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Kultur Eckart von Hirschhausen begrüßt sein Publikum zur Gruppentherapie
Mehr Welt Kultur Eckart von Hirschhausen begrüßt sein Publikum zur Gruppentherapie
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19:14 24.03.2011
Eckart von Hirschhausen erklärt, was in den Köpfen von Männlein und Weiblein so vor sich geht.
Eckart von Hirschhausen erklärt, was in den Köpfen von Männlein und Weiblein so vor sich geht. Quelle: Martin Steiner
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Als das neue Programm „Liebesbeweise“ von Eckart von Hirschhausen am Mittwochabend beginnt, gibt es zunächst nur Projektionen auf einer Leinwand zu sehen. Ein geschriebener Witz reiht sich an den anderen: „Wie viele Psychologen braucht man, um eine Glühlampe auszuwechseln? – Einen, aber die Glühlampe muss es auch wollen.“ Nach zehn Minuten Dauerprojektion folgt der Hinweis: „Hier könnte Ihre Werbung stehen“, und da keiner mit diesem verlockenden Angebot gerechnet hat, nutzt Hirschhausen es prompt selbst, um seine eigene Werbung zu präsentieren. So richtig lustig ist das nicht.

Dann kommt der Arzt im schicken Anzug endlich persönlich auf die Bühne. Er wird an diesem Abend eine Operation am offenen Herzen vornehmen. Passend zu dem Programmtitel „Liebesbeweise“ besteht das Publikum aus Paaren aller Generationen. „Willkommen zur Gruppentherapie“, lautet Hirschhausens Begrüßung. Tatsächlich erwartet das Publikum eine Gruppen-Paartherapie. Es hat etwas Esoterisches, als zum Test alle, die in einer Beziehung stecken, summen sollen. Daraufhin hört sich der Saal an wie ein Monster-Bienenschwarm. Als die Singles summen sollen, wird es hingegen still in der AWD-Hall. Man ist offenbar unter sich.

Liebeslieder genauer unter die Lupe zu nehmen gehört zu den ausgefalleneren Ideen. Der direkte Hannover-Bezug dabei kommt gut an. Was singen da eigentlich die Scorpions, Lena und Heinz Rudolf Kunze genau? Was ist an der Textzeile „Dein ist mein ganzes Herz, du bist mein Reim auf Schmerz“ des bekannten Kunze-Songs schön? Richtig, eigentlich nichts. Allerdings ist es bei den musikalischen Einlagen eine gute Entscheidung, einen weiteren Künstler auf die Bühne zu holen: Der Pianist Christoph Reuter hat nicht nur lustige Grübchen und grinst ständig, sondern sorgt in Kooperation mit dem mäßig musikalischen Arzt für die ein oder andere witzige Einlage.

Ansonsten erklärt von Hirschhausen wie immer anschaulich, was in den Köpfen von Männlein und Weiblein so vor sich geht. Warum eine Frau zum Beispiel nach den Schmerzen einer Geburt das Kind trotzdem lieben kann, ein Mann, der seine Nierensteine endlich los ist, diese aber nicht. Klar, dass dabei die Hormone eine Rolle spielen.

Damit es trotz dieser fundamentalen Stimmungsunterschiede zwischen beiden Parteien klappt, hat der Arzt ein paar nützliche Tipps auf Lager: Humor zum Beispiel ist wichtig für eine Beziehung. Der Tipp verwundert nicht wirklich.

Am Ende wird’s richtig kitschig. Da ist die Bühne in lila Licht getaucht. Hirschhausen sitzt dort mit einem Plüschpinguin, während Christoph Reuter im Hintergrund das Klavier leise klimpern lässt. Eigentlich müsse man doch auch mal wertschätzen, wie gut es einem mit dem Menschen an seiner Seite geht.

Als Krönung singen dann alle „All you need is love“. Das hätte Kai Pflaume auch nicht besser gemacht.

Kira Pieper