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Kultur Elbphilharmonie wird 2013 fertig - im Modell
Mehr Welt Kultur Elbphilharmonie wird 2013 fertig - im Modell
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18:47 24.08.2012
Von Ronald Meyer-Arlt
Die Baustelle der Elbphilharmonie in Hamburg Quelle: dpa
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Hamburg

Herr Braun, Sie wollen im Miniatur Wunderland die Elbphilharmonie nachbauen. Haben Sie sich das auch gut überlegt?

Ja, sicher. Wir haben uns sogar schon geärgert, dass wir das nicht längst getan haben.

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Warum haben Sie’s nicht getan?

Als wir vor elfeinhalb Jahren begonnen haben, das Wunderland zu bauen, hatten wir gar nicht vor, realistisch zu bauen. Wir wollten zwar Deutschland bauen, aber in der Phantasie. Während wir den nördlichen Teil gebaut haben, sind wir dann auf die Idee gekommen, ein paar Hamburger Sehenswürdigkeiten in die Modellwelt zu stellen. Heute bauen wir ganz anders, viel realistischer. Nun ärgern wir uns, dass wir den Hamburg-Abschnitt so früh gebaut haben. Jetzt ist es etwas schwierig, die Hafencity noch in unser Modell unterzubringen. Das Projekt Elbphilharmonie aber hat uns schon lange gereizt.

Wann soll Baubeginn sein?

Der Grundstein soll im November gelegt werden. Im Moment sind wir noch in der Planungsphase. Dabei freuen wir uns darüber, dass wir die Pläne der echten Elbphilharmonie bekommen. Das hilft uns sehr. Auch bei uns ist es schwer, zu sagen, wie lange der Bau dauern wird. Wir gehen jetzt davon aus, dass wir in einem halben Jahr fertig sein werden, also im Mai 2013.

Und wie teuer wird Ihre Elbphilharmonie?

Mit der Budgetplanung ist es immer sehr schwierig. Zum Beispiel unser Flughafen: Da haben wir geschätzt, dass er 1,5 Millionen Euro kosten würde. Am Ende aber waren es 3,6 Millionen. Während des Baus haben wir gemerkt, was man noch alles erfinden kann und sind immer perfektionistischer geworden. Das Gute ist, dass wir keine Schulden mehr haben. Wir nehmen vorn an der Kasse den Eintritt und investieren ihn hinten in neue Modelle.

Aber Sie müssen doch eine ungefähre Vorstellung davon haben, was Ihre Elbphilharmonie kosten wird.

Naja, die Schätzungen liegen bei etwa 150.000 Euro. Aber dazu gehört dann auch ein Teil der Hafencity.

Bei Ihnen muss sich ja immer was bewegen. Werden da Schiffe lang fahren?

Nein, fahrende Schiffe wird es da nicht geben, weil wir an dieser Stelle kein echtes Wasser haben. Trotzdem soll hier einiges in Bewegung sein. Es gibt da eine sehr schöne Querschnittszeichnung der Elbphilharmonie. Wenn Sie das sehen ... da schlägt das Herz eines Modellbauers höher. Das nachzubauen, muss phantastisch sein.

Es wird also auch Inneneinblicke geben? Kommt auch Musik aus dem Gebäude?

Ja, natürlich wird da auch Musik erklingen. An der Akustik arbeiten wir noch.

Was passiert, wenn Sie den Bautermin nicht einhalten?

Darauf bin ich, ehrlich gesagt, nicht vorbereitet. Bei unserem Flughafen ist uns ja so ergangen wie den Erbauern der Elbphilharmonie. Er ist doppelt so teuer geworden, und es hat doppelt so lange gedauert wie geplant. Unsere Besucher reagieren natürlich darauf. Aber sie reagieren nie böse. Die Reaktion, die man oft hört, ist: „O, schade, dann muss ich nächstes Jahr wiederkommen.“ Wir haben dieses großes Glück, dass man uns ganz toll findet - und uns deshalb auch vieles verzeiht.

Wenn Sie im Mai 2013 fertig sind, ist die echte Elbphilharmonie noch längst nicht fertig. Der geplante Eröffnungstermin ist jetzt 2015. Ist das ein Problem, wenn das Modell vor dem Original fertig ist?

Eigentlich nicht. Dann können die Leute von der Elbphilharmonie mal rüberschauen, wie’s aussieht, wenn sie fertig sind. Wir bieten natürlich auch an, dass die Konzerte hier bei uns stattfinden.

Was kommt nach der Elbphilharmonie?

Direkt nach Fertigstellung der Elbphilharmonie gehen wir Italien an. Wir haben hier bei uns noch Platz für zwei, drei Bauabschnitte, dann aber ist Schluss, wenn wir keine weiteren Räume hinzubekommen. Wir haben hier langsam durchaus ein Platzproblem. Italien ist gesichert, Frankreich auch, aber danach kann es hier nicht weiter gehen. Gern würden wir auch England, Afrika, Indien und ein Teil Asiens, aber das geht im Moment mit unseren Flächen nicht.

Und vielleicht auch mit der Aufnahmefähigkeit des Publikums.

Die ist jetzt schon überstrapaziert. Deshalb bieten wir seit neuestem auch Zwei-Tageskarten an. Die Nachfrage danach hat uns hier alle überrascht.

Interview: Ronald Meyer-Arlt