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17:39 05.05.2009
Das Musical „Marie Antoinette“ soll Theater Bremen in Schwierigkeiten gebracht haben - Intendant Hans-Joachim Frey dementiert Notlage.
Das Musical „Marie Antoinette“ soll Theater Bremen in Schwierigkeiten gebracht haben - Intendant Hans-Joachim Frey dementiert Notlage. Quelle: David Hecker/ddp
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Deshalb müssten jetzt bereits Zuschuss-Gelder aus den nächsten Jahren in Anspruch genommen werden, hieß es. Der Intendant des Theaters, Hans-Joachim Frey, räumte finanzielle Nöte ein. Die seien aber nicht auf das Stück zurückzuführen. Das Theater sei schon in den letzten Jahren „strukturell unterfinanziert“ gewesen. Es habe nur nie jemand darüber geredet, sagte Frey.

„Die Lage ist ernster als vor zwei oder drei Jahren, aber es gibt kein Krisenszenario“, betonte der Intendant. Frey bestätigte, dass das Theater auf Zuschüsse der Stadt zurückgreifen muss, die eigentlich für die kommenden Jahre vorgesehen waren. Nach seinen Angaben fehlen dem Theater in diesem Geschäftsjahr etwa 2,5 Millionen Euro für ein ausgeglichenes Ergebnis.

Das ist etwa ein Zehntel des Jahresetats. Das Minus soll je nach Bedarf aus den öffentlichen Zuschüssen für die kommenden fünf Jahre ausgeglichen werden, die rund 24 Millionen Euro jährlich betragen.

Nach dem Bericht von Radio Bremen kamen deutlich weniger Zuschauer in die Vorstellungen von „Marie Antoinette“ als ursprünglich geplant. Frey erwiderte: Das Stück sei „noch nicht zu Ende gespielt“. Bislang hätten 85.000 zahlende Zuschauer das Musical gesehen. 100.000 Zuschauer seien nötig, damit es seine Produktionskosten von etwa 5,5 Millionen Euro einspielt. Zudem gebe es bereits zahlreiche Interessenten, die das Musical in einer anderen Stadt zeigen wollten. Durch die Zweitverwertungsrechte könnte so Geld nach Bremen gelangen.

Die Bremer CDU-Fraktion forderte Bürgermeister Jens Böhrnsen (SPD) unterdessen auf, über die finanzielle Situation des Theaters aufzuklären. Bereits Ende April habe man um eine Stellungnahme zur finanziellen Situation des Theaters gebeten. Bis heute liege dazu aber keine Antwort vor, kritisierte Carl Kau, kulturpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion.

Kritiker wie Kau befürchten, dass das Theater in den kommenden Jahren von dem finanziellen Problem wieder eingeholt wird und eine neuerliche Bugwelle der Unterfinanzierung vor sich herschiebt. Frey bestätigte, dass ein Vorgriff auf Haushaltsmittel folgender Jahre bei dem Theater Standard sei. Deshalb zeigte auch er sich „etwas verwundert, dass das jetzt so eine große Welle schlägt“.

Frey selbst hat, wie er sagte, jetzt lediglich darauf gedrungen, dass einmal alle Fakten auf den Tisch kommen, um eine gemeinsame Lösung aus der strukturellen Unterfinanzierung zu finden. Die Bremer Kulturbehörde reagierte auch prompt auf die Medienberichte: Es werde an einem Lösungskonzept gearbeitet, das bis Ende Mai präsentiert werden sollte. Vorgesehen sei eine Optimierung des Wirtschaftsbetriebes, eine Überprüfung der Angebotsstruktur sowie ein flexibles Finanzmanagement. Die jetzt notwendigen Vorgriffe auf Zuschüsse verlangten eine Neufassung des Konsolidierungskonzeptes, hieß es.

ddp