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Kultur „Fahrenheit 11/9“ – Trumps aufhaltsamer Aufstieg
Mehr Welt Kultur „Fahrenheit 11/9“ – Trumps aufhaltsamer Aufstieg
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06:00 15.01.2019
Sie kennen sich von früher: Michael Moore (l.) mit Donald Trump in einer Fernsehshow, als dieser noch nicht Präsident war. Quelle: Foto: Weltkino
Hannover

Man muss Michael Moore nicht mögen, um ihm doch politische Hellsichtigkeit zu attestieren: Als die meisten Beobachter noch feixten bei der Vorstellung, ein gewisser Donald Trump könnte US-Präsident werden, warnte Moore schon vor der heraufziehenden Gefahr. Inzwischen lehrt Twitter-Trump die Welt das Fürchten, und nun beschaut sich Moore den Schaden.

Michael Moore hält sich in „Fahrenheitt 11/9“ mit Rechthaberei zurück

Für seine Gepflogenheiten hält sich der Kinopoltergeist mit Rechthaberei zurück in „Fahrenheit 11/9“ – der Filmtitel verweist auf Moores wohl berühmtesten Film „Fahrenheit 9/11“ über die Folgen der Terroranschläge vom 11. September 2001. Nun fragt Moore nach den Ursachen für die größte anzunehmende politische Katastrophe bei den US-Wahlen in der Nacht zum 9. November 2016.

Trump ist für ihn nur die logische Konsequenz des Versagens der politischen Klasse: „Unser System war schon zerstört, bevor Trump auftauchte“, heißt es. Und deshalb kriegen auch andere einen auf den Deckel, zum Beispiel Überpräsident Barack Obama.

In Archivaufnahmen verlässt Obama locker federnd die Air Force One in Michael Moores Heimatstadt Flint, trinkt demonstrativ ein oder zwei Schlückchen vom bleivergifteten Wasser – und wischt so die humanitäre Katastrophe beiseite, die sich in Michigan unter der vornehmlich schwarzen Bevölkerung abspielt. Obama verhält sich keinen Deut besser als der republikanische Gouverneur Rick Snyder, der seinen Bundesstaat nach eigenen Worten bis heute wie ein Unternehmen leitet – ein Vorbild für Trump.

Umstritten: Moore lässt aus Adolf Hitlers Mund Trump-Worte kullern

Ob traumatisierte Highschool-Kids gegen die Waffenlobby zu Felde ziehen oder ob Lehrer die Bildungsmisere anprangern: Keiner nimmt sie wirklich ernst, erst recht nicht die Demokraten, die sich lieber darin üben, mit lauteren und unlauteren Mitteln den Kandidaten Bernie Sanders zu verhindern.

So trieb die liberale Elite den Menschen die Hoffnung aus – und die Wähler einem Scharlatan in die Arme, der seine autokratischen Ansichten offen vor sich herträgt. Geballt bekommen wir sie vorgetragen: Trump stachelt den Hass gegen Minderheiten und Migranten an. Er erklärt die Medien zu Staatsfeinden. Er plaudert darüber, Präsident auf Lebenszeit sein so wollen. Unmerklich verschiebt er die politischen Grenzen des Sagbaren.

In der umstrittensten Szene kullern aus dem Mund Adolf Hitlers Trump-Sätze. Das ist keine billige Gleichsetzung: Michael Moore lässt den Holocaust-Experten Timothy Snyder über die akuten Gefahren für die amerikanische Demokratie referieren. Kam nicht auch Hitler mit legalen Mitteln an die Macht? Und beruhigten sich Nicht-Nazis nicht mit der irrigen Hoffnung, Hitler einhegen zu können?

Michael Moore sucht nach Zeichen der Hoffnung

Hin und wieder schießt Moore über das Ziel hinaus: Der Regisseur unterstellt Trump, die eigene Tochter missbraucht zu haben. Er kann nicht mehr vorweisen als einige tatsächlich widerwärtige Auslassungen des Präsidenten. Zu lange hält sich Moore damit auf, sich zu rechtfertigen, wieso er vor ewigen Zeiten in einer Fernsehshow mit dem Unternehmer Trump saß, ohne ihn zu attackieren.

„Fahrenheit 11/9“ war in den USA schon vor den Midterm-Wahlen im November zu sehen. Wohl auch deshalb sucht Moore nach Zeichen der Hoffnung. Er kommt zu der Erkenntnis: Vielleicht ist genau jetzt der Moment gekommen, um endlich zu handeln und das „Amerika zu retten, das es noch gar nicht gegeben hat“. Eine neue, junge Politikergeneration habe schon damit begonnen.

Von Stefan Stosch / RND

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