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13:44 11.06.2009
Friedrich Wilhelm Korff empfindet die Hildesheimer Kirche als „übersymmetrisch“. Quelle: Karin Blüher

Eigentlich trennen sie mehr als 3000 Jahre und ebenso viele Kilometer. Doch wenn Hem-iunu, der Erbauer der Cheopspyramide, jetzt von seinem Platz im Hildesheimer Roemer- und Pelizaeus-Museum auf die benachbarte Michaeliskirche blickt, dürfte ihm manches bekannt vorkommen: Nach neuen Erkenntnissen des hannoverschen Philosophen Friedrich Wilhelm Korff folgt das Bauwerk den Bauprinzipien der altägyptischen Pyramiden.

Dass der Dom äußerlich auf den ersten Blick so gar nichts mit dem Weltwunder am Nil zu tun hat, ist für Korff dabei kein Problem. Entscheidend ist hier nicht der Augenschein, sondern das mathematische Prinzip, das den Gebäuden zugrunde liegt.

Jahrhundertelang haben Forscher vergebens versucht, ein solches in den Pyramiden zu entdecken. In seinem im vergangenen Jahr im Hildesheimer Olms-Verlag erschienenen Buch „Der Klang der Pyramiden“ ist Korff die archäologische Sensation gelungen. Den Schlüssel fand er in den Proportionen von Höhe und Basislänge der Pyramiden.

Er entdeckte, dass die einfachen Brüche, die diese Verhältnisse darstellen, in der physikalischen Reihe der Obertöne eine Entsprechung finden. Die Neigungswinkel der Bauten, die sich aus den Zahlenverhältnissen von Höhe und Basislänge ergeben, folgen so harmonischen Prinzipien. Bei der Cheopspyramide etwa beträgt das Verhältnis vier zu drei, in Schwingung übersetzt entspricht das dem Intervall einer Quarte.

Die „Pyramidenzahlen“, die diese Erkenntnis in für die altägyptischen Baumeister ganz praktisch anzuwendende Zahlenreihen auflisten, haben die Jahrtausende in verschiedenen Schriften überdauert. Platon führt sie in seinem „Timaois“ an, und von ihm haben sie viele neuzeitliche Autoren übernommen.

Auch der Mathematiker Boëthius verwendet sie in seinen an der Wende zum sechsten Jahrhundert nach Christus entstandenen Werken an. Die Herkunft von den Pyramiden war da bereits vergessen – nicht aber die besondere Aura, die Zahlen Bauwerken verleihen können.

Eine Schrift von Boëthius ist in der Hildesheimer Dombibliothek aufbewahrt und war Grundlage für die Konstruktion des Gebäudes. Im Grundriss finden sich deshalb allenthalben dieselben musikalischen Proportionen, die auch die Pyramiden auszeichnen.

So prägen Zahlen, die ursprünglich dem Bau von Pyramiden und insbesondere der Lösung des Problems dienten, die vier Kanten genau in der Mitte zusammentreffen zu lassen, hier den Bau einer christlichen Basilika. „Man hat sie aus Respekt vor den harmonischen Vorbildern der Antike verwendet“, sagt Korff, „jedoch nach ästhetischem Gutdünken willkürlich im Grundriss verteilt.“

Während eine möglichst vollendete Regelmäßigkeit der Form bei Pyramiden eine zwingende Notwendigkeit war, kann sie bei anderen Gebäuden störend wirken. So empfindet Korff die Hildesheimer Kirche als „übersymmetrisch“: „Eleganz und Leichtigkeit, die in der akzeptierten Abweichung vom Regelwerk lebt, ist ihr nicht gegeben.“

Neben der neuen Quellenlage, die die hochmittelalterliche Kirche plötzlich mit heidnischen Repräsentationsbauten verbindet, zieht Korff weitere Schlüsse aus seinen Erkenntnissen über den Pyramidenbau. So ist für ihn klar, dass das Pascalsche Dreieck, das in der Geschichte der Mathematik bisher erstmals im 13. Jahrhundert in China auftaucht, als zwingende Notwendigkeit für die Berechnungen der Pyramidenmaße auch schon den Ägyptern bekannt gewesen sein muss.

Friedrich Wilhelm Korff spricht am 14. Juni, 11 Uhr, im Hildesheimer Roemer- und Pelizaeus-Museum über „Der Klang der Pyramiden im Grundriss der Michaeliskirche zu Hildesheim“.

Das Roemer- und Pelizaeus-Museum in Hildesheim präsentiert im Darwin-Jahr 2009 zwei große naturkundliche Ausstellungen.

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