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Kultur Eine neue Direktorin für Max und Moritz
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17:39 31.05.2012
Von Uwe Janssen
Teamgeist ist gefragt: Max, Moritz und ihre neue Chefin Gisela Vetter-Liebenow. Quelle: Martin Steiner
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Hannover

Ein Parkplatz vor dem Wilhelm-Busch-Museum ist eigentlich immer besetzt. Mit einem „Mini“ der Firma Rover. Kultauto. „Den habe ich während der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 abgeholt“, sagt Gisela Vetter-Liebenow, „es lief ein Spiel, die Autobahn war leer, ich konnte ihn schön einfahren.“
Das, was sie künftig lenkt, ist nicht Mini, sondern Max. Und Moritz. Gisela Vetter-Liebenow ist ab Freitag die neue Direktorin des „Wilhelm Busch – Deutschen Museums für Karikatur und Zeichenkunst“, das für die Hannoveraner wohl immer das Wilhelm-Busch-Museum bleiben wird. Die 53-jährige gebürtige Badenerin löst Hans-Joachim Neyer ab, der das Haus 18 Jahre lang führte und vor drei Wochen verabschiedet wurde. Gisela Vetter-Liebenow ist seit ziemlich exakt 25 Jahren im Haus, jahrelang war die Kunsthistorikerin und Simplicissimus-Expertin Neyers Stellvertreterin, nun rückt sie vom Beifahrersitz ans Steuer. Ein ebenso unspektakulärer wie geordneter Übergang, der schon vor vielen Monaten festgelegt worden war.

Aufgeregt vor ihrem ersten Tag als Direktorin sei sie „eigentlich nicht, weil wir das alles seit Langem besprochen haben. Es ist ein fließender Übergang“. Die Verantwortung für die Führung des Hauses sei jetzt zwar an ihr, „aber Verantwortung habe ich seit langem gespürt. Als wir die Sammlung von Ronald Searle übernommen haben, war das genau so auch meine Verantwortung wie bei einer Ausstellung, die mal nicht so gut lief.“

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Vetter-Liebenow führt ein Museum weiter, das zwar mit einem bizarren Namensstreit im Jahr 2011 nicht gerade Werbung für sich machte, das aber ansonsten Erfolgsmeldungen in Serie produzierte. Besonders mit der Übernahme der Nachlässe von F. K. Waechter und des Briten Ronald Searle sorgte das Museum für Erstaunen – nicht nur bei Museen in Frankfurt und London, die die Schätze auch gern gehabt hätten und ihnen dann nach Hannover hinterherwinken mussten.

Searles Entscheidung für Hannover hat auch mit dem Engagement Vetter-Liebenows zu tun, die den Karikaturisten bis kurz vor seinem Tod immer wieder besuchte. Aber neben dem persönlichen Kontakt zum Museum in Hannover war es auch der Namenspatron Wilhelm Busch, der den berühmten Zeichner bewog. „Was Searle hier fand, war seine geistige Heimat, hier waren die Künstler, die ihm wichtig waren“, sagt Vetter-Liebenow und ist schon mittendrin in einer leidenschaftlichen Argumentation – sowie bei der leidigen Namensdiskussion: „Es geht nicht und ging nie gegen Busch, es ging immer darum zu zeigen, was Busch heute ist. Busch konnte nichts Besseres passieren als diese Entwicklung. Er ist in einem lebendigen Umfeld, mit Künstlern, die sich auf ihn berufen, oder ähnlichen Künstlern aus anderen Ländern.“ Und doch bleibe Busch der Kern, um den herum sich viel aufgebaut habe. „Meine Aufgabe ist es jetzt auch, den Mitgliedern zu sagen, dass sie richtig stolz sein können, was sich hier aus einer privaten Initiative in 75 Jahren entwickelt hat.“

Diesen Reichtum und diese Kompetenz zu zeigen und – auch verstärkt über neue Medien – zu vermitteln, ist eine der großen Herausforderungen der nächsten Zeit. Denn was das Museum tatsächlich zeigen kann, ist gerade mal die Spitze des Humorberges, das meiste lagert wohltemperiert in den Depots. „Wir müssen zeigen: Hier ist ein Leuchtturm. Nicht niedersachsen- oder bundesweit. Sondern weltweit.“

Ihre größte Aufgabe sei es jedoch, sagt die neue Direktorin, mit den begrenzten finanziellen Mitteln eines privaten Museums gute Arbeit zu machen. „Im vergangenen Jahr hatten wir ein Defizit, das erste Quartal war nicht gut, wie also kriegen wir da eine Wende rein? Das geht nicht nur über Besucherzahlen, da müssen wir auch Mittel einwerben.“

Als Startschau in die Ära Vetter-Liebenow gibt es einen Hochkaräter: Zum 80. Geburtstag von Jean-Jacques Sempé ehrt ihn das Museum mit einer großen Ausstellung, die am 10. Juni eröffnet wird. Zum  75. Jubiläum der Busch-Gesellschaft im Herbst gibt es eine Premiere: eine Manga-Ausstellung, die statt Kulleraugen politische Karikaturen aus Fernost zeigt. Im kommenden Jahr begegnen sich im Georgengarten „Busch und die Holländer“ – und erstmals wird es eine Gastausstellung geben.

Hannover präsentiert das  Londoner Cartoonmuseum. 2014 gibt es dann neben der Landesausstellung zum 150-Jährigen Jubiläum von Max und Moritz einen dreifachen Kinderbuchklassiker: Busch, Waechter und Tomi Ungerer. In Maxi.  Und der Mini wird wohl noch öfter vorm Museum stehen.

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