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Kultur “Fette Bläsersätze”: Die Toten Hosen überraschen als Bigband
Mehr Welt Kultur “Fette Bläsersätze”: Die Toten Hosen überraschen als Bigband
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13:07 22.10.2019
Die Düsseldorfer Punkband Die Toten Hosen mit Gitarrist Michael Breitkopf, Bassist Andreas Meurer, Sänger Campino, Gitarrist Andreas von Holst und Schlagzeuger Stephen George Ritchie (l-r) steht vor der Tonhalle. Die Düsseldorfer Punkrocker veröffentlichen am 25.10.2019 mit "Alles ohne Strom" ihr zweites Akustik-Album. Quelle: David Young/dpa
Düsseldorf

Die Toten Hosen sind rückfällig geworden. Eineinhalb Jahrzehnte nach ihrem ersten Akustik-Album, seinerzeit aufgenommen im Wiener Burgtheater, veröffentlichen die Düsseldorfer Punkrocker an diesem Freitag (25. Oktober) ihr zweites: "Alles ohne Strom".

Um den Strom und die fehlenden Verstärker zu ersetzen, hat die Combo um Campino diesmal reichlich personelle Verstärkung zu sich gebeten: Bläser, Streicher, eine Pianistin, ein zusätzlicher Percussionist. Bei der nächsten Tournee wird der Hosen-Tross daher auf Rekordgröße anwachsen: 17 Musiker sollen auf der Bühne stehen. "Die Toten Hosen wollten eigentlich immer eine Bigband sein - außer uns wollte nur keiner mitmachen", sagt Campino.

Die erste Auskopplung des Akustik-Albums war das inzwischen 30 Jahre alte Stück "1000 Gute Gründe" - als Ska-Variante. "Paradies" kommt als Polka daher, "Hier kommt Alex" in einer Version irgendwo zwischen ZZ Top und John Lee Hooker.

Die Toten Hosen verlasen gewohntes Genre

"Wir haben in anderen musikalischen Gärten gewildert und einfach vom Baum gerupft, was uns gefallen hat", sagt Campino. "Diese fetten Bläsersätze bringen sofort einen anderen Charakter in die Musik. Das war ein großer Spaß. Ganz puristisch geht das aber nicht", räumt er ein. "Der Gesang muss schon verstärkt werden, und man muss den Klang auch mischen, sonst würde man nur Trompeten hören."

Dann ist da eine Hommage an Rammstein - die Coverversion "Ohne Dich": "Ein wunderschönes Lied - das ist Lyrik", sagt Campino - und über die Berliner Band: "Wir haben uns über die Jahre zu schätzen gelernt." Das war nicht immer so. "Ursprünglich gab es starke Differenzen, und wir haben uns das auch gegenseitig vor den Bug gehauen, aber irgendwann war das alles geklärt."

"Schwere (-los)" von Eindrücken in Auschwitz beeinflusst

Eines der vier neuen Stücke ist "Schwere(-los)", ein Lied über eine Auschwitz-Überlebende. Campino erzählt: "Wir waren vor etwa einem halben Jahr in Auschwitz und haben dort das ehemalige Konzentrationslager besucht. Von diesen Eindrücken beeinflusst habe ich mir den Text, den ich vor längerer Zeit in groben Zügen geschrieben hatte, noch mal neu vorgenommen."

Einen Eindruck von den neuen Tönen aus dem Hosen-Klanglabor bekamen bereits einige Fans in Düsseldorf: Die Toten Hosen hatten für die Live-Aufnahmen des Albums im Sommer die dortige Tonhalle gekapert, jenen altehrwürdigen Konzerttempel klassischer Musik. "Mit Pauken und Trompeten" hießen die Abende, bei denen akustische Versionen von Hosen-Klassikern und vier neue Stücke ("Kamikaze", "Schwere(-los)", "Sorgenbrecher (Auf Euch)", "Feiern im Regen") präsentiert wurden.

Der englische Regisseur Paul Dugdale hat die Hosen für die DVD filmisch in Szene gesetzt wie zuvor schon die Rolling Stones und Paul McCartney. Die DVD enthält nochmal zehn Stücke mehr, sie erscheint aber erst im November.

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