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Kultur Dresdner Philharmonie steht auf dem Spiel
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11:43 27.03.2012
Foto: Für den Umbau des Dresdner Kulturpalastes fehlen 35 Millionen Euro. Deshalb steht jetzt die Philharmonie auf dem Spiel.
Für den Umbau des Dresdner Kulturpalastes fehlen 35 Millionen Euro. Deshalb steht jetzt die Philharmonie auf dem Spiel. Quelle: dpa
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Dresden

Ouvertüre oder Totenmesse – Dresdens Stadtrat hat über die Geschicke der Philharmonie zu entscheiden und wandelt dabei auf einem dünnen Seil. Am 4. April muss das Stadtparlament darüber befinden, wie der seit langem geplante Umbau der Spielstätte Kulturpalast nach dem Wegfall von EU-Geldern finanziert werden soll. Schon an diesem Dienstag befasst sich das Leipziger Landgericht mit einem Seitenthema: Kulturpalast-Architekt Wolfgang Hänsch klagt gegen Dresden, weil er mit dem Umbau sein Urheberrecht verletzt sieht. Dissonanzen ohne Ende – die Philharmoniker sind frustriert. Schon bald geht die Saison zu Ende und bislang weiß keiner so recht, wo das 1870 gegründete Orchester nach dem Sommer eigentlich spielen soll.

„Die Dresdner Philharmonie steht womöglich am Abgrund“, sagt Maestro Sanderling. Wer den besonnenen Chefdirigenten kennt, horcht bei solchen Sätzen auf. Der 45-Jährige kam im Sommer 2011 nach Dresden. Sanderling war Wunschkandidat der mehr als 100 Musikerinnen und Musiker und wusste von den Schwierigkeiten des Amtes. Denn er wurde auch engagiert, um die Philharmonie durch ein schwieriges Gewässer zu bringen – die auf drei Jahre veranschlagte Umbauphase. Das Vorhaben wird inzwischen auf über 80 Millionen Euro taxiert. Der Palast soll nicht nur einen Saal allererster Güte erhalten, sondern fortan auch die Stadtbibliothek und das Kabarett „Herkuleskeule“ aufnehmen.

20 Jahre hatten die Philharmoniker auf diesen Augenblick gewartet. Doch als im Januar Nachrichten über ein Finanzloch von 35 Millionen Euro auftauchten, war Missstimmung programmiert. Nun will man andere Quellen anzapfen, vor allem Stiftungskapital. Auch der Kreuzchor ist betroffen. Philharmonie-Intendant Anselm Rose und Sanderling hatten sich schon im Vorfeld dagegen ausgesprochen, städtische Kultureinrichtungen gegeneinander auszuspielen. Aber der Ball liegt nun klar bei den Stadträten. „Es geht nicht mehr nur um das Gebäude und einen besseren Saal, es geht um die Zukunft der Dresdner Philharmonie“, sagt Sanderling.

Wer das Geschäft kennt, weiß, dass der 45-Jährige nicht übertreibt. Schon die bisher vereinbarte Umbauzeit galt als grenzwertig. Drei Jahre lang Abonnenten und weiteres Publikum an wechselnde Interimsspielstätten zu gewöhnen und zugleich an das Orchester zu binden, ist fast unmöglich. Sanderling spricht von einem Fiasko, wenn die Philharmonie noch länger in der Warteschleife bleiben müsste. „Qualitätsverlust, Imageverlust, Publikumsschwund“, beschreibt der Chef die verhängnisvolle Spirale und befürchtet eine verheerende Außenwirkung.

Ähnlich argumentiert Orchestervorstand Nikolaus von Tippelskirch. Die Fragezeichen hinter dem Umbau hätten die Kollegen mitten in einer Aufbruchstimmung erwischt. „Wir haben viele Säle in der Welt gesehen, unsere Ideen sind in das Projekt in Dresden eingeflossen. Dieser Saal ist eine erstklassige Lösung, nicht nur für die Philharmonie. Bei uns sollen sich auch Gastorchester wohlfühlen“, betont der Trompeter. Bei einer solchen Perspektive ließen sich sogar drei Jahre Improvisation anderswo aushalten. Alles andere führe aber zur Perspektivlosigkeit. Sanderling fühlt sich für das Orchester verantwortlich. „Ich kann nur Verantwortung übernehmen für etwas, was ich auch kalkulieren kann“, sagt der Dirigent. Auch deshalb will er nun Klarheit.

dpa

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