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Kultur Ganz schön traurig
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19:03 25.03.2015
Von Daniel Alexander Schacht
Giora Feidman und Ben Becker: "Zweistimmig - Hommage an Paul Celan" im Theater am Aegi.
Giora Feidman und Ben Becker: "Zweistimmig - Hommage an Paul Celan" im Theater am Aegi. Quelle: Marta Krajinovic
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Hannover

„Der Tod ist ein Meister aus Deutschland / er ruft streicht dunkler die Geigen dann steigt ihr als Rauch in die Luft.“ Ben Becker spricht die Worte so bedächtig, als hätte er sie soeben selbst ersonnen. Dann schwillt ein leiser Hauch zu einem dunklen Ton an.

Allein dessen Länge löst Erstaunen über die Atemtechnik des Interpreten aus: des virtuosen Tonkünstlers Giora Feidman. Der demonstriert an diesem Abend erneut, welches Schwelgen sich der Klarinette entlocken lässt. Und im Hintergrund laufen Bilder des Hauses der Wannsee-Konferenz, wo 1942 die „Endlösung der Judenfrage“ beschlossen wurde, also die planmäßige Ermordung der europäischen Juden.

Das souveräne Pathos der Präsentation - Ben Becker raunt und haucht, immer wieder Pausen setzend, seine Bassstimme ins Mikrofon - passt nicht immer zum oft hilflosen Ausdruck der Worte. Die passen zum Leben ihres jüdischen Schöpfers Paul Celan (1920-1970), dessen bekanntestes Gedicht die „Todesfuge“ ist.

Die Düsternis der Texte wird mit der oft tänzerisch jauchzenden Leichtigkeit der Musik kontrastiert - durchaus passend. Denn schließlich repräsentiert Celan, 1920 in Czernowitz geboren, die zerstörte Welt jüdisch-deutschen Miteinanders ebenso wie Feidman. Dessen Eltern flohen aus derselben Welt nach Buenos Aires und gaben an den dort 1936 geborenen Sohn die Tradition der jüdischen Klezmer-Musik weiter. Die hat er - im Aegi in Begleitung von Reentko Dirks an der Gitarre und Guido Jäger am Bass - zu einer reizvollen Liaison von Jazz und Klezmer weiterentwickelt.

Der Abend gilt dem auf einem Foto hinter den Akteuren freundlich und doch so traurig lächelnden Paul Celan. Doch der Star des Abends ist Feidman. Als der als Zugabe Gershwins „Summertime“ spielt, brandet anfangs kurz Beifall auf. Bei seinem unendlich lang scheinenden Schlusston gibt es erst Gemurmel und dann Applaus. Der schwillt noch an, als Ben Becker darauf hinweist, dass Feidman wenige Stunden später Geburtstag hat - den 79.. Als dann Feidman selbst ans Mikro tritt und sich dafür bedankt, dass er „this beautiful family von Deutschland“ angehöre, stehen alle auf, und der Beifall wird geradezu feierlich.

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