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10:07 27.08.2019
Weltpolitik mit Wutsmiley: Die aktuellen Führer der Welt verhalten sich wie Trotzköpfchen, die kein Ü-Ei bekommen. Quelle: Coloures-Pic - stock.adobe.com
Biarritz

Als Dennis Hopper "Easy Rider" drehte, war er so zugedröhnt, dass einhundertfünfzig Statisten in der Wüste von Arizona manchmal Stunden warten mussten, bis er wieder aus seinem silbernen Van kroch. Sein Regieassistent stellte ihm extra einen Drogenplan auf: immer abwechselnd etwas Aufputschendes und etwas Beruhigendes, um wenigstens ein paar Minuten Film am Tag drehen zu können. Peter Fonda nahm auch Drogen, aber man merkte es nicht so, weil er im kompletten Film nur ungefähr 36 Worte spricht. "Guck mal, da." - "Meinst du?" - "Yeah." Kiffpause.

Das waren noch echte Kerle. Männer, die kein Wort zu viel sprachen. Männer, die sich zurückzogen, wenn sie schlecht drauf waren.

Hopper und Fonda waren keine Staatenlenker, sondern Motorradlenker. Von Staatenlenkern sollte man erst recht Souveränität und emotionale Intelligenz erwarten. Das Gegenteil ist der Fall. Die Welt wird aktuell regiert von Männern, die aus Mangel an klügeren Mitteln auf ein Arsenal infantiler Trotzinstrumente zurückgreifen, als wären sie fünf Jahre alt und stünden wutschnaubend im Supermarkt, weil Mama ihnen kein Ü-Ei kauft. Motto: "Voll gemein! Ätschbätsch! Du mich auch! Loser!"

Das ist Weltpolitik mit Wutsmiley. Es sind verwöhnte Egomanen, die durchdrehen, wenn sie nicht bekommen, was sie wollen. Ü-Eier. Liebe. Recht. Grönland. Was auch immer.

Ausgewählte Beispiele:

- Trotzanfall 1: Donald Trump will Grönland kaufen. Dänemark findet das aus guten Gründen absurd. Trump sagt beleidigt einen Staatsbesuch ab ("fies"), weil die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen sich die Freiheit nahm, sinngemäß mitzuteilen, dass Grönland nicht zum Verkauf stehe und sich Trump das dortige Öl, Gas, Gold, Uran, Zink, Blei sowie die Diamanten gern aus der Ferne ansehen dürfe. Der US-Präsident schießt Giftpfeile aus dem Schmollwinkel ("So spricht man nicht mit den Vereinigten Staaten").

Im Kindergarten würde man sagen: "Wenn du mir deine Milchschnitte nicht schenkst, spiele ich nicht mehr mit dir!"

- Trotzanfall 2: Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro ist sauer, weil Frankreichs Präsident Emmanuel Macron die Amazonasbrände zum Thema des G7-Gipfels in Biarritz gemacht hat - und beleidigt im Gegenzug dessen Ehefrau. Unter einen Facebook-Post eines Users, der Brigitte Macron (67) in unvorteilhafter Pose neben Bolsonaros Gattin (37) zeigt ("Versteht ihr jetzt, warum Macron Bolsonaro bedrängt? Er ist neidisch!") schrieb der Präsident: "Demütige den Typen nicht." Macron giftete zurück: Er hoffe, dass die Brasilianer bald einen Präsidenten hätten, dessen "Verhalten den Anforderungen entspreche".

Im Kindergarten würde man sagen: "Menno! Dafür ist deine Freundin voll hässlich! - "Ist sie gar nicht! Selber doof!"

- Trotzanfall 3: Boris Johnson findet es gemein, dass die Franzosen ihre Standhaftigkeit im Brexit-Streit mit der EU nicht aufgeben und beschimpft sie laut einer BBC-Doku als „Scheißhaufen“ ("turds").

Im Kindergarten würde man sagen: "Wenn du nicht mehr mein Freund sein willst, bist du ein Scheißhaufen."

- Trotzanfall 4 und 5 (Auszüge): Der italienische Innenminister Matteo Salvini beschimpfte den französischen Präsidenten Macron als "schrecklich" und Jean-Claude Juncker als den Mann, der Italien und Europa "ruiniert" habe. Warum? Weil er es kann. Und weil die Italiener "stets dem Sieger zur Hilfe eilen", wie der Schriftsteller Ennio Flaiano sagte.

Im Kindergarten würde man sagen: "Alle doof außer ich!"

Beleidigungen in der Politik sind nicht neu. Neu ist, dass die Kombattanten vollständig auf jeden Versuch verzichten, dabei wenigstens noch originell und ironisch zu wirken. Das ist das Erschreckende am Sandkastenstreit der globalen Politelite: Die meinen das wirklich ernst. Nicht wie Herbert Wehner (SPD), der einst über den CDU/CSU-Bundestagsabgeordneten Georg Kliesing schalt: "Sie geistiges Eintopfgericht!" Wie Karl Mommer (SPD), der den damaligen Bundesverteidigungsminister Franz Josef Strauß (CSU) "die bundesdeutsche Atomkanone" schalt. Da war gelegentlich noch ein Rest von Ironie, Kreativität und Anstand im Spiel. Wie auch beim CDU-Bundestagsabgeordneten Werner Broll, der sich 1987 mit folgenden Worten aus der Politik verabschiedete: "Wenn ich jemanden geärgert habe, dann war es bestimmt verdient und beabsichtigt."

Humor? Nicht bei den aktuellen Heroen der Weltpolitik. Choleriker mit Geltungsdrang. Der Tag wird kommen, an dem diese Männer wirklich mit Sandförmchen schmeißen. Bloß dass manche Sandförmchen von Supermächten bedauerlicherweise atomare Sprengköpfe tragen können. Falls die rotgesichtigen Trotzköpfchen nicht rechtzeitig vom Wähler abgesetzt oder von vernünftigen Kindergärtnerinnen der Weltpolitik eingehegt werden.

Von Imre Grimm/RND

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