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Kultur Fraktus live in der Faust
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18:08 17.02.2013
Eine fiktive Band bei einem echten Konzert: Fraktus in der Faust. Quelle: Körner
Hannover

Thorsten Bage rastet aus. Der Querflötenspieler von Fraktus tanzt zu „Saug auf - vieles Nasses“. Bage trägt einen blinkenden Helm über einer weißen Strickmütze, der Restkörper steckt in einen grauen Overall mit Löchern unter den Armen. Aus den Boxen knarzen simple Synthie-Melodien. Das Publikum in der Sechziger-Jahre-Halle der Faust feiert Bages Ode an das Saugtuch. Dessen Bedeutung habe Bage in den achtziger Jahren als einer der ersten in Deutschland entdeckt, sagt er - und gleich vertont.

Das ist natürlich alles Quatsch. Schließlich gibt es die Band eigentlich gar nicht. Die fiktive Kinodokumentation „Fraktus - das letzte Kapitel Musikgeschichte“ hat sie erfunden. Der Film erzählt die Geschichte von Fraktus, den eigentlichen Schöpfern des Techno. Die drei Egomanen Dickie Schubert (Rocko Schamoni), Bernd Wand (Jacques Palminger und Thorsten Bage (Heinz Strunk) waren Anfang der achtziger Jahre ihrer Zeit voraus, zerstritten sich und finden erst 2012 mit Hilfe von Musikproduzent Roger Dettner (Devid Striesow) wieder zusammen.

Der Erfolg des Films hat die Band nun aber zu einem echten Konzert nach Hannover gebracht. Fraktus ist das Werk des Hamburger Künstlertrios Studio Braun. Schamoni, Palminger und Strunk haben sich durch kunstvolle Blödeleien und Telefonscherze eine Fangemeinde erarbeitet. Ein Höhepunkt: Dem Hersteller des Weinbrands Mariacron boten die Komiker getarnt als Kneipentrinker eine Hymne auf ihr Lieblingsgetränk an - und präsentierten diese („Heut ist wieder Montag, da mach ma immer ramtamtam“) gleich am Telefon.

Fraktus live ist eine herrliche Mischung aus Quatsch und Kraftwerk. Das Trio gibt die Soundtüftler, das meiste spielen sie aber tatsächlich live - mit Querflöte, E-Drum oder einer Sackkarre. Immer wieder gibt es gespielten Streit, wer denn eigentlich der Kopf hinter diesen verkopften Kunst von Fraktus ist. Aber auch Texte, die speziell Kraftwerk parodieren - etwa „Computerliebe“, in dem sich ein Atari um seine Zukunft sorgt. Oder „Affe sucht Liebe“, aus dem der Fraktus-Schlachtruf „Oh-oh-oheeoh“ stammt.

Besonders Schamoni fällt es schwer, in der Rolle des dümmlichen Dickie Schubert zu bleiben. Auch Heinz Strunk muss oft lachen, was dem Ibiza-verbrämten Bage eigentlich fernliegt. Manchem Zuschauer reicht das Rollenspiel nicht aus. „Osmose“ ruft einer und spielt auf Palmingers Solo-Song „Die Henry Maske“ an. Palminger beschreibt in der Groteske die Angst von Maskes Haut vor Osmose. Doch den Song spielt er nicht: Der Osmose-Fan muss noch ein wenig länger warten: Am 22. März kommt Palminger mit seinen Kings of Dub Rock ins Indiego Glocksee.

Gerd Schild

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