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Kultur Golden Globes: Ein Fingerzeig für die Oscar-Verleihung?
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15:34 14.01.2013
Von Stefan Stosch
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Los Angeles

Vorige Woche in Berlin gab sich Christoph Waltz betont locker. Wie er sich denn auf einen möglichen Golden-Globe-Sieg vorbereite? „Ich sehe zu, dass mein Hemd gebügelt ist“, antwortete Waltz. Im Beverly Hilton Hotel zog er in der Nacht zu Montag aber auch verbal die Sache glatt: „Quentin, du weißt, dass meine Schulden dir gegenüber und meine Dankbarkeit nicht in Worten zu fassen sind“, rief der Österreicher, als er eine goldene Weltkugel für seinen Auftritt als deutscher Kopfgeldjäger im Western „Django Unchained“ entgegennahm. Vor drei Jahren hatte Waltz bereits in Tarantinos „Inglourious Basterds“ den Preis als bester Nebendarsteller gewonnen und damit seiner dahindümpelnden Karriere internationalen Schub verliehen.

Scheu vor Wiederholungen hat die recht übersichtliche Schar von rund 90 Auslands-Korrespondenten in Hollywood offenbar nicht, die seit 70 Jahren die Golden Globes verleiht: Michael Haneke siegte mit seinem Drama „Liebe“ in der Kategorie bester ausländischer Film – so wie vor drei Jahren mit „Das weiße Band“. Landsmann Arnold Schwarzenegger überreichte die Statue. So geriet die Gala beinahe zum österreichischen Seriensieg

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Aber war die Veranstaltung tatsächlich auch ein Fingerzeig für die Oscar-Verleihung, wie nun orakelt wird? Oder lässt sich geradezu ein Gegenprogramm zu dem herauslesen, was die Academy of Motion Picture Arts and Sciences am 24. Februar entscheiden könnte?

Steven Spielberg jedenfalls muss darauf hoffen. Siebenmal war sein im besten Sinne staatstragendes Historiendrama „Lincoln“ nominiert, am Ende blieb nur Titeldarsteller Daniel Day-Lewis eine Trophäe. Dafür legte Ben Affleck mit seinem Spionagethriller „Argo“ über eine verrückte CIA-Befreiungsaktion im Iran einen doppelten Überraschungscoup hin. Der 40-Jährige holte Globes für das beste Drama und für die beste Regie. Das dürfte ihn besonders freuen, denn seine Regieleistung ist im Oscar-Rennen schnöde übergangen worden

Auf Oscar-Kurs liegt auch Hauptdarstellerin Jessica Chastain für ihre Rolle im Politthriller „Zero Dark Thirty“, der die zermürbende Jagd auf Al-Quaida-Chef Osama bin Laden schildert. Kathryn Bigelows Film ist wegen seiner Folterszenen umstritten wie kein zweiter in den USA. Gut möglich, dass der Darstellerpreis die einzige Auszeichnung ist, auf die sich US-Juroren bei dem Werk einigen können, das am Wochenende an die Spitze der US-Charts stürmte.

Weil beim Globe anders als beim Oscar die Kategorien Drama und Komödie/Musical unterschieden werden, gab es noch einige Preise mehr: Tom Hoopers „Les Misérables“ gewann drei Trophäen – als bestes Musical sowie für Hauptdarsteller Hugh Jackman und Anne Hathaway in einer Nebenrolle. Die 22-jährige Jennifer Lawrence nahm für ihre Leistung in der Tragikomödie „Silver Linings“ den Globe als beste Hauptdarstellerin entgegen

Die knapp 6000 Mitglieder der US-Academy haben nun die Chance, Steven Spielberg beim Oscar um so überschwänglicher in die Arme zu schließen. Verzichten müssen sie allerdings auf die fulminante Rede von Jodie Foster. Diese hat die 50-Jährige, die putzigerweise mit einem Globe fürs Lebenswerk geehrt wurde, nun schon gehalten: Foster sprach erstmals offen über ihre Homosexualität, betonte jedoch: „Das hier ist keine Coming-out-Rede, denn mein Coming-out hatte ich schon vor etwa 1000 Jahren, damals im Steinzeitalter“, sagte Foster. Sie dankte ihrer Ex-Lebensgefährtin für deren Unterstützung: „Ich kann nicht hier oben stehen, ohne eine große Liebe meines Lebens anzuerkennen: Meine heldenhafte Mit-Erziehungsberechtigte, meine Ex-Partnerin, aber absolute Seelenverwandte fürs Leben ... meine geliebte beste Freundin seit 20 Jahren, Cydney Bernard.“

So etwas vor einem Millionenpublikum zu tun, dürften einen Kinostar ungefähr so viel Courage wie einen Profifußballer in der Bundesliga kosten. Hollywood jedenfalls war gerührt – und Fosters Bekenntnis hat vor dem Hintergrund der Auseinandersetzung um die Homoehe in den USA auch dann noch Bedeutung, wenn die Champagner-Laune wieder abgeklungen ist.

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