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Kultur „Adam und Evelyn“: Idylle oder Umbruch
Mehr Welt Kultur „Adam und Evelyn“: Idylle oder Umbruch
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18:00 09.01.2019
Jetzt aber los: Evelyn (Anne Kanis) auf Reisen. Quelle: Foto: Neue Visionen
Hannover

Es war ein Sommer zerbrechender Gewissheiten. Vor dem Mauerfall 1989 rumorte es vernehmbar in der DDR. Veränderungen kündigten sich an. Doch nicht alle bekamen etwas mit davon. Adam (Florian Teichtmeister) und Evelyn (Anne Kanis) genießen die Idylle im gemütlichen Garten und wollen bald in Urlaub, nach Ungarn zum Balaton.

Starke Frauenfiguren in der Adaption von Ingo Schulzes Roman

Allerdings machen sich kleine Risse in der Beziehung zwischen dem Damenschneider und der Kellnerin bemerkbar. Die junge Frau empfindet diffuse Unruhe. Ihrem Partner ist es „egal, wo man lebt“. Zum Eklat kommt es, als Evelyn Adam mit einer Kundin erwischt und stinksauer mit ihrer Freundin Mone (Christine Alexandrow) und deren West-Freund (Milian Zerzawy) in den Urlaub aufbricht.

Der reuige Sünder folgt ihnen im himmelblauen Wartburg. Unterwegs gabelt er eine Frau auf, die über Ungarn ausreisen will, aber leider den Pass verloren hat. Plötzlich wirbelt politischer Wandel alle Pläne durcheinander.

Es sind starke Frauenfiguren in Andreas Goldsteins Adaption von Ingo Schulzes Roman. Die Frauen sind es, die die Initiative ergreifen und nach Freiheit streben Als die Grenze nach Österreich offen steht, drängt Evelyn auf einen Neuanfang im Westen, Adam möchte zurück nach Hause in sein Nischendasein - und der Wessi erfüllt sowieso ziemlich platt alle Kapitalisten-Klischees.

Manchmal nervt die lähmende Lakonie der Figuren

Die Urlauber reden über Banalitäten, erleben die Zeitenwende als Zufall. Die historischen Ereignisse werden nicht dramatisiert oder psychologisiert. Die Protagonisten erfahren von den Umwälzungen durch Radiosendungen, quasi aus zweiter Hand. Evelyn will nicht zurück in den Provinzgarten, der für Adam das Paradies bedeutet.

Man kann es entspannt nennen, wie die Geschichte erzählt wird. Manchmal aber nervt die lähmende Lakonie der Figuren. Der in der DDR aufgewachsene Regisseur lässt die Vorstellungen über ein künftiges Leben im Westen offen, spiegelt unklare Befindlichkeiten, bleibt im Ungefähren. Dazu passt es, wenn das Paar schließlich vor einem neuen Leben in einer neuen Welt steht. Für ihn ist das Glas halb leer, für sie halb voll.

Von Margret Köhler / RND

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