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Kultur Florian David Fitz: „Midlifecrisis ist das Beste, was einem passieren kann.“
Mehr Welt Kultur Florian David Fitz: „Midlifecrisis ist das Beste, was einem passieren kann.“
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12:27 30.10.2019
Schauspieler Florian David Fitz bei der Premiere der Komödie „Das perfekte Geheimnis“ in Berlin. Quelle: imago images/Photopress Müller
Berlin

Am Donnerstag läuft die Komödie „Das perfekte Geheimnis“ an. Im exklusiven RND.de-Interview spricht Hauptdarsteller Florian David Fitz über den Dreh mit seinen Kollegen Elyas M’Barek, Frederick Lau und Co., über den Dutt, den seine Figur hat, und über mittelalte Männer in der Midlifecrisis.

Wusste Regisseur Bora Dagtekin von Anfang an, wer von euch Schauspielern welche Rolle spielt?

Nein, wir haben tatsächlich auch die unterschiedlichen Rollen ausprobiert, Elyas, Frederick und ich haben fast alle Rollen gespielt. Bora hat das immer wieder kombiniert. Das war für ihn ein total guter Prozess, um diese Figuren auch zu finden. Welche Konstellation ist am spannendsten, wie ist es am unerwartetsten? Es soll ja auch keiner sagen: Den habe ich jetzt schon 5000-mal in so einer Rolle gesehen. Aber trotzdem muss man uns diese Figuren ja glauben.

Sie spielen einen Lehrer, der einen Dutt trägt …

Das ist genauso wie bei Maske und Kostüm. So eine Frisur hilft einem, die Figur zu greifen. Und Bora Dagtekin ist da sehr präzise. Ich spiele ja einen Sportlehrer, der trotzdem etwas Intellektuelles hat. Erst hatte ich eine Hipsterfrisur, aber das hat nicht so gepasst. Nun habe ich eine Brille und einen Bart, der etwas herausgewachsen ist. Jeder kennt ja diese Männer, die diesen Dutt haben.

Ist der Dreh leichter oder schwerer, wenn man die anderen Schauspieler schon kennt?

Das macht es meiner Meinung nach am leichtesten für den Regisseur. Da muss man ja so wahnwitzig viel kommunizieren. Und je besser man jemanden kennt, desto kürzer sind natürlich die Wege. Bei uns ist am wichtigsten, dass man sich ein bisschen mag und ein Vertrauen hat. Wobei ich auch schon von Schauspielern gehört habe, die sich überhaupt nicht ausstehen konnten, und da sind am Ende super Filme rausgekommen.

In dem Film geht es um einen Freundeskreis, der beschließt, einen Abend lang alle Anrufe und Nachrichten, die auf den Handys ankommen, mit allen zu teilen. Dieses Spiel läuft völlig aus dem Ruder …

Es ist relativ neu, dass wir alle ein Gerät haben, das alles bündelt. Es ist unser Kalender, wir machen unsere Fotos damit, und Chatverläufe sind wie Tagebücher. So viel hat man nie in einem Gerät gehabt. Das macht es interessant. Man sollte als Pärchen keine Angst haben, dass man nach dem Film getrennt aus dem Kino rausgeht. Ich würde ihnen aber trotzdem nicht raten, dieses Spiel zu spielen. (lacht)

Der Cast von „Das perfekte Geheimnis“: (von links) Wotan Wilke Möhring, Jessica Schwarz, Jella Haase, Elyas M’Barek, Karoline Herfurth, Florian David Fitz und Frederick Lau bei der Premiere in Berlin. Quelle: imago images/Gartner

Eine der Fragen, die in dem Film aufgeworfen werden, lautet: „Ist man nur ganz, wenn man Kinder hat?“

Frauen müssen früher erwachsen werden als Männer, weil sie sich früher entscheiden müssen, ob sie eigene Kinder haben wollen oder nicht. Frauen müssen vielleicht auch Kompromisse machen, die sie sonst nie machen würden. Männer haben nicht so die Pistole auf der Brust. Aber man merkt natürlich schon, dass die eigene Kraft sich natürlich auch verändert, je älter man wird – auch dass die Geduld sich verändert und dass die Lust auf Kinder sich vielleicht verändert. Also, um die Frage zu beantworten: Nein, man ist schon auch ohne Kinder ganz, aber mit Kindern dreht sich das Leben vermutlich um eine völlig andere Achse.

Bei Frauen wird in diesem Zusammenhang oft auf die biologische Uhr hingewiesen, aber auch mittelalte Männer stellen oft vieles infrage. Stichwort: Midlifecrisis …

Midlifecrisis klingt immer so negativ. Dabei ist es das Beste, was einem passieren kann. Sagt man nicht, dass man das etwa alle sieben Jahre hat, dass man sich und sein Leben hinterfragt? Man beantwortet die Frage jedes Mal unterschiedlich. Man stellt sich diese Frage genauso gut mit 14 oder 15 Jahren: „Was mache ich mit meinem Leben?“ Nach dem Abi oder Schulabschluss war es auch so: „Was ist wirklich wichtig?“ Man will einen Beruf haben und sich seinen Platz erkämpfen. Danach fragt man sich: „Ist das jetzt alles? Ich sehe plötzlich den Horizont da hinten.“ Die Frage nach einer eigenen Familie kommt dann häufig. Ich finde es total wichtig und kann nur jedem raten, ab und zu mal diesen Schritt aus dem eigenen Leben heraus zu machen und noch mal zu gucken, was man möchte. Das Leben ist ja nicht unendlich.

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Endlich Sommer. #keinfiltermehrnötig #auchsoschön

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Apropos, nach dem Film ist vor dem Film. Woran arbeiten Sie gerade?

Ich schreibe gerade an „Oskars Kleid“. Darin geht es um einen Scheidungsvater, der plötzlich merkt, dass sein Sohn vielleicht gar nicht sein Sohn ist, sondern ein Mädchen. Nach den Dreharbeiten zu „Das perfekte Geheimnis“ habe ich im Sommer angefangen zu recherchieren.

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Wird das wieder eine Mischung aus Drama und Komödie?

Genau. Ich mag es, tragische Dinge mit einem komödiantischen Ton anzugehen. Wenn man sich meine Filme wie „Vincent will Meer“ oder „Hin und weg“ anschaut, das sind im Kern eigentlich immer Tragödien, die wie eine Komödie daherkommen. „100 Dinge“ war ein Film über Konsum und „Der geilste Tag“ war ein Film über den Tod. Nur weil wir sterben, heißt es nicht, dass wir keinen Humor haben können. Wir sind durchaus fähig, sehr schnell unterschiedliche Emotionen zu haben. Für mich macht es der Mix. Außerdem will ich ja, dass die Leute von ihrem bequemen Sofa runterrutschen und sich auf den beschwerlichen Weg ins Kino machen. Da hilft die Perspektive auf ein bisschen Lachen.

RND

Von Thomas Kielhorn/RND

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