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Kultur Fotograf Arno Fischer gestorben
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14:51 14.09.2011
Der Fotograf Arno Fischer ist gestorben. Quelle: dpa
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Berlin

Arno Fischer, einer der wichtigsten Fotografen der DDR und Mentor für den Nachwuchs, ist tot. Er starb am Dienstag im Alter von 84 Jahren, teilte die Fotoagentur Ostkreuz am Mittwoch in Berlin mit. Zu den bedeutendsten Werken Fischers gehören seine Bilder aus dem Osten und Westen Berlins der Nachkriegszeit. Bekannt sind auch seine Aufnahmen aus New York und die Porträts der einsamen Marlene Dietrich aus dem Jahr 1964. Wie seine Frau, die 2010 verstorbene Sibylle Bergemann, arbeitete er früher für die legendäre DDR-Modezeitschrift „Sibylle“.

Sein Kurator Matthias Flügge, der mit ihm eine Schau in Bonn gestaltete, würdigte Fischer für „den Erhalt und die Weiterentwicklung der humanistischen Sprache der Fotografie“. Die besten Bilder seien von einer „unaufdringlichen Vielschichtigkeit“, sagte Flügge. Ein Beispiel: das Foto eines Jungen, der im Nachkriegsdeutschland vor einem Militaria-Laden steht.

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Fischer erzählte in seinen Bildern Geschichten. Flügge erinnerte an seinen Leitsatz: „Wenn ich einen Mann an einer Bushaltestelle fotografiere, muss mehr auf dem Bild zu sehen sein als ein Mann an einer Bushaltestelle.“

Fischer schärfte als Lehrer und Professor in Berlin, Leipzig und Dortmund den Blick mehrerer Generationen. Als der Emeritus 2001 eine eigene Fotografenschule „Fotografie am Schiffbauerdamm“ gründete, meldeten sich schlagartig 400 Interessenten für einen Kurs. „Mit jungen Leuten zu arbeiten, ist mein Leben“, sagte Fischer einmal.

Nach dem Krieg hatte der im Arbeiterbezirk Wedding geborene Berliner zunächst Bildhauerei in Ost und West studiert. Eine Assistentenstelle mit dem Lehrauftrag Fotografie an der Kunsthochschule Weißensee Mitte der 50er Jahre machte ihn zum DDR-Bürger.

Eines seiner ersten Fotos zeigt das brennende Berlin 1943 nach einem Luftangriff. Mit seiner Geburtsstadt sei die „wichtigste Arbeit seines Lebens“ verbunden, erklärte Fischer. Schwarz-Weiß-Fotos fernab der Propaganda entstanden bei seiner Wanderung zwischen dem Ost- und Westteil. Es sind unspektakuläre Episoden von Menschen im Alltag.

Der Mauerbau sorgte dafür, dass seine „Berlin-Serie“ in der Öffentlichkeit so gut wie unbekannt blieb. Ein bereits druckfertiges Buch unter dem Titel „Situation Berlin“ mit Aufnahmen aus der Frontstadt wurde verboten. Als Fischer 2010 vom Land Berlin den Hannah-Höch-Preis für sein Lebenswerk bekam, wurde das Projekt als bedeutendster fotografischer Beitrag über die Teilung der Stadt in der frühen Nachkriegszeit gewürdigt.

Fischers und Bergemanns Atelierwohnung am Schiffbauerdamm nahe dem Berliner Ensemble war ein Treffpunkt der Künstlerszene. Das Paar gab sie nicht ohne Schmerzen auf. Als noch keiner an den Mauerfall dachte, waren so berühmte Fotografen wie Henri Cartier-Bresson, Robert Frank und Helmut Newton ihre Gäste. Das einstige Sommerhaus bei Gransee wurde zum Alterswohnsitz des Paares. Zu Fischers letzten Veröffentlichungen gehörten Polaroids aus dem brandenburgischen Garten.

dpa

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