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Kultur Eloy tritt im Capitol in Hannover auf
Mehr Welt Kultur Eloy tritt im Capitol in Hannover auf
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20:19 04.10.2012
Von Uwe Janssen
Große Retrospektive: Einst begeisterte Eloys Artrock ein Massenpublikum. Jetzt feierten die Fans im Capitol Frank Bornemann und seine Musiker – und ein wenig auch die eigene Vergangenheit. Quelle: Philipp von Ditfurth
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Hannover

Eloy. Der geschwungene Schriftzug auf dem T-Shirt formt sich ein wenig rundlich, das sieht gemütlich aus. Der Fan mit den grauen Schläfen ist nicht der einzige, weder mit grauen Schläfen noch mit Fanshirt. Man kann mit allem Respekt von einem großen Altrockertreffen sprechen. Eloy gastiert in der eigenen Stadt, das ist nicht alltäglich. 13 Jahre haben die Anhänger warten müssen. Nun sind 800 Nostalgiker der Band ins Capitol gefolgt und bereiten den Musikern um Schlag 8 Uhr einen warmen, herzlichen Empfang.

Mastermind Frank Bornemann, weiße weite Ärmel und die obligatorische Baskenmütze, lässt erst mal die Gitarre in ein Meer aus Sphärenklängen eintauchen, bevor er die Stimme erhebt. Und auch das ist nicht selbstverständlich an diesem Abend. Denn der 67-Jährige hat Stimmprobleme. Den Auftritt in Köln vor Kurzem habe er absagen müssen, erzählt er. Aber Hannover habe er auf keinen Fall ausfallen lassen wollen. Und so hat Bornemann die Hausapotheke geplündert, steht auf der Bühne, verspricht, alles zu geben, und bittet für den Fall, dass die Stimme schlappmacht, um Nachsicht.

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Damit hat er schon gewonnen. So viel heldenhafter Einsatz kommt im Publikum bestens an. Fortan heißt es, Lauscher aufstellen und den Songepen zwischen Elegie und zupackendem Rock zu lauschen. Der Sound ist klar und satt. Und die Stimme, so weiß man bald, ist hier nicht das Hauptinstrument. Das ausführliche Solo, ob Gitarre oder Keyboard, regiert die langen Stücke. Wenn Popsongs zu Ende gehen, fangen Eloy-Songs erst richtig an. Zwei Sängerinnen stützen zudem Bornemanns Stimme, die angeschlagen wirkt, aber gut durchhält.

Retrospektivisches hat Bornemann angekündigt, klar. Schließlich gibt es vier Jahrzehnte Stoff, und die treuen Wegbegleiter sind nicht nur gekommen, um sich Musik anzuhören, sondern auch der Erinnerung an die eigene Vergangenheit wegen, zu der auch Eloy den Soundtrack geliefert hat. Und Eloys Artrock eignet sich perfekt zum Schwelgen, es ist Musik, bei der man sich auch im Stehen zurücklehnen kann. Alles fließt. Synthesizer, Orgel, lange, durch den Raum schwebende Gitarrentöne breiten sich auf einem meist handfesten Rockfundament von Bass und Schlagzeug aus. Dazu mystische Texte, die das ganz, ganz Große behandeln und sich mit Alltäglichem nicht aufhalten. So konnte man in den Siebzigern und Achtzigern ein Massenpublikum erreichen. Eloy hat viele Bands mitgenommen in unendliche Weiten damals. Auf so ein Werk kann man mit Recht stolz zurückblicken.

Bornemann tut das auch. Aber er hängt es nicht raus. Denn er ist zwar Frontmann, aber kein Showmann. Abseits der Bühne kann er auf Stichwort wie ein Wasserfall über Musik philosophieren. Im Capitol beschränkt er sich auf kurze Ankündigungen, und dann geht es weiter. Alles, was er sagt, fällt im Saal in ein großes Bett aus Wohlwollen. Die Bandvorstellung wird zu einer kleinen Feierstunde, Bassist Klaus-Peter Matziol und Gitarrist Steve Mann werden besonders laut beklatscht. Und egal, welche Blickrichtung: Man sieht überall, auf und vor der Bühne, in glückliche Gesichter. Ein ganz unmoderner, schöner Abend.

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