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Kultur Emily Blunt ist in Hollywood angekommen
Mehr Welt Kultur Emily Blunt ist in Hollywood angekommen
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20:31 06.02.2011
Emily Blunt: Einst begann sie zu schauspielern, um sich das Stottern abzugewöhnen.
Emily Blunt: Einst begann sie zu schauspielern, um sich das Stottern abzugewöhnen. Quelle: dpa
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Emily Blunt stürzt sich auf die cremegefüllten Kekse, die in ihrer Suite im schicken Chateau Marmont in Hollywood bereitstehen. Genießerisch beißt sie in das Gebäck, verdreht die Augen. Es ist ein fast skandalöser Anblick, denn Blunt gehört immerhin zu den angesagtesten jungen Schauspielerinnen in Hollywood. Sie zählt dazu seit sie als zickige Assistentin von Meryl Streep in „Der Teufel trägt Prada“ fast ihrer Kollegin Anne Hathaway die Show stahl. Blunt hat mit Tom Hanks, John Malkovich und Anthony Hopkins („Wolfman“) vor der Kamera gestanden, momentan dreht sie mit Bruce Willis in New Orleans einen Science-Fiction-Thriller. Vom 10. Februar an ist sie neben Jack Black in „Gullivers Reisen“ im Kino zu sehen, am 10. März startet „Der Plan“, in dem sie Matt Damons große Liebe spielt. Aber da ist noch die Sache mit dem Essen – das gönnt man Hollywood eigentlich nur in winzigen, möglichst kalorienfreien Häppchen. Und das geht Emily Blunt gegen den Strich. „Ich esse und koche wahnsinnig gern“, sagt sie. Deswegen litt sie schrecklich, als ihre Figur für „Der Plan“ auf die einer Tänzerin schrumpfen musste. Fünf Monate lang verbrachte sie täglich zwei Stunden im Fitnessstudio und zwei im Tanzatelier und ernährte sich von Hähnchensalat und braunem Reis. Emily Blunt schließt die Augen. „Als die letzte Klappe fiel, habe ich mir erst mal einen Hamburger und ein Bier gekauft. Und dann gab’s drei Monate Bier und Pizza.“

Im geblümten Shirt, schwarzer Hose und schwarzen Pumps sitzt die 27-Jährige in ihrem Sessel und ist einfach sie selbst, nennt die Dinge gern beim Namen. Der rote Teppich, sagt sie, sei am Anfang eine „außerirdische Erfahrung“ gewesen. „Sobald man aus dem Wagen steigt, geht’s los: Wer hasst dein Kleid, wer findet dein Haar abscheulich, wer hält dich für zu fett oder zu dürr. Und ständig kriegt man Ellenbogen in die Rippen, weil jeder unbedingt gesehen werden will.“ Am liebsten gönne sie sich vorher einen Martini und amüsiere sich dann.

Blunt wuchs im Londoner Vorort Roehampton als Tochter einer Lehrerin und eines Anwalts mit drei Geschwistern auf, mit denen sie immer noch eine sehr enge Beziehung hat. Die Schauspielerei entdeckte sie im Teenageralter als „Schutzraum“, in dem sie sich von ihrem Stottern befreien konnte. Sie habe sich an die Schauspielerei eher gewöhnt als dass sie danach gestrebt hätte, sagt sie.

Blunt hat die jugendliche Königin in „The Young Victoria“ verkörpert und in „Sunshine Cleaning“ Verbrechensorte gesäubert. Sie war der Ausbund feindseliger (und zutiefst unsicherer) Arroganz in „Der Teufel trägt Prada“ und spielt nun in „Gullivers Reisen“ die Märchenprinzessin Mary. Mehr Bandbreite wird auch den Großen im Business kaum zugetraut. Aber über die hohe Kunst der Schauspielerei will Blunt sich nicht auslassen, „weil das immer peinlich aufgeblasen klingt“. Einen Moment lang schweigt sie. Dann fügt sie an: „Ich muss aber sagen, dass ich es liebe, Menschen und ihre Eigenheiten zu erkunden. Ich beobachte für mein Leben gern Leute. Ich glaube, ich klaue mir mein Repertoire zusammen.“

Los Angeles, sagt die Engländerin über ihre zweite Heimat, sei ein seltsamer Ort. „Man hört hier immer nur, wie toll man ist. Also denkt man jedes Mal, man hat den Job. Während es hinter der Tür heißt: Nein, die passt gar nicht.“ Allerdings ist es inzwischen Blunt, die die Absagen verteilt – an den Regisseur Jon Favreau etwa, der sie als schwarze Witwe in „Iron Man 2“ haben wollte. Und kürzlich lehnte Blunt die weibliche Hauptrolle in der Comic-Verfilmung von „Captain America“ ab. Sie könnte also ruhig die Diva raushängen lassen. Aber da ist dieser ausgeprägte Sinn für Ironie, der ihr weiterhin Abstand zum Glamour des Showbiz gewährt. Über ihren Ehemann und Kollegen John Krasinski („Away We Go“), den sie im vergangenen Juli heiratete, spricht sie nicht gern, „um uns zu schützen“. Nur so viel verrät sie: In Beziehungssachen ist sie eher altmodisch, und sie findet die Institution der Ehe „stark unterbewertet“.

Noch immer, sagt Blunt, hat sie sich nicht daran gewöhnt, mit Superstars zusammenzuarbeiten. „Ich verbringe oft die ersten Tage am Set damit, diese Leute anzustarren und zu denken: Oh, mein Gott. Aber dann lernt man sie persönlich kennen, und der geheimnisvolle Nimbus verschwindet. Und dann kann man endlich aufhören, sich wie ein totaler Freak zu benehmen.“ Am stärksten beeindruckte sie bisher Meryl Streep. „Sie hat vier Kinder, und sie hat es geschafft, ihr Geheimnis zu wahren“, sagt Blunt. Aber da ist noch etwas. Emily Blunt grinst. „Sie kapiert den Hollywoodzirkus. Und sie macht sich gern drüber lustig.“

Nina Rehfeld