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Kultur Gabriel García Márquez ist tot
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15:58 18.04.2014
Literaturnobelpreisträger Gabriel García Márquez.
Literaturnobelpreisträger Gabriel García Márquez. Quelle: Reuters
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Mexiko-Stadt

Die literarische Welt trauert um Gabriel García Márquez: Im Alter von 87 Jahren ist der kolumbianische Literaturnobelpreisträger, einer der großen Schriftsteller unserer Zeit, gestorben. García Márquez, Autor von Werken wie „Hundert Jahre Einsamkeit“ und „Die Liebe in den Zeiten der Cholera“, starb am Donnerstag in seinem Haus in Mexiko-Stadt, wie die staatliche Kulturbehörde Conaculta mitteilte.

Mit seiner opulenten und bildgewaltigen Sprache machte er den Magischen Realismus als literarischen Stil populär. Er führte seine Leser in das kleine Dorf Macondo im karibischen Hinterland und in die stattlichen Herrenhäuser der Hafenstadt Cartagena. In sprachgewaltigen Bildern erzählte er von Liebe, Schmerz und Tod. Wie kaum ein Zweiter prägte er das Bild Lateinamerikas rund um den Erdball und bestimmte die gesellschaftlichen Debatten in der Region. 1982 wurde er mit dem Nobelpreis geehrt. García Márquez hinterlässt seine Ehefrau Mercedes Barcha und seine Söhne Rodrigo und Gonzalo.

Die Trauer um den Giganten der Literatur vereinte Politiker, Schriftsteller und Künstler weltweit. „Ganz Kolumbien trägt Trauer“, sagte Präsident Juan Manuel Santos in einer Fernsehansprache. „Der am meisten verehrte Landsmann aller Zeiten ist gestorben.“ Santos ordnete eine dreitägige Staatstrauer an. In seiner Wahlheimat Mexiko wird García Márquez am kommenden Montag mit einer nationalen Trauerfeier geehrt. „Er wurde in Kolumbien geboren, aber für Jahrzehnte hat er Mexiko zu seiner Heimat gemacht. Er hat unser Leben bereichert“, schrieb der mexikanische Präsident Enrique Peña Nieto auf Twitter.

Zahlreiche Staatschefs aus Lateinamerika schickten Beileidsschreiben nach Mexiko, Hollywoodstars wie James Franco und Popikonen wie Shakira äußerten ihr Bedauern über den Tod von García Márquez. Sogar die kolumbianische Guerillaorganisation Farc kondolierte.

Der peruanische Literaturnobelpreisträger Mario Vargas Llosa zeigte sich betroffen vom Tod seines einstigen Freundes und späteren Rivalen. „Seine Romane werden ihn überleben und überall auf der Welt weiterhin Leser gewinnen“, sagte er der Zeitung „El Comercio“. Der mexikanische Dichter und ehemalige Präsident des internationalen PEN-Clubs, Homero Aridjis, sagte der Nachrichtenagentur dpa: „Mit García Márquez stirbt der letzte wichtige Vertreter des Magischen Realismus'.“

Auch US-Präsident Barack Obama gab sich als Fan zu erkennen. „Mit dem Tod von Gabriel García Márquez verliert die Welt einen ihrer visionärsten Schriftsteller und einen meiner Lieblingsautoren seit meiner Jugendzeit“, sagte Obama.

Der Präsident der EU-Kommission, José Manuel Barroso, erklärte: „Gabriel García Márquez war eine Stimme Lateinamerikas, die eine Stimme unserer Welt geworden ist. Seine Vorstellungskraft hat uns reicher gemacht, und sein Tod macht uns ärmer.“

„Wir verneigen uns vor dem Literaturnobelpreisträger und seinem Werk“, hieß es in einer Erklärung auf der Webseite des S. Fischer Verlags, wo viele seiner Werke auf Deutsch erschienen.

Wegen einer schweren Lungenentzündung war García Márquez Anfang April rund eine Woche lang in einem Krankenhaus in Mexiko-Stadt behandelt worden. Nach seiner Entlassung blieb der Zustand des 87-Jährigen kritisch. „Er ist bei schwacher Gesundheit“, sagte sein Arzt Jorge Oseguera noch am Mittwoch dem kolumbianischen Radiosender Caracol.

García Márquez wurde am 6. März 1927 in Aracataca in der kolumbianischen Karibikregion geboren. Die Ortschaft gilt als Vorbild für das Dorf Macondo, dem er in „Hundert Jahre Einsamkeit“ ein Denkmal setzte. Die Geschichte der Familiendynastie Buendía wurde in über 25 Sprachen übersetzt und mehr als zehn Millionen Mal verkauft.

Bevor García Márquez sich der Literatur zuwandte, arbeitete er als Journalist, unter anderem für die Zeitungen „El Heraldo“ in Barranquilla und „El Espectador“ in Bogotá. Auch später kommentierte der bekennende Linke und Freund des kubanischen Revolutionsführers Fidel Castro das Weltgeschehen immer wieder in Zeitungsartikeln.

Seit Jahrzehnten lebte García Márquez in Mexiko-Stadt. Dort gehörte er zum intellektuellen Zirkel der Hauptstadt und war eng mit seinen Kollegen Carlos Fuentes und Álvaro Mutis befreundet.

Zuletzt trat er an seinem Geburtstag Anfang März öffentlich auf. Vor seinem Haus begrüßte er Fotografen und Journalisten, äußerte sich allerdings nicht. Die Reporter sangen ihm zum letzten Mal die „Mañanitas“ – ein traditionelles mexikanisches Geburtstagslied.

dpa

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