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Kultur Gestohlenen Picasso-Bilder sind wieder da
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20:10 03.11.2011
Von Johanna Di Blasi
Foto: Großes Aufatmen: Museumsdirektor Ulrich Krempel und Angela Kriesel von der Sprengel Stiftung gestern mit den heimgekehrten Picasso-Werken.
Großes Aufatmen: Museumsdirektor Ulrich Krempel und Angela Kriesel von der Sprengel Stiftung gestern mit den heimgekehrten Picasso-Werken. Quelle: Steiner
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Das Gemälde ist am Mittwochabend kurz vor Torschluss unversehrt ins Sprengel Museum Hannover zurückgelangt, ebenso wie das kleine Stillleben „Glas mit Karaffe“ (1944).

Wahrscheinlich sind die kostbaren Bilder während ihrer Odyssee nicht aus den Rahmen genommen worden. Gleichwohl überquerten sie drei Grenzen. Vor wenigen Tagen war Museumsdirektor Ulrich Krempel persönlich in Serbien, um sich von der Echtheit der Werke zu überzeugen. Könnten sie sprechen, würden sie möglicherweise eine tolle Räuberpistole erzählen. Die Story hinter dem Raub aber wurde gestern nur in vagen Andeutungen mitgeteilt, aus ermittlungstaktischen Gründen, wie es hieß. „Die Täter sind noch nicht gefasst“, sagte der aus London angereiste Kunstdetektiv Dick Ellis.

Zwischen den Zeilen aber war herauszuhören, dass nicht allein ermittlungstaktische Gründe den Ausschlag für Zurückhaltung geben. Ulrich Guntram, der Vorstandsvorsitzende der Axa Art Versicherung, in deren Auftrag Ellis die Picassos in Serbien aufspürte, sprach von einer höchst „delikaten Angelegenheit“.

Delikat könnten die Umstände der Wiederbeschaffung sein. Lösegeldzahlungen sind bei Kunstdiebstählen keine Seltenheit, jedoch verboten. Man redet schon allein deswegen nicht darüber, um keine Folgediebstähle zu provozieren. Kritisch merkte der Versicherungsmann an, dass die Bilder im Seedamm Kulturzentrum, das sich nach dem Diebstahl in Vögelekulturzentrum umtaufte, gleich neben den Notausgängen hingen, die direkt ins Freie führen. Dadurch hätten die Täter leichtes Spiel gehabt.

Der Wert der Werke liege bei vier Millionen Euro, sagte der Versicherungsmann Guntram. Wegen des Versicherungswerts war nach dem Raub hinter den Kulissen des Sprengel Museums ein Streit entbrannt. Die Sprengel-Stiftung, die das Stillleben besitzt, hatte zwischenzeitlich sogar den Berliner Staranwalt Peter Raue eingeschaltet. Hannovers Kulturdezernentin Marlis Drevermann gab ein Gutachten zur Prüfung des Versicherungswerts in Auftrag. Inzwischen herrscht wieder Frieden. Wenn es aber um die Verleihung von Werken geht, stellt die Sprengel-Stiftung dem Museum Bedingungen: Es muss gründliche Sicherheitschecks vorlegen – und die Versicherungssumme wird deutlich höher angesetzt als bei Bildern, die dem Museum gehören.

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