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Kultur Fotograf Irving Penn ist gestorben
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20:14 08.10.2009
Von Uwe Janssen
Das undatierte Bild zeigt Irving Penn in seinem Fotostudio.
Das undatierte Bild zeigt Irving Penn in seinem Fotostudio. Quelle: Irving Penn Studio, Inc.
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Einen Kuchen zu fotografieren könne auch Kunst sein. Als Irving Penn das 1953 sagte, war der Kuchen als Kunst­objekt eher unbekannt. Penn dagegen war ein weithin bekannter Modefotograf, mit Richard Avedon dominierte er die Modefotografie der fünfziger Jahre. Seine Karriere hatte 1943 mit einem Titelbild auf dem Magazin „Vogue“ begonnen, rund 150 wurden es insgesamt.

Ein Modefotograf war kein Künstler zu dieser Zeit. Penn beschrieb mit seinem Kuchenzitat nicht nur sein Arbeitsethos, sondern auch seinen Willen, die Trennung von Kommerzialität und Kunst in seinem Beruf aufzulösen. Der ältere Bruder des Hollywood-Regisseurs Arthur Penn war ebenso Perfektionist wie verspielter Arrangeur mit Freude am Experiment. Er holte seine Models ins Studio und umgab sie dann mit Künstlichkeit, um zu sehen, wie sie mit der ungewohnten Situation umgehen.

Er schoss das vielleicht beste Foto von Pablo Picasso, indem er ihn mit Hut und Mantel bis auf einen Gesichtsausschnitt verhüllte. Er schoss 30 Jahre später das vielleicht beste Foto von Model Giselle Bündchen, indem er sie in anmutiger Pose bis auf ihr wallendes Haar enthüllte. Künstler Marcel Duchamps quetschte er zwischen zwei Stellwände, von Miles Davis reichte ihm die linke Hand, in der man fast meint, das Gesicht des Trompeters erkennen zu können.

Nach den gängigen Mustern der Mode hatte er nun auch die gängigen Muster der Porträtfotografie verlassen, doch nur in diesen so einfachen wie ungewöhnlichen Arrangements, war Penn überzeugt, dringe er zum Kern der Persönlichkeit seiner Modelle vor. Marlene Dietrich, Alfred Hitchcock oder Spencer Tracy holte er ebenso vor die Kamera wie Hunderte von Arbeitern für eine Porträtserie. Bereits in den fünfziger Jahren wurde er in die Liste der zehn weltweit bedeutendsten Fotografen aufgenommen.

Doch auch das reichte ihm nicht. Der Fotograf reiste mit einem Atelierzelt und einer alten Plattenkamera zu den Eingeborenen Papua-Neuguineas, zu afrikanischen Stämmen und peruanischen Hochlandindianern und etablierte eine Art Ethno-Fotografie.

In seinen späten Schaffensjahren widmete sich der Fotograf, der ursprünglich Maler hatte werden wollen, vermehrt dem Stillleben, und auch hier beschritt er neue Wege. Da Penn seine Berufslaufbahn als Designer gestartet hatte und später auch als Werbefotograf arbeitete, hatte er nie ein Problem mit der Vermischung von Kunst und Kommerz. Er versuchte, Dinge ins rechte Licht zu rücken – und holte aus Motiven wie Zigarettenkippen, Essensresten oder Straßenmüll eine erstaunliche Unekel­haftigkeit heraus.

Trotz der späten Faszination für das scheinbar Unschöne – eine Schönheit begleitete Penn sein halbes Leben lang: Das Modell Lisa Fonssagrives, mit der er von 1950 bis zu ihrem Tod 1992 verheiratet war. Am Mittwoch nun ist Penn im Alter von 92 Jahren in New York gestorben.