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18:05 03.02.2014
„Katze unter einem Baum“ – das Gemälde von Franz Marc aus dem Jahr 1910 ist als Leihgabe wieder im Sprengel Museum Hannover zu sehen. Quelle: Martin Steiner
Hannover

Wohlig schmiegt sie sich ins flächige Grün und Gelb. Die Augen sind schläfrige Schlitze, der Bogen des Schwanzes nimmt den parallelen Schwung des blauen Baumes auf, hinter dem sie liegt - die „Katze hinter einem Baum“. Von Freitag an ist sie in Hannover zu sehen, und hier muss man sie nicht groß vorstellen. Das expressionistische Gemälde von Franz Marc schien 75 Jahre lang - von 1936 bis 2011 - wie selbstverständlich zu dieser Stadt zu gehören.

Nun findet das Wiedersehen genau dort statt, wo Freunde der Malerei von Franz Marc im Sommer vergangenen Jahres Abschied von dem Bild genommen haben - die „Katze“, die 2011 im Rahmen der Rückgabe jüdischen Eigentums Hannover verlassen musste, vervollkommnet als verspäteter Sondergast die seit September laufende Ausstellung „Weiße Federn, schwarzes Fell“ im Sprengel Museum.

Das 1910 von dem gerade 30-Jährigen geschaffene Gemälde ist nicht nur ein Sinnbild für Marcs Verständnis von organischem Rhythmus und kreatürlicher Unschuld. Er schuf damit wenige Jahre vor dem Ersten Weltkrieg, in dem der Maler 1916 getötet wurde, eine Welt, in der Menschen keinen Platz mehr zu haben scheinen. Der spätere Weg des Bildes durch Nazi- und Kriegsjahre zeugt auch von Irren und Wirren braunen Kunst(Un-)sinns - und zugleich vom Weitblick hannoverscher Kunstverständiger.

Es gehörte 1936 außer Kunstsinn auch schon Mut dazu, eine „Franz-Marc-Gedächtnisausstellung“ zu veranstalten - und die Kestnergesellschaft, in der sich nach dem Ersten Weltkrieg Unternehmer wie Hermann Bahlsen, der Verleger August Madsack und der Pelikan-Inhaber Fritz Beindorff engagierten, hatte offenbar beides. Immerhin drangen noch im selben Jahr Nationalsozialisten auf die Entlassung von Justus Bier, dem Direktor der Kestnergesellschaft. Doch der Vorstand wollte nicht kollaborieren und entschloss sich zur Schließung der Kestnergesellschaft. Justus Bier, Kunsthistoriker mit jüdischen Wurzeln und Verfechter der den Nazis suspekten Moderne, ging ein Jahr später in die USA - im selben Jahr, in dem Werke von Franz Marc in der Münchener Nazi-Propagandaausstellung als „Entartete Kunst“ geschmäht wurden. Danach scheute sich Reichspropagandaminister Joseph Goebbels nicht, die Exponate möglichst teuer verkaufen zu lassen. Was sich nicht zu Geld machen ließ, wurde verfeuert. „Kein Bild findet Gnade“, soll Goebbels dazu in seinem Tagebuch notiert haben.

Nicht unter den in München gezeigten und später verkauften oder vernichteten Bildern war die „Katze hinter einem Baum“. Denn das Bild gelangte nach der Ausstellung in der Kestnergesellschaft in die Sammlung Pelikan. So wurde ein Gemälde vorm Nazi-Zugriff gerettet, das zu einer der bedeutendsten Gemäldekollektionen des Expressionismus zählte - der Sammlung Hess des 1931 verstorbenen jüdischen Unternehmers Alfred Hess. Dessen Witwe Tekla hatte 1934 von zahlreichen zuvor in die Schweiz geschickten Gemälden etliche nach Deutschland zurückbeordert, angeblich unter Druck der Gestapo.

Zwar steht fest, dass auch die „Katze hinter einem Baum“ noch am 1. Juni 1934 von der Kunsthalle Basel ans Kunsthaus Zürich geschickt wurde. So konstatiert es Andreas Hüneke von der Forschungsstelle „Entartete Kunst“ an der Freien Universität Berlin in einer Studie, die auch den Übergang des Bildes nach der Ausstellung in der Kestnergesellschaft „an die Pelikan-Werke“ festhält. Ungeklärt ist dagegen, unter welchen Bedingungen die „Katze“ nach Deutschland zurückgelangt ist. Fest steht indes, dass das Bild die Kriegsjahre im Keller von Beindorffs Villa überstanden hat. Erst im Jahr 1983 kaufte es die Nord/LB von der Sammlung Pelikan - von vornherein mit dem Ziel, das Bild ans Sprengel Museum zu übergeben, das es dann als Dauerleihgabe ausgestellt hat.

Die Nord/LB hat sich aus eigenem Antrieb, unabhängig von der „Washingtoner Erklärung“, einer freiwilligen Übereinkunft zur Rückgabe enteigneten jüdischen Kunsteigentums von 1999, zur Rückgabe des Bildes an die Erben des Kunstsammlers Alfred Hess entschlossen. Denn letztlich konnte auch in einem aufwendigen Gutachten der im Auftrag der Bank arbeitenden Provenienzforscherinnen Vanessa Voigt und Ines Katenhusen nicht zweifelsfrei geklärt werden, unter welchen konkreten Umständen das Werk 1936 in die Sammlung Pelikan übergegangen ist. Sicher ist nur, dass die Eigentumsrechte an dem Bild an Anita Halpin übergegangen sind. Und sicher ist auch, dass die 1944 in London geborene Enkelin von Alfred Hess das Werk bereits inzwischen weiterverkauft hat. Der aktuelle Eigentümer, der anonym bleiben will, möchte es einem großen Publikum zugänglich machen. Als Dauerleihgabe gehört es heute zum Bestand des kleinen, feinen Franz-Marc-Museums im bayerischen Kochel am See, gerade noch war es im Museum von Mülheim an der Ruhr zu sehen, nach dem Ende der Ausstellung „Weiße Federn, schwarzes Fell“ am 10. Februar 2013 im Sprengel Museum soll es ins Lenbachhaus in München weiterwandern.

Man darf gespannt sein, ob solche Wanderschaft auch künftig die Bestimmung dieses Bildes ist. In Hannover würden es viele begrüßen, wenn es als Dauerleihgabe an die Leine zurückkehrte. Doch derzeit ist nicht einmal zu erfahren, ob es darüber auch nur Gespräche mit dem jetzigen Eigentümer gibt.

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