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Kultur Für Schauspieler gibt’s kein Rentenalter
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11:33 24.04.2019
Aristokratinnen: Maggie Smith, Joan Plowright, Eileen Atkins und Judi Dench. Quelle: Verleih
Hannover.

Ob es ihm schwerfalle, nurmehr alte Leute auf der Leinwand zur verkörpern, wurde Michael Caine beim Filmfestival in Cannes mal gefragt. Den putzigen Einwurf konterte der schwarzhumorige Brite trocken: „Die einzig mögliche Alternative wäre es, tote Leute zu spielen. Da ziehe ich alte Leute vor.“

„Ein letzter Job“ – Komödie über einen Juwelenraubzug in England

So spielt der 86-jährige Caine nun immer ältere Leute, genau wie manch anderer Kollege, etwa Michael Gambon (78), Tom Courtenay (82) oder Jim Broadbent (beinahe noch ein Jüngling: 69). Mit diesen dreien ist Caine jetzt in „Ein letzter Job“ zu sehen, einer Komödie über einen Juwelenraubzug in England.

Regisseur James Marsh beruft sich auf einen authentischen Fall, der vor vier Jahren auf der Insel für Aufsehen sorgte: Ein Trupp Rentner räumte die Londoner Hatton Garden Safe Deposit Company aus. Mit schwerem Bohrgerät drangen die Senioren in stillen Ostertagen durch eine Kellerwand zu den Klunkern vor. Es handelte sich um einen der größten Einbrüche in der Geschichte Großbritanniens. Ein paar reifere Fachkräfte bewiesen, dass ihnen Bastelrunden und Busausflüge zu langweilig sind.

Bei dieser Besetzung müsste die Komödie ein schauspielerisches Freudenfest sein. Doch weiß Regisseur Marsh mit seinem illustren Personal wenig anzufangen. Es gehört schon zu den witzigeren Momenten, wenn die Ganoven immer wieder ihrer schwächelnden Konstitution Tribut zollen: Da wird der Raub schon mal unterbrochen, um einem Räuber eine Insulinspritze in den nackten Hintern zu jagen.

Das Kino setzt verstärkt auf Senioren

Diesen letzten Job wickelt der Regisseur (Oscar-Preisträger mit der Doku „Man On Wire“ – Der Drahtseilakt“) mit wenig Esprit und viel zu viel Routine ab. Dabei ist Routine ja gerade das, was die Protagonisten hinter sich lassen wollen.

Die hier versammelten Herrschaften hätten mehr draufgehabt, wie man beinahe im Wochenrhythmus auf unseren Leinwänden sehen kann. Das Kino setzt verstärkt auf Senioren – und trägt damit dem Umstand Rechnung, dass auch das Publikum älter wird, zumindest im Arthouse-Bereich. Man mache den Test an einem Sonntagnachmittag in einem x-beliebigen Programmkino: Ergraute Köpfe recken sich über die Sessellehnen.

Warum sollen dann die Schauspieler aufhören? Nur wenige ziehen einen klaren Schlussstrich, so wie es der bald 83-jährige Robert Redford womöglich gerade in „Ein Gauner und Gentleman“ getan hat – auch dies übrigens eine Räubergeschichte. Ab einem gewissen Alter schert man sich wohl nicht mehr so sehr um die weltliche Gerichtsbarkeit (Clint Eastwood war kürzlich als Senioren-Drogenkurier unterwegs im Kino).

„Tea With The Dames“ – Doku als nachmittägliche Plauderstunde

Allerdings: Man muss schon der Elite wie Redford oder Caine angehören, um seinen Abschied selbst bestimmen zu können. Anderenfalls erlöschen die Kamerascheinwerfer um einen herum. Schnell gerät man ganz ohne mediale Begleitung in Vergessenheit.

Doch scheinen sich die Altersgrenzen allmählich zu verschieben, und das gilt gerade für die Schauspielerinnen-Aristokratie. Im Fall von „Tea With The Dames“ ist das wörtlich zu verstehen. Die vier Damen hier verbindet eines: Die Queen hat Judi Dench (84), Eileen Atkins (84), Joan Plowright (89) und Maggie Smith (84) für ihre künstlerische Leistung zu „Dames“ geadelt.

Man muss sich diese Doku mit den Altstars von Regisseur Roger Michell („Notting Hill“) als eine Art nachmittägliche Plauderstunde im sattgrünen Garten eines britischen Cottages vorstellen – unterlegt mit Archivszenen, die weit in die Historie zurückreichen. Ausgiebig können wir den Reifeprozess der Damen beobachten und stellen beeindruckt fest, wie es sich mit frecher Zunge in Würde altern lässt.

Die Damen plaudern witzig aus ihrem Erfahrungsschatz

Die Teilnehmerinnen sind sich stets bewusst, dass eine Kamera auf sie gerichtet ist. Schließlich sind sie Profis. Aber dann plaudern sie umso witziger aus ihrem Erfahrungsschatz. Nur die eingesprochenen deutschen Übersetzungen stören ein wenig, und man versteht auch nicht jede Anspielung.

„Wisst Ihr noch“, sagt Judi Dench zum Beispiel, „wie wir früher bei unfreundlichen Pensionsvermietern einen Bückling unter den Küchentisch genagelt haben, wenn das Engagement zu Ende ging?“ Oder wie sie in den Sechzigern am Trafalgar Square gegen den Vietnamkrieg protestierten und darüber ihre Auftritte ganz vergaßen. Und Maggie Smith stellt klar: „Auch als ,Dame‘ darf man noch fluchen.“

Einmal will der Regisseur wissen, wie sich die Damen an die Zusammenarbeit mit ihren Ehemännern erinnern. Friedhofsruhe macht sich breit. Dann sagt eine: „Wir überlegen gerade, bei welchen Ehemännern wir anfangen sollen.“ Eine von ihnen, Joan Plowright, hat die nationale Theater-Ikone Laurence Olivier überlebt.

Dem Alter begegnen die Teedamen mit Hohn und Spott

Und wie steht es ums Lampenfieber nach all den Jahrzehnten? Eileen Atkins sagt: „Auf dem Weg ins Theater frage ich mich immer: Würde ich jetzt lieber überfahren werden? Und ich ende immer nur ganz knapp bei einem Nein.“ Die anderen nicken.

Dem Alter begegnen sie mit Hohn und Spott. „Sagen wir mal so“, sagt Plowright zum Regisseur: „Es ist gut, dass ich ein Hörgerät habe und Sie hören kann.“ Und wenn Smith gefragt wird, ob sie schon ihre Beerdigung geregelt habe, dann antwortet sie: „Nein, weil ich nicht sterbe.“ Die bissige Judi Dench steuert einen Rat für nachfolgende Generationen bei: „Verliebt euch nicht so schnell, das macht euch fertig.“

In einem Punkt sind sich die untereinander durchaus neidischen Damen einig: „Wenn es Rollen für uns gibt, spielen wir bis in alle Ewigkeit.“ Dann wird ein Gläschen Champagner serviert. „Endlich“, sagt Judi Dench.

Von Stefan Stosch

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