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Kultur Gelungener Auftakt auf Frankfurter Buchmesse
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10:50 13.10.2011
Von Martina Sulner
Besucher im Island-Pavillon auf der Frankfurter Buchmesse. Das Land ist in diesem Jahr Partner der Messe.
Besucher im Island-Pavillon auf der Frankfurter Buchmesse. Das Land ist in diesem Jahr Partner der Messe. Quelle: dpa
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Frankfurt

Manchmal kann man auf der 63.  Frankfurter Buchmesse glatt vergessen, dass es um Bücher geht. In der Halle 3, in der „Gourmet Gallery“, sieht es eher aus wie in einem gut sortierten Küchenfachgeschäft. Auf langen ­Tischen sind neue Porzellan- und Glaskreationen ausgestellt, und auf einem anderen Tisch stehen Pasta-Töpfe in Aubergine, Vanilleweiß und Braun. Nun gut, in den Regalen der „Gallery“ werden unzählige Kochbücher präsentiert – und die erinnern daran, dass man sich doch auf der Buchmesse befindet.

Gut 7400 Verleger aus mehr als 100 Ländern stellen bis Sonntag auf der Messe ihre Neuerscheinungen aus. An die 300.000 Besucher werden erwartet; angekündigt sind mehr als 3000 Lesungen auf dem Messegelände und in der Stadt.
Das Kontrastprogramm zum Trubel ist im Pavillon des Gastlandes zu finden. Kaum hat man die Island-Halle betreten, fühlt man sich in eine andere Welt versetzt. Dunkel ist es in dem Pavillon, der Besucher hört Wasserplätschern, sphärische Klänge und die sanfte Stimme eines Vorlesers oder einer Vorleserin. Auf Videoleinwänden sind Isländer zu sehen, die in ihren Privatwohnungen auf gemütlichen Sesseln sitzen, lesen oder auch vorlesen. Meistens läuft das in der Halle lautlos ab, manchmal mit Ton.

Island – mit seinen gerade mal 320.000 Einwohnern der bislang bevölkerungskleinste Ehrengast – inszeniert sich in Frankfurt als Land der Leser. Und es lädt die Messebesucher ausdrücklich zum Lesen ein: Im Pavillon sind mehrere Sofas und auch zahlreiche Stühle aufgestellt, aus Holzregalen kann man ins Deutsche übersetzte isländische Bücher ziehen.

Fotos von den schroffen, überwältigenden Landschaften im Pavillon verweisen jedoch auch darauf: Island will wohl nicht nur zeigen, wie schön und ­literaturbegeistert es ist – sondern auch Touristen locken.
Die Messe ist eine hervorragende Werbeplattform. Fast jeder, der gerade ein neues Buch herausbringt, ist in diesen Tagen in Frankfurt zu Gast. Büchner-Preisträger Wilhelm Genazino war am Mittwoch ebenso da wie der Romancier Michael Kumpfmüller. Eugen Ruge, der für seinen Debütroman „In Zeiten des abnehmenden Lichts“ am Montagabend mit dem diesjährigen Deutschen Buchpreis ausgezeichnet worden ist, stellte sich ebenso vor. Und Daniela Katzenberger, das derzeit wohl blondeste Medienphänomen Deutschlands, präsentierte ihr erstes Buch „Sei schlau, stell dich dumm“.

Erfolgreiche Autoren und TV- oder auch Polit-Prominenz ziehen auf der Messe viel Publikum. Doch eigentlich ist es aufregender zu beobachten, wie der mediale Wandel der Buchbranche in Frankfurt immer deutlicher wird. Ihre Digitalisierung schreitet voran, und das lässt sich auch an den zahlreichen ­Diskussionsrunden ablesen, in denen es um elektronische Lesegeräte, die ­E-Books, geht, um Fragen des Urheberrechtsschutzes im Internet oder darum, wie der deutsche Buchhandel sich auf den Buchmarkt der Zukunft einstellen kann.

Im technikbegeisterten Island sind ­E-Books populärer als in Deutschland. Die Präsentation als gemütliches Leseland – im isländischen Pavillon stehen sogar Zimmerpflanzen und Gladiolensträuße herum – wirkt liebenswert nostalgisch. Doch der Auftritt erinnert auch daran, dass ohne die Freude an Literatur die gesamte Frankfurter Veranstaltung überflüssig wäre.