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Kultur Fotostudenten aus Hannover zeigen ihre Arbeiten
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00:12 25.07.2009
Von Johanna Di Blasi
Nora Klein (vorne) vor ihrer Collage im Kubus.
Nora Klein (vorne) vor ihrer Collage im Kubus. Quelle: Martin Steiner
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Vorsichtig tippt ein nackter weiblicher Fuß ins Rasengrün am Rand einer staubigen Fahrbahn. Es scheint, als würde sich das wohltuend anfühlen, kühl, erfrischend. Man fragt sich, was wohl hinter dem Grünstreifen liegt: eine weitere Fahrbahn, ein Parkplatz, Hochhäuser oder die offene Landschaft? Und wundert sich, dass ein urbanes Mangelbiotop – ungepflegt und ungedüngt – Sehnsüchte wecken kann.

Der Übergang von Stadt in Landschaft lässt sich kaum zeichenhafter einfangen als in der sorgfältig inszenierten und dennoch wunderbar beiläufigen und subtil erotischen Aufnahme von ­Celia Briones und Nina Weymann-Schulz. Ihre Fotoarbeiten finden sich neben Bildern von elf weiteren Studierenden der Fachhochschule Hannover und drei Professoren in der Städtischen Galerie Kubus in einer sehenswerten Sommerausstellung. Die Schau mit dem dadaistisch angehauchten Titel „Grün ist es im Licht“ ist Teil des „Gartenregion Hannover“-Festivals.

Es gibt sie also doch noch, die Künstlerausbildung in Hannover. In einer Unterabteilung des Studiengangs Fotojournalismus von Rolf Nobel hat sie sich erhalten, der politisch motivierten Austrocknung zum Trotz; der Bereich bildende Kunst der Fachhochschule wurde vergangenen Sommer eingespart. Bei den Fotografen sprießt die Kunst munter und unaufhaltsam – wie die versprengten Pflänzchen auf den Bildern der jungen Fotokünstler.

Die Studenten haben ein Auge für grüne Überlebenskünstler hinter Mülltonnen, für Spitzwegerich, der aus Mauerritzen kriecht, für die Underdogs der Pflanzenwelt, die sich im urbanen Umfeld durchkämpfen müssen. Daneben erstellen sie Typologien von Schrebergärten, Gartenzäunen und umfriedenden Hecken.

In der abwechslungsreichen Ausstellung finden sich auch ökologisch motivierte Landschaftsporträts und soziologische Reportagen. Man begegnet müden Spargelstechern auf niedersächsischen Äckern und sogar dem letzten hannoverschen Bauern. Florian Manz hat dem sympathisch-knorrigen Mann bei seinem arbeitsreichen Alltag zwischen Heuernte und Tierfütterung zugesehen.

Wie mit Raureif überzogen und märchenhaft entrückt wirken die Infrarotbilder der Ricklinger Teiche von Viktoria Behr. Slapstickhaft sind dagegen die surrealen Inszenierungen von Michael Heck und Mario Wezel: Fischer halten Angeln in offene Kanaldeckel, junge Männer üben Trockenschwimmen am heißen Asphalt, und Badenixen breiten ihre Handtücher auf dem Pflaster aus statt auf dem Rasen des Freibades.

Zu den stärksten Studentenarbeiten gehören die Nachtbilder von Philip ­Lisowski. Er zeigt vertraute Orte in Hannover (hinterm Rathaus, am Maschsee) als mysteriöse, dschungelartige Räume.

Auch wenn sich manches im bloß Witzigen erschöpft und nicht immer eine zündende Idee erkennbar ist, waren die Studenten sichtlich um neue und originelle Blickwinkel auf das anspruchsvolle Thema bemüht, das gegenwärtig eine ganze Reihe von Künstlern beschäftigt. Das Schweizer Magazin „Du“ hat seine aktuelle Ausgabe unter das Thema „Wie die Kultur die Natur neu erfindet“ gestellt, so könnte auch der Untertitel der hannoverschen Schau lauten.

Zwischen den Schülerarbeiten eingestreut finden sich Werke der Professoren: Rolf Nobel verschafft unscheinbaren Blümlein am Wegrand glänzende Starauftritte, Knut Giebel vergleicht Rasenstücke (von Verkehrsinseln, vom Fußballstadion, unter den Nanas), und Raimund ­Zakowski fängt Landschaften reich an Details mit der Großbildkamera ein.

Bei Zakowski zeigt sich am stärksten der Einfluss des großen und stilprägenden Landschaftsporträtisten Heinrich Riebesehl, der von 1968 bis 1997 an der Fachhochschule Hannover gelehrt hat. Das nächste Projekt führt die Fachhochschüler nach Hamburg. Gemeinsam mit F. C. Gundlach erarbeiten sie eine Porträtausstellung für das dortige „Haus der Photographie“.

Kubus, Theodor-Lessing-Platz 2, Eröffnung ist am Sonntag, 26. Juli, um 11.15 Uhr. Die Ausstellung läuft bis 23. August, Katalog 10 Euro.