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Kultur Geldstrafe für Angriff auf Hitler-Wachsfigur
Mehr Welt Kultur Geldstrafe für Angriff auf Hitler-Wachsfigur
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18:09 12.05.2009
Dieser Adolf-Hitler-Wachsfigur aus dem Wachsfigurenkabinett "Madame Tussauds" in Berlin riss der Täter den Kopf ab. Quelle: John MacDougall/AFP
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Der Mann hatte bei der Eröffnung des Wachsfigurenkabinetts im Juli vergangenen Jahres die umstrittene Figur beschädigt und bei einem anschließenden Gerangel einen Angestellten leicht verletzt. Das Gericht halbierte damit die zuvor in einem Strafbefehl verhängte Sanktion gegen den Arbeitslosen von ursprünglich 1800 Euro.

Der 42-Jährige sagte in dem Prozess, mit der Tat habe er ein Zeichen setzen wollen. Die Aktion, bei der ein Schaden von 6325 Euro entstand, sei „nötig gewesen“, versuchte sich der Angeklagte vor Gericht zu rechtfertigen. Er habe aber niemanden verletzen wollen. Die Tat sei eine Art Mutprobe gewesen, um vor seinen Bekannten „nicht das Gesicht zu verlieren“. Diese hätten wie er die Aufstellung der Hitler-Puppe als „völlig unangemessen“ empfunden. Für die Aufnahme der Hitler-Figur in die Schau war das Berliner Museum schon vor seiner Eröffnung von vielen Seiten heftig kritisiert worden.

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Der Angeklagte bezeichnete sich im Prozess als „einen Mensch mit politischem Bewusstsein“, der normalerweise nicht zu derartigen Taten neige. Bei einer Diskussion mit Freuenden am Vorabend der Eröffnung hatte der Ex-Polizist und gelernte Verkäufer eigenen Angaben zufolge mit Freunden über die als „ungeniert positiv“ empfundene Darstellung des NS-Diktators im Berliner Museum unweit des Holocaust-Mahnmals gesprochen. Er sei über das Aufstellen der Hitler-Figur verärgert gewesen und habe sich entschieden, den „kommerziellen Interessen von Madame Tussauds“ entgegenzutreten. Vor einem Bekannten habe er sich sogar „verbürgt“, die Figur zu zerstören.

Dennoch habe er am nächsten Tag während der „langen Wartezeit“ am Eröffnungstag vorm Museum noch mit sich gehadert. Für ihn sei aber wichtig gewesen, was Freunde und Bekannte von ihm halten würden. Als er dann im Museum die Figur Hitlers als „Mittelpunkt der Ausstellung“ empfand, habe der Impuls, ein „Zeichen setzen“ zu wollen gesiegt, sagte er.

Begleitet von Rufen wie „Nie wieder Krieg“ und „Tod dem Führer“ war der Mann auf den Tisch gesprungen, hinter dem die Hitler-Figur aufgebaut war, hatte deren Kopf umklammert, um ihn abzureißen. Beim Gerangel mit zwei Wachmännern, die neben der Figur standen, war der Wachskopf zu Boden gefallen und zersprungen. Auch die linke Hand der Figur brach dabei ab.

Vor Gericht versicherte der 42-Jährige, er würde so etwas nicht wieder tun. Er glaube aber, dass die Aktion „erforderlich war, um zu verhindern, dass der Umgang mit Hitler und Co. durch rein kommerzielles Interesse bestimmt wird“. Der Angeklagte zeigte sich vor Gericht angetan davon, dass Madame Tussauds aus seiner Sicht „nun reagiert“ habe. Nach der Restauration der Wachsfigur werde Hitler als gebrochener Mann mit zerwühltem Haar und loser Krawatte dargestellt.

ddp