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Kultur Die deutsche ESC-Delegation darf feiern
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15:03 29.05.2012
Von Imre Grimm
Zehn späte und überraschende Punkte aus Portugal rissen's dann raus: Platz acht für Roman Lob.
Zehn späte und überraschende Punkte aus Portugal rissen's dann raus: Platz acht für Roman Lob. Quelle: dpa
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Baku

Doch, ein Schlückchen habe er schon getrunken, sagt Roman Lob, „aber nicht, dass jetzt alle denken, ich bin Alkoholiker.“ Locker, gelöst, hellwach präsentiert er sich nach seinem starken achten Platz in Baku den deutschen Journalisten in „Box 6“ im Pressezentrum. „Ich hatte Gänsehaut vorher, ich war sehr nervös, aber das hier ist das, was sich jeder Musiker wünscht.“ Ein Haufen Schokoriegel habe geholfen, die Angst im Zaum zu halten.

Im Hintergrund steht Thomas D, sein Mentor und Produzent. Nur zwei Punkte aus Albanien, dann zwei aus Malta, so bitter ging der Abend für Deutschland los, es drohte ein Debakel. „Uns ging der Arsch auf Grundeis“, sagt Thomas D und lacht. „Aber als Roman dann zum ersten Mal auf die linke Hälfte der Punktetabelle gehüpft ist, hatte ich wieder Hoffnung.“

Zehn späte und überraschende Punkte aus Portugal rissen's dann raus: Platz acht. Top Ten geschafft, Ziel erreicht. „Abgesehen von Schweden sind wir die Besten im Westen“, sagt Thomas D. Kein Beitrag der Top-Five-Länder hat mehr Punkte.

Haben beide Grand-Prix-Blut geleckt? Gibt's eine Wiederholung? „Da muss ich erst drüber schlafen“, sagt Roman. „Da reden wir intern drüber“, sagt ARD-Unterhaltungschef  Thomas Schreiber. Thomas D ist noch skeptischer. „Ich weiß nicht. Stockholm ist ja schön, aber hier beim ESC werden ja doch Äpfel mit Birnen verglichen. Da sind heute Sachen vorne gelandet, die verstehe ich nicht...“

Schreiber hat sich eine dicke Zigarre angesteckt und eine Roman-Wollmütze übergestülpt. Das passt stylistisch nicht zueinander, aber es ist vier Uhr morgens in Baku, was soll's? Er lobt Roman – und Anke Engelke. „Sie hat die Wahrheit gesagt, ich fand das sehr gut“, sagt er. Er habe gewusst, dass sie etwas Politisches sagen werde – aber nicht, was. Und nächstes Jahr? „,Unser Star für Malmö, Stockholm oder Göteborg' wäre doch eine schöne Idee“, sagt Schreiber. Meldungen über ein Ende der ARD/PRO7-Kooperation beim ESC seien verfrüht. Ansonsten: viel Lob für Schweden aus dem deutschen Lager. „Der Song ist toll“, sagt Roman Lob. „Er war in meinen Top Five.“

Draußen im Nieselregen steht ein englischer Fan im Ganzkörper-Union-Jack. Der Brite Engelbert Humperdinck ist Vorletzter geworden. Für Deutschland aber scheinen die bitteren ESC-Jahre erst einmal vorbei zu sein.

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