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Kultur Georg Baselitz wird 75
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22:14 21.01.2013
Hannover

Als junger Malerrebell hat Georg Baselitz bewusst schlechte Farbe verwendet, bräunlich-graue Reste, die er abkratzte, auflöste und für krude Landschaften und Antihelden verwendete. Inzwischen ist er bei Schwarz angelangt. „Ich träume davon, ein Bild unsichtbar zu malen“, sagte der Künstler, der morgen 75. Geburtstag feiert, im Interview mit dem „Focus“. In seinem Atelier am Ammersee experimentiert er derzeit damit, Bilder unter schwarzen Farbschichten fast verschwinden zu lassen. Die Inspiration, Motive kopf stehen zu lassen, habe er von Joseph Beuys erhalten, so Baselitz. „Beuys hat einfach das Bild verkehrt herum an die Wand gestellt und so das Geheimnis bewahrt.“

Mit der Attitüde des Dilettanten zu Welterfolg zu gelangen ist kein geringes Kunststück. Seit mittlerweile fünf Jahrzehnten stachelt Baselitz mit seiner Kunst den „Das kann ich auch“-Impuls der Betrachter an, freilich muss ihm das erst einer nachmachen. Das Museum Essl ehrt den deutschen Künstler, den die Londoner „Times“ als „Schlachtermaler“ („butcher painter“) titulierte, mit einer großen Ausstellung. Mehr als 40 Bilder sind anlässlich des 75. Geburtstag des Künstlers im österreichischen Klosterneuburg versammelt. Auffallend: Deutsche Großmuseen - wie die Neue Nationalgalerie Berlin oder das Kölner Museum Ludwig - halten sich 2013 mit Baselitz-Hommagen zurück.

Das mag enttäuschend für den 1938 in der Oberlausitz als Hans-Georg Kern geborenen Künstler sein. In den zurückliegenden Jahren konnte sich der Maler aber nicht über mangelnde Aufmerksamkeit beklagen. 2007 zeigte die Münchener Pinakothek der Moderne Baselitz’ „Remix“-Bilder, Neuauflagen alter Hits. Im selben Jahr feierte die Londoner Royal Academy den Maler. Und im Vorjahr stellte das Musée d’Art Moderne de la Ville de Paris das wenig bekannt skulpturale Werk vor: roh gezimmerte Figuren.

Auktionshöhenflüge gaben 2011 jenen recht, die schon länger prognostiziert hatten, Baselitz-Preise würden weiter steigen. Den Rekord erzielte ein 1965 gemaltes Bild mit dem Titel „Spekulatius“ aus der Sammlung des Grafen Dürckheim mit 3,2 Millionen Pfund (3,6 Millionen Euro). Etwas unter den Erwartungen blieb in London mit 2,4 Millionen Pfund (2,7 Millionen Euro) die Zweitfassung des berühmten Onanierbildes „Die große Nacht im Eimer“.

Dieses graubraune Motiv hatte 1963 Berlins Sittenwächter gegen den Maler und seinen Galeristen auf- und Baselitz’ Karriere ins Rollen gebracht. Es folgten merkwürdige Heldenbilder als Kommentare zur Geschichte und zum aufgewühlten Zeitgeschehen, beispielsweise „Rebell“ von 1965: ein Zwitter aus Golem, Raumfahrer und Lumpensammler.

Figuren, Landschaften, Ereignisse malte der Künstler seit 1969 bevorzugt verkehrt herum. Es war die Kippbild-Phase. Er kippe Motive, um die Unabhängigkeit der Kunst von der Wirklichkeit auszudrücken, sagte er. Er tue es, um mittelmäßige Malerei interessanter aussehen zu lassen, sagten Kritiker. Auch der Künstlerfreund Markus Lüpertz hatte damals Lust, Bilder zu kippen. Baselitz aber pochte auf das Alleinstellungsmerkmal.

Noch heute verkehrt der Künstler Motive, allerdings in gewandelter Form. Sein Münchener Assistent Detlev Gretenkort sagt: „Baselitz beschäftigt sich innerhalb der Malerei mit dem Farbnegativ, einer neuen Form der Umkehrung.“ Das kann so aussehen: Der Meister nimmt ein Foto eines vor Jahrzehnten gemalten Bildes, lässt es vom Enkel einscannen und als Schwarz-Weiß-Negativ am Computer ausdrucken. Daraufhin erzeugt er händisch mit Komplementärfarben ein Farbnegativ.

Mit solchen medienkünstlerischen Operationen entfernt sich Baselitz, der bis 2003 an der Universität der Künste Berlin lehrte, von der grobschlächtigen Attitüde, die ihn zum Vorläufer der „Neuen Wilden“ machte. Seinen niedersächsischen Landsitz, Schloss Derneburg, hat er 2006 verkauft, um am oberbayerischen Ammersee näher bei Kindern und Enkelkindern zu leben. Polemiker ist er geblieben.

Als der Maler Anselm Kiefer 2008 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels zugesprochen bekam, schimpfte Baselitz: Wenn Kiefer den Friedenspreis verdiene, könne als nächstes Lüpertz Bundeskanzler werden. Als noch die Mauer die beiden Deutschlands trennte, hat der Maler seine Ost-Kollegen pauschal als „Arschlöcher“ diffamiert.

Unter Ex-Kanzler Gerhard Schröder war Baselitz für alle sichtbar zum Staatskünstler mutiert. Sein kopfüber stürzender Adler zierte die Wand hinter dem Dienstschreibtisch des „Kanzlers der Künstler“. Das stürzende Wappentier erscheint als Verwandter von Baselitz’ zerzausten Helden der frühen Jahre.

Lisa Grünwald, Kuratorin im Museum Essl empfiehlt, bei Baselitz besonders auf die „Maltechnik“ zu achten und auf „Wahrnehmungsprozesse“, die die Werke auslösen. Baselitz selbst sagte einmal: „Ich glaube, dass alle Bilder, die wir kennen, Erfindungen von Malern sind.“ In mehr als 50 Schaffensjahren hat der Künstler um intensiven Ausdruck gerungen und unzählige Bilder, die nicht seinen Erwartungen entsprachen, einfach weggeworfen.

Kürzlich hat Baselitz in einem Text unter der Überschrift „Damals, dazwischen und heute“ ergründet, was ihn Künstler werden ließ. Er beschreibt sich als neugieriges Kind, das sich aus der ostdeutschen Provinz wegträumt, das entzückt ist „vom Eis des zugefrorenen Sees“, von Bergkristallen und das das Ohr an Baumstämme legt, um zu lauschen. „Irgendwann später habe ich mit Zeichnungen und Bildern begonnen, auf die Weise wie graben, bohren, lauschen, grübeln, schürfen, indem ich an das, was dahinter oder darunter ist, dachte.“

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