ist und gerade mit dem Grammy für das beste Rockalbum ausgezeichnet worden ist. Punk? Schon beim zweiten Stück in „Hännovääär“ - Klaus Meine wäre stolz - holt Armstrong einen Stagediver auf die Bühne, der unter großem Gejohle in die fangbereite Menge hüpft.

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Im Saal haben sich längst die bei dieser Art Konzerten beliebten „Kornkreise“ gebildet, bei denen die Fans ihre eigene Tanz- und Hüpfshow abziehen. Und Armstrong bringt erst einmal die Halle auf Temperatur. Mitsingen und Arme schwenken, auch die da ganz oben, bitte. Er rennt von links nach rechts, macht den Animateur, die Rampensau, dazu werden am Bühnenhintergrund vor der großen Downtown-Kulisse Böller abgefeuert, Flammen zischeln (bei „Know your Enemy“), eine Riesenwasserpistole macht das Publikum nass, Lichter zucken exakt im Takt. Punk?

Ja und nein. Das amerikanische Trio, mittlerweile seit 20 Jahren unterwegs, hat es sich in der US-Musikhistorie irgendwo zwischen den Stühlen gemütlich gemacht.

Die Show ist perfekt choreografierter Stadion-Mainstream, die Qualität der Darbietung ist es auch, Armstrong steckt in Tonumfang und Intonation jeden Popsänger in die Tasche. Was sie vom Punk mitgenommen haben, ist die musikalische Energie und die textliche Attitüde in ihren Songs, in denen sie sich lange am Bush-Amerika abgearbeitet haben - und in ihrem Land entsprechend breites Gehör fanden. In Deutschland ist das nicht so wichtig. Hier zählt die Party, und die ist nach einer Stunde unablässig im Gange. Die Fans brauchen eigentlich schon gar keine Motivation von vorn mehr, aber Armstrong lässt nicht locker. Nur gelegentlich gönnt er der Masse mal eine Pause, wenn er mit der Akustikgitarre den Radiohit „Boulevard of Broken Dreams“ anspielt. Doch der Chor im kundigen Publikum formiert sich sofort. Und schon Minuten später hüpft der ganze Saal wieder.

Green Day macht eindrucksvoll deutlich, was vom Punk der achtziger Jahre, von Ramones, Clash und Sex Pistols, übrig geblieben ist. Der Wumms - und der Humor: Im zweiten Teil der langen, mitreißenden Show schießt Armstrong Kloppapier und T-Shirts in den Saal, parodiert Soulhits zum Punkgroove und spielt auch schon mal Rockklassiker wie „Highway to Hell“ an - und als kleine Reminiszenz einen Hannover-Hit: „Rock you like a Hurricane“ von den Scorpions. Ausnahmsweise nicht Lena. Das wäre dann auch zu viel des Guten gewesen.