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Kultur Dresdens fürstliche Top-Sammlungen feiern Comeback
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09:18 26.12.2012
Restaurator J. Eulitz (l) und Depotverwalter P. Müller (r) verpacken im Depot des Mathematisch-Physikalischen Salons in Dresden eine astronomisch-geografische Stutzuhr von 1738. Quelle: dpa
Dresden

Apfelschimmel, Rappen und Braune - elf Pferde und ein Pony stehen schon bereit im Riesensaal des Residenzschlosses in Dresden. Auch sechs Figuren im Harnisch, die mitten im Fechtkampf erstarrt scheinen, harren der Dinge. Sie sind Teil der ersten Präsentation in der königlich-kurfürstlichen Rüstkammer der Staatlichen Kunstsammlungen (SKD) im alten Domizil. Die Schau im 750 Quadratmeter großen, wiederaufgebauten Riesensaal ist ab 19. Februar 2013 zu sehen. Zwei Monate später öffnet die wissenschaftliche Sammlung der Sachsen- Herrscher, der Mathematisch-Physikalische Salon, nach sechseinhalb Jahren wieder im Zwinger.

Im Riesensaal, wo einst prachtvoll diniert und rauschend gefeiert wurde, zeugen schon vier goldene Fußturnierharnische in einer großen Vitrine vom einstigen Glanz. Noch aber sind viele der Exponate, die künftig das Rittertum veranschaulichen sollen, bei den Restauratoren. „Wir zeigen hier, was die Ritter ausmachte - im Selbstverständnis und im Verständnis ihrer Zeit“, sagt Museumsdirektor Dirk Syndram. „Das war der Adel, vertreten durch einen der höchsten Adligen des Heiligen Römischen Reiches, den Kurfürsten von Sachsen.“

400 Objekte arrangiert

Mit der Präsentation ist der Hauptsaal des 1945 zerstörten und seit 1986 mit Millionenaufwand rekonstruierten Schlosses wieder zugänglich. Dort wird eine Auswahl der kostbarsten Prunkwaffen-, Harnisch- und Kostümsammlungen weltweit arrangiert. Zu den rund 400 Objekten gehören fast zwei Meter lange Turnierschwerter aus Spezialeisen, Turnier- und Prunkharnische, Waffen und Feldharnische, mit denen Ritter in die Schlacht zogen. „Es ist aber keine Militariasammlung, sondern die Exponate zeugen von fürstlicher Repräsentation“, erklärt Syndram.

Im Mittelpunkt steht das Turnier als Bestandteil des Zeremoniells und der höfischen Feierlichkeiten seit Ende des 15. Jahrhunderts. „Mit diesen stehenden Bühnenbildern holen wir quasi den Schlosshof in den Turniersaal, der einst Riesensaal war.“ Kleidung und Schuhe der Fußturniersöldner wurden nach Kupferstichen genäht. In Vitrinen werden 24 kostbare Rüstungen arrangiert, wie der eisengetriebene vergoldete Herkulesharnisch - die „Sixtina der Plattnerkunst“ und Markenzeichen des Museums, wie Syndram sagt.

Mitarbeiter packen Umzugskisten

Auch die Mitarbeiter des Mathematisch-Physikalischen Salons (MPS) packen schon Umzugskisten. Die Sammlung zieht ab Januar in ihre angestammten Räume zurück. „Wir rücken die Sammlungsgeschichte viel stärker in den Vordergrund“, sagt Direktor Peter Plaßmeyer. In vier Sälen wird Bekanntes wie der „Trommelnde Bär“ neu arrangiert. Diese, Renaissanceautomaten sind dank Multimedia auch in Aktion zu sehen.

In einer Art Salon im Salon können Besucher mit Nachbauten von Exponaten wie Vakuumpumpe, Elektrisierungsmaschine, Sextanten oder Astrolabium experimentieren. Die Uhrensammlung zeigt die Geschichte vom Anfang der Präzisionsuhrmacherei in Deutschland bis ins 19. Jahrhundert. „Der MPS war damals die Institution, nach der alle Uhren im Land gestellt wurden“, erzählt Plaßmeyer. Die Zeit wurde im Abonnement verteilt.

Kugeln schweben wie Planeten im Weltraum

Ein neu entstandener Raum ohne Tageslicht bietet wiederum beste Bedingungen für die Sammlung empfindlicher und Erd- und Himmelskugeln des 13. bis 20. Jahrhunderts mit bis zu einem Meter Durchmesser. „Aluminiumflächen reflektieren das kommende Licht, so dass man sie auch von unten betrachten kann“, sagt Plaßmeyer. „Abgetönte Spiegel an den Wänden sorgen für den Eindruck, als ob die Kugeln wie Planeten im Weltraum schweben.“

Großgeräte kommen auf riesige Podeste, damit Besucher sie nicht anfassen können. „Wir zeigen insgesamt weniger als früher, die einzelnen Stücke können aber besser wahrgenommen werden.“ Der MPS wurde 1728 von Kurfürst August dem Starken (1670-1733) als Museum im Zwinger mit mathematischen und physikalischen Instrumenten aus der Kunstkammer eingerichtet. Deren bloße Ausstellung allein erzeugt im 21. Jahrhundert kein Staunen mehr. Plaßmeyer plant daher auch eine App. „Besucher können ihr Smartphone oder iPad dann als Audioguide oder zum Nachschlagen nutzen.“

dpa

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