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Kultur „Green Book" und mehr DVD-Tipps
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19:39 10.08.2019
Quelle: iStockphoto
Hannover

Manaslu, Berg der Seelen. „Der Tod ist das leichteste von allen Übeln, die man erlebt“, sagt der Südtiroler Extrembergsteiger Hans Kammerlander gleich zu Filmbeginn einen sehr gewichtigen Satz aus dem Off, und da sieht man auch schon den „Manaslu, Berg der Seelen“ - eine Klippe wie der Zahn eines raubtierhaften Gottes. Hier starben zwei Freunde von ihm, damals 1991, als tatsächlich Partikel der brennenden Ölfelder im Irak im Himalaja schwere Unwetter verursachten.

Unter dem Titel des Berges hat der Filmemacher Gerald Almina („Streif“) ein Porträt des „Kletterers“ Kammerlander gemacht. Es ist aufregend, mit ihm in die Höhe zu steigen, spannend, die Gedankenwelt eines Mannes zu betreten, der das Abenteuer schon früh suchte. Radioübertragungen einer Erstbesteigung hatten die Sehnsucht des Bauernjungen geweckt, dessen Kirche-Schule-Arbeit-Kindheit und dessen ungestüme Jugend in Spielszenen (allzu) weidlich vor dem Zuschauer ausgebreitet werden.

Man hört Kammerlander gern zu, der 62-Jährige erzählt mit Bedacht, erklärt später auch seinen mysteriösen Anfangssatz. Denn er ist nicht mehr der rekordwütige Popstar der Höhen, dem der Ruhm des Achttausender-Bezwingers zu Kopf gestiegen ist, wie manche Zeitzeugen behaupten. Dem Regisseur Almina liegt Heldenverehrung und Denkmalbau auch fern, er will unter die Oberfläche seines Sujets.

Und Kammerlanders einstiger Wegbegleiter Werner Herzog, der mit ihm 1985 die Expeditionsdoku „Gasherbrum – Der leuchtende Berg“ gemacht hat, und ihn zum ersten Mal seit 26 Jahren trifft, holt aus ihm das beklommene Geständnis einer untilgbaren, niederschmetternden Schuld heraus. Wenn der Mensch zwischen Felsen überm Wolkenmeer zu sehen ist, sind die Bilder majestätisch. Wenn er von seiner Seele spricht, sind die Abgründe tief.

Manaslu, Berg der Seelen Quelle: Euro Video

Free Solo. Erst sieht man nur grauen Fels und tief, ganz tief unten die winzigen grünen Spitzen eines Waldes. Dann aber entdeckt die Kamera einen kleinen roten Punkt in der steilen Wand, der sich bewegt. Ein Mann klettert da - in leichten Spezialschuhen, ohne Seil, ohne Haken und ganz offenbar ohne Furcht. „Ein kleiner Fehler und du fällst und stirbst“, redet ihm eine Fernsehmoderatorin ins Gewissen. „Jeder kann jeden Tag sterben“ erwidert Alex Honnold. Kein Ding.

Im Kern von Elizabeth Chai Vasarhelyis und Jimmy Chins Oscar-gekürten Dokumentarfilm „Free Solo“ steht eine Erstleistung, etwas Menschenunmögliches: Honnolds Bezwingung des „El Cap“ eines 1000 Meter hohen Senkrechtfelsens im Yosemite Nationalpark.

Die Höhen machen schwindlig beim Zuschauen, und man sorgt sich in einem fort um den sympathischen Mann, der mit seinen gegen Schweiß gepuderten Händen Halt in einer Wand sucht, die auf den ersten Blick nichts dergleichen bietet. Der mit seinen Füßen auf Millimetervorsprüngen steht, als habe er die Kletterwerkzeuge einer Stubenfliege.

Honnold bewegt sich auf einen gefährlichen Punkt im Berg zu, der nur mit einer extrem riskanten Bewegungsfolge überwunden werden kann. Und der Zuschauer fühlt sich wie in einem Thriller. Die Frage, warum Honnold so etwas macht, wird verschiedentlich zu beantworten versucht. Vermutlich gibt es keine Antwort, keine vernünftige jedenfalls.

Man lernt den Helden privat kennen, ist dabei, wenn Honnold sich in seinem Wohnwagen etwas zu essen bereitet, wenn seine Freundin ihm die Haare schneidet und wenn sein Gehirn in einem Tomografen gescannt wird, um Abweichungen zur Norm auszumachen.

Alltag, geschnitten gegen Ausnahmesituation. Honnold erzählt in Rückblenden von sich als melancholischem Jungen, seine Mutter vermutet in ihm ein Asperger-Kind. Und dann ist er wieder in seinem Element - in Lebensgefahr. Und er meistert alles – ein Tänzer im Stein.

Free Solo Quelle: Dogwoof

Atlanta Medical. „Chicago Med“, „Code Black“ – man kann sich nicht retten vor TV-Operationssälen, in denen offene Herzen verzweifelt zucken, und vor Notaufnahmen, in denen Blutfontänen spritzen. Seltene, höchst beunruhigende Krankheiten auf dem Bildschirm erfüllen den Betrachter mit Faszination, Ekel und Paranoia und machen unrettbare Hypochonder aus dem geneigten Publikum.

Die Serie „Atlanta Medical“ führt uns in den amerikanischen Süden, ins Chastain Park Memorial Hospital, wo die Dinge anders laufen als anderswo. Schon der erste Sexversuch im Ruheraum geht schief – kleiner Wink an die Erotomanen aus „Grey’s Anatomy“ in Seattle, bei denen das Nümmerchen zwischen Arzt und Jungärztin/Krankenpflegerin oft wichtiger zu sein schien als die Anforderungendes hippokratischen Eids.

Die Abenteuer von Internist Conrad Hawkins („Good Wife“-Star Matt Czuchry), Krankenschwester Nicolette Nevin (Emily Van Camp, „Everwood“) und Devon Pranesh, Arzt im ersten Jahr (Manish Pratel) sind ungemein spannend, die Charaktere dabei nicht allzu eindimensional und Bruce Greenwood als Chefchirurg mit zittriger Hand ist eine Art dunkler Joker dieser Fox-Serie.

Nebenher bekommt die mitleidlose amerikanische Gesundheitspolitik (Geld bestimmt über Leben und Tod) ebenso ihre Ohrfeigen ab wie die Abschiebepolitik der Regierung Trump gegen illegale Einwanderer. Der Weg Amerikas zu wahrer Größe ist noch ein langer.

Atlanta Medical Quelle: Fox

Major Crimes, sechste und letzte Staffel. Was 2005 mit der ersten Staffel von „The Closer“ begann, endet jetzt mit der sechsten Staffel der Nachfolgeserie „Major Crimes“. Noch einmal geht es für 13 Folgen zu Commander Raydor (Mary MacDonnell), Lieutenant Provenza (G. W. Bailey), Tao (Michael Paul Chan) und Andy Flynn (Anthony John Denison) von der Abteilung Major Crimes des Los Angeles Police Department.

Gemäß dem Trend zu großen Erzählungen besteht der letzte Durchgang aus nur drei Fällen. Schon der erste, die Geschichte dreier spurlos verschwundener Jugendlicher, hält das Publikum bis zur fünften Episode in Atem. Auf vielfachen Zuschauerwunsch kehrt der Psychokiller Philip Stroh (Billy Burke) zurück, die Nemesis der Seriencops seit der vierten Staffel von „The Closer“ – eine Jagd, die bis zur letzten Minute der Serie anhält.

Besonders Raydors Adoptivsohn Rusty (Graham Patrick Martin), dessen Aussage Stroh einst hinter Gitter brachte, ist dadurch in höchster Gefahr. Und dank des größten Drehbuchcoups der letzten Staffel, ja vielleicht der gesamten Serie, ist seine Mutter nicht da, um ihn zu beschützen.

Der Abschied von dieser Kriminette, die bis zum Schluss ihr hohes Niveau gehalten hat, fällt uns Serienjunkies richtig schwer. Weil Provenza & Co. über all die Jahre Familie geworden sind.

Major Crimes, sechste und letzte Staffel Quelle: Warner

Club der roten Bänder – Wie alles begann. Nun ja, am Ende der dritten und letzten Staffel bildeten die Zuschauer dann ihren eigenen Verein, den „Club der roten Augenränder“. Alles endete erwartet traurig, wenngleich mit dem Trost, dass in der Welt der Teenager Leo (Tim Oliver Schultz), Emma (Luise Befort) und Hugo (Nick Julius Schulz) Treffen nach dem Tode möglich sind, dass Mitglieder der „Roten Bänder“-Society sich in einer Zwischenwelt sehen und sprechen können, und dass der „Club“ aus schwer erkrankten Jugendlichen mit neuen Mitgliedern eine Zukunft hat.

Magischer Realismus, muckelige „Fünf Freunde“-Romantik (es waren genau gesagt fünf Freunde und ein Geist) und betrübliche Krankenhauswirklichkeit wurden beim Sender Vox ganz kunstfertig miteinander verwoben. Die deutsche Adaption einer spanischen Originalserie hielt drei Staffeln lang ihr Niveau, und man hörte auf, als es am schönsten und erfolgreichsten war. Der Sender Vox versprach: „Die Geschichte liegt uns zu sehr am Herzen, als dass wir sie nun darüber hinaus strecken und verwässern würden.“

Und weil man Versprechen halten muss, aber dem Wunsch der Fans nach einem Wiedersehen ebenfalls nachkommen wollte, verlegte man sich auf die Vorgeschichte der Helden. So passt das Kinoprequel „Club der Roten Bänder – Wie alles begann“ – im Tonfall perfekt zu der Serie. Es geht etwas holzschnittartig in die Familien des Clubs, bestehend weitgehend aus abgestuft unsympathischen Nichtverstehern von Kinderseelen.

Leo ist auch hier die zentrale Figur, die anderen garnieren seine Geschichte. Beim Fußballspiel bricht er mit Schmerzen im Bein zusammen, ein Tumor am Schienbein wird diagnostiziert, die Chemo schlägt nicht an. Im Krankenhaus lernt er Benny (Jürgen Vogel) kennen. Der scheint zunächst stumm, verschränkt in seinen Krebs. Taut dann aber auf und wird Leos Ratgeber für Sterbenskranke.

Natürlich ist der Kino-„Club“ vor allem ein Fest für die Fans. Die freuen sich ihrer Erinnerungen, seufzen zu den vielen Anspielungen, jubeln über die vertrauten Kleinrollengesichter etwa des väterlichen Patienten Benito oder des robusten Pflegers Diez. Das Vergnügen des Novizen fällt entsprechend kleiner aus, immerhin kann er danach mit der Serie weitermachen.

„Aus großer Kraft wächst große Verantwortung“, zitiert Benny Spider-Mans Onkel Ben. Das sei nun den Machern auf die letzte Drehbuchseite geschrieben. Danke für das Wiedersehen, es hat funktioniert, aber, nein, wir wollen nicht auch noch wissen wie die Leute mit den roten Bändern in Grundschule und Krabbelgruppe waren.

Club der roten Bänder – Wie alles begann Quelle: Universum

Green Book. „Zunächst einmal bin ich kein Mediziner, ich bin Musiker“, sagt der Jazzpianist Dr. Don Shirley, der für eine Tour durch den amerikanischen Süden „nicht nur einen Fahrer braucht, sondern einen, der sich um alles kümmert, einen persönlichen Assistenten, ein Faktotum.“

„Sie in den Südstaaten – das gibt Probleme“, antwortet der italoamerikanische Familienvater Tony „Lip“ Vallelonga, der eigentlich Vorbehalte gegen Afroamerikaner hat, aber eine „ruhige Phase“ brauchen könnte, denn der Club, in dem er für Sicherheit zuständig ist, hat für eine Weile seine Pforten geschlossen und die Mafia versucht, ihn an sich zu binden.

Und so bekommt er von den Vertretern von Shirleys Plattenfirma ein „Green Book“ in die Hand, einen Reiseführer mit den (wenigen) Adressen von Übernachtungsmöglichkeiten für Schwarze im Süden und muss sich daran gewöhnen, dass ein Schwarzer sein Dienstherr ist. Der joviale, nicht ganz vorurteilsfreie Tony und der distanzierte kultivierte Doc sind kein Traumpaar, aber die Reise in die Herzlande des Ku-Klux-Klan schweißt sie zusammen und verändert sie beide.

Peter Farrelly, Regisseur erlesener Klamaukiaden wie „Verrückt nach Mary“ und „Die Stooges – drei Vollpfosten drehen ab“ wechselt mit diesem Drei-Oscars-Film ins ernste Fach und erzählt vom amerikanischen Rassismus (in den Sechzigerjahren) – dem kleinen, alltäglichen Menschenhass, bei dem „Spaghettifresser“ keine „Schokos“ mögen, und dem gewalttätigen Südstaatler die reine Anwesenheit eines Schwarzen in seinem Lieblingslokal Anlass genug ist für Mord und Totschlag.

Viggo Mortensen und Mahershala Ali spielen glanzvoll die Hauptrollen in einem Drama, das gegen Ende zwar auf dem Rand zur Rührseligkeit entlangbalanciert, aber dennoch nicht in den Kitsch kippt. Vorzügliche Unterhaltung.

Green Book Quelle: e-one

The Mule. Wir werden Clint Eastwood so vermissen wie Treets, John Wayne, und „Game of Thrones“. Dieses verwitterte Gesicht, auf dem sich eine Sonne von einem Grinsen ebenso auszubreiten vermag wie der „snarl“, die grimmig-brutal geschürzten Lippen, die die Bereitschaft zum Äußersten signalisieren. Eastwood, der Cowboy und Cop, hat uns jahrzehntelang immer besser unterhalten und wunderbare Filme gedreht – teils mit sich selbst in der Hauptrolle.

In „The Mule“ steht der 89-Jährige nach eigenem Bekunden zum letzten Mal vor der Kamera – spielt einen Orchideenzüchter, der seine Familie stets zugunsten der Arbeit hintangestellt hat und dem das Internet nun einen Strich durch seine Geschäfte gemacht hat. Mehr durch Zufall und anfangs ohne sein Wissen wird der bankrotte Gärtner Drogenkurier für ein mexikanisches Kartell – denn niemand verdächtigt einen rüstigen Urgroßvater wie ihn.

Mit dem Lohn der bösen Taten rettet er nicht nur seinen Besitz sondern auch das örtliche Polkadiner und eine Eislaufbahn vor dem Konkurs. Als die Leitung des Kartells wechselt und Earl einen unerlaubten Abstecher zu seiner sterbenden Exfrau macht, um sich zu versöhnen, wird es eng für diesen Robin Hood des Kokainschmuggels.

Mit Humor und einiger Härte erzählt Eastwood die schöne Mär vom guten Amerikaner, der auch in der Trump-Ära von Lüge und Spaltung unbeugsam bleibt. Sein im Grunde gutmütiger Held muss sich nur gelegentlich bezüglich seiner altmodischen Ansichten und Ausdrucksweisen zurechtweisen lassen und nimmt am Ende die Verantwortung für seine Fehler auf sich.

Mexiko erscheint als Land des Verbrechens, gewiss, aber amerikanische Polizeikontrollen werden auch als die lebensgefährlichste Situation beschrieben, in die ein unbescholtener Amerikaner geraten kann.

The Mule Quelle: Warner

Mein Bester und ich. Klar, das musste kommen. Amerika bringt außeramerikanische Filmhits nur als kleine Starts in ausgewählte Kinos. Synchronisierungen, nein danke. Originalversionen gibt es nur für ein kleines, interessiertes Kulturpublikum.

Deswegen überrascht an Neil Burgers „Mein Bester und ich“ nur, dass es eine gefühlte halbe Ewigkeit dauerte, bis „Ziemlich beste Freunde“, das Drama um einen querschnittsgelähmten Milliardär und seinen Pfleger aus den Banlieues sein US-Remake bekam.

Kevin Hart übernimmt die Omar-Sy-Rolle und macht nur einen halben Hart-Kasper aus der Figur, die allerdings eine gewisse Hollywoodisierung erfährt durch eine schöne, enttäuschte Frau und einen fleißigen enttäuschten Klassenprimus als Sohn – beide gilt es zurückzuerobern. Während Bryan Cranston in Francois Cluzets Schuhen eine rundum überzeugende Leistung abliefert, ist die große Nicole Kidman als seine Managerin ein Charakter mit eindeutig zu wenig Raum.

Es ist allerdings erstaunlich, dass Burger („The Illusionist“, „Die Bestimmung“) die Leichtigkeit des Originals weitgehend bewahrt, und einige überaus gelungene eigene Momente erschafft, statt einfach die übliche US- Klamottensoße über eine Kopie zu kippen. Und das obwohl Burger am Ende ein klassisches Tellerwäschermärchen erzählt, das so gar nicht zu den immer tiefer aufreißenden Gesellschaftsklüften der immer schrecklicheren Trump-Ära passen will.

Mein Bester und ich Quelle: Universum

The House That Jack Built. „Soll Sie doch ein anderer Serienmörder, der hier vorbeikommt, zu Sunny zurückfahren“, brummt der Serienmörder Jack (Matt Dillon), der in winterlicher US-Landschaft (in Wahrheit Dänemark) eine liegengebliebene Lady mit kaputtem Wagenheber (Uma Thurman) von ihrem unsäglichen, unverschämten Dauergeplapper, er könne ein Killer sein, zu dem man besser nicht ins Auto gestiegen wäre, abhält, in dem er sie mit ebendiesem defekten Gerät erschlägt.

Die Leiche deponiert Jack, der ein Architekt ist und parallel zu den fünf, in Lars von Triers jüngstem Film geschilderten Kapitalverbrechen sein eigenes Haus am See erbauen möchte, in einem Kühlhaus. Darüber plaudert er mit einem unduldsamen, mäßig interessierten Mann namens Verge (Vergil), der die „Aeneis“ geschrieben haben will, lange nur zu hören ist (mit der unverkennbaren, immer ein wenig dozierenden Stimme des verstorbenen Bruno Ganz) über seine Verbrechen.

Eine Diskussion, die nicht minder leicht zu ertragen ist als die extremen Gewalttaten, die bevorzugt gegen Frauen gerichtet sind. Die interessanteste Untat liefert von Trier gleich zu Beginn, beim restlichen Gemeuchele nach Thurmans jähem Ende ist dem zu Skandal und Provokation sich verpflichtet fühlenden Dänen bei aller grimmigen Komik hauptsächlich Sadistisches eingefallen.

Mit seinem gott- oder gewissensähnlichen Therapeuten erkundet Jack die Bezüge des Mordens zur Kunst, lässt Bilder des Pianisten Glenn Gould einfließen, Blake, Tierbilder, erzählt vom Versteckspielen als Kind, vom „Atem“ der Wiese unter den Sensen der Bauern und lässt sich über die Vorzüge gotischer gegenüber romanischen Kathedralen aus. Großer Seufzer.

„Ein Mörder mit einer Zwangsneurose – das ist etwas Lächerliches. Und zu allem Überfluss auch noch ein Putzfimmel“, kommentiert Verge, und während Jack seine Problemzonen auf Zettel geschrieben hat, die er wegwirft wie Bob Dylan im Video zu „Subterrenean Homesick Blues“, möchte man sich dem Urteil anschließen und hinzufügen: Auf zweieinhalb Stunden Länge ist dieser Mix aus Thriller, Psychogramm, zum Teil wirrer Philosophie und Bilderflut neben etwas zutiefst Deprimierenden auch etwas extrem Langweiliges.

The House That Jack Built Quelle: Concorde

The Favourite – Intrigen und Irrsinn. Die Königin mag kindlich sein in ihrem Rollstuhl mit ihrer Weinerlichkeit und ihrer schnellen Verschnupftheit. Und dass man ihre Kaninchen als ihre Kinder begrüßen muss – na ja – der Untertitel „Intrigen und Irrsinn“ macht bei dieser Frau durchaus Sinn. Aber am Ende des Tages ist sie bei aller Blödheit, Einsamkeit, Tragik eines kinderlosen Daseins, erbenlosen Hauses doch die Königin, und alle anderen nicht.

Der griechische Autorenfilmer Yorgos Lanthimos hat mit „The Favourite“ ein prächtiges Historienstück, eine formidable Farce gedreht. Die letzte Stuart-Königin Anne (Olivia Colman), zugleich erste Herrscherin über Großbritannien, ist der Politik herzlich abgeneigt.

An ihrer Statt regiert ihre machtbewusste Jugendfreundin Lady Marlborough (Rachel Weisz), die ihre Herrscherin schon mal anherrscht, dann wieder mit ihr turtelt, sie liebkost – es gibt durchaus auch eine sexuelle Komponente in dieser Beziehung – und ihr derweil den eigenen politischen Willen (und den ihres Mannes) einflüstert.

Verarmten Adels ist Malboroughs Cousine Abigail (Emma Stone), die bald schon die Lady dazu bringt, sie von der Schloßküche aus die Erfolgsleiter hochklettern zu lassen, wo sie sich ganz schnell im Bett mit der Queen befindet - als politische Agentin der Gegenseite und mit der Option des Wiederaufstiegs. Böse und genial. Man fühlt sich am ehesten an Stephen Frears‘ „Gefährliche Liebschaften“ (1988) erinnert. Das Skript von Tony McNamara und Deborah Davis hat spitze kleine Teufelshörnchen.

The Favourite – Intrigen und Irrsinn Quelle: 20th Century Fox

Von Matthias Halbig

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