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Kultur Erdmöbel verzücken Fans im Capitol
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19:15 13.05.2012
Die Band Erdmöbel gastierte mit ihrem aktuellen Album „Retrospektive“ im Capitol Hannover. Quelle: von Ditfurth
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Hannover

Es war ein gängiger Begriff im ostdeutschen Volksmund: Firmen, die auch Särge herstellten, wurden scherzhaft VEB Erdmöbel genannt. Warum sich eine vierköpfige Kölner Band danach benennt, die noch lange nicht über ihr posthumes Mobiliar nachdenken muss, lässt sich wohl auf ihren Sänger und Texter Markus Berges zurückführen. Er sammelt ausgefallene deutsche Wörter und fügt sie zu eigenwilligen Liedern zusammen. Eine Rückschau auf die besten Stücke war beim Konzert zur neuen Platte „Retrospektive“ in Hannover zu hören.

Eine kleine, treue und vor allem textsichere Fangemeinde feiert „die Möbel“ im Capitol. Und mit den Texten ist es ja bei dieser Band so eine Sache. Berges Lieder kann man interpretieren. Nimmt man sich den einzig neuen Song „Die Krähen“ von „Retrospektive“ vor, kann man zu dem Schluss gelangen: Dies ist die Weltuntergangsprophezeiung, die Hymne für das Jahr 2012, Lichter flackern dort „wie ein einarmiger Bandit“ und „Krähen singen dir ohne Musik ein Lied“. Berges expressionistische Wortbilder stehen aber auch für sich. Er schreibt lyrisch assoziativ und verwendet - das ist sein Markenzeichen - die sperrigsten der deutschen Vokabeln.

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Auf der „Retrospektive“-Tour präsentiert das Quartett den eindeutig zweideutigen Song „Dreierbahn“, das Gedankenexperiment „Lang schon tot“, das Werbejingle-taugliche „Russisch Brot“ und viele andere Lieder aus den vergangenen 18 Jahren. Beim Zuhören stellt sich die alte Frage, ob die textlichen Besonderheiten Erdmöbel nun in eine musikalische Nische drängen oder die Band eher aus dem Pop-Mainstream hervorheben. Denn Wortspielereien hin oder her: Pianist Wolfgang Proppe, Bassist und Produzent Ekki Maas sowie Schlagzeuger Christian Wübben betten Berges’ Gesang in fluffig-poppige Melodien.

Hier und da stellen sie einen düster verträumten Basslauf heraus oder jazzige Skalen an den Tasten. Während der Tour werden sie zudem begleitet von teils sonnigen Salsa-, teils bluesartig bewölkten Posaunenklängen von Henning Beckmann. Zu dieser Musik lässt es sich gut mit dem Kopf nicken, den Zehen wippen oder gar den ganzen Körper hin- und herwiegen - das tut auch das Publikum im Capitol.

Eine reine Retrospektive, wie man sie auch mit der heimischen Musikanlage hätte veranstalten können, ist der Abend nicht: Die Hälfte des zweistündigen Sets sind ruhige Akustikversionen und Mitsingnummern wie bei „In den Schuhen von Audrey Hepburn“.

Auch für zwei ausgiebige Zugaben lassen sich die Musiker gern aus dem Backstage-Raum klatschen. Nur „Die Krähen“ bleibt ungespielt - es muss ja noch einen Grund geben, das Album zu kaufen.

Jacqueline Moschkau

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