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Kultur Die Leinwand - das Objekt der Attacke
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19:35 05.04.2013
Von Stefan Arndt
Lichtreflexe im Luftstrom – „Airstream“ von Robert Klümpen. Quelle: Achim Kukulies
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Hannover

Auf ganz eigene Weise ringt dieser Maler der Dunkelheit seiner Bilder das Licht ab: ein Leuchten, dessen Quelle durchaus jenseits des Bildausschnitts liegen kann und das doch darin aufscheint - in den Reflexen auf Pfützen oder Wänden, den Schlagschatten oder auch den Konturen, die das Licht aus der Dunkelheit herausmoduliert. So werden in „Airstream“ (2013) die Umrisse des legendären US-Campingwagens sichtbar - auf einem Bild, in dem auch die Dunkelheit noch Dynamik ausstrahlt.

Wie schafft Robert Klümpen solche Effekte? Der Düsseldorfer Künstler, Jahrgang 1973, hat bei A.R. Penck studiert, und wie einst die Neuen Wilden verwendet auch er teils Techniken der Street Art. So erweist sich der feine Glanz über der Dunkelheit, der auf dem 1,6 mal zwei Meter großen „Airstream“ Lichtreflexe wie von Nieselregen ahnen lässt, beim Nähertreten als Graffiti-Spray-Nebel. Doch das ist nur eine von vielen Techniken, mit denen Klümpen die bemerkenswerte Tiefe seiner Flächen erzeugt. „Ich attackiere die Leinwand“, sagt der Maler, der Farbe mit breitem Pinsel aufträgt, Spray daraufsetzt, bisweilen alles wieder abwäscht und von Neuem ansetzt.

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Dass noch die erstarrten Bildresultate diese Bewegungen ahnen lassen, führt die Galerie Drees in ihrer neuen Ausstellung „The Man Who Wasn’t There“ den Besuchern vor Augen. Genauso heißt auch eines der Bilder, das von der gleichnamigen Film-noir-Hommage der Coen-Brüder inspiriert scheint. Zu besichtigen ist aber auch der für Klümpen neue Trend vom Gegenständlichen zum Abstrakten. In Düsseldorf ist er vor allem als Maler von Vorstadtszenen in diffusem Licht bekannt. Von tristen Kneipen, verrammelten Kiosken oder leeren Gängen. Neuerdings aber lässt Klümpen Gegenständlichkeit allenfalls noch ahnen und löst sie in der Fläche auf.

Wie üblich präsentiert Galerist Robert Drees eine Doppelausstellung - und setzt in seinem kleinen Projektraum „Outlook“ mit Werken des Katalanen Gerard Mas einen Kontrapunkt zu Klümpens großflächiger Malerei. Mas, 1976 in Barcelona geboren, knüpft mit seinen Skulpturserien an alte Porträtkunst an - die Halbfigurbüsten der Frührenaissance, deren Figuren er zitiert und zugleich ironisch bricht: Plastisches Beispiel dafür ist die Büste „Lady with a Rat“, die bis in die Details der Körperhaltung an Leonardo da Vincis „Dame mit dem Hermelin“ von 1490 erinnert. Nur dass diese Dame statt des Hermelins eben eine Ratte in Händen hält. Und der Katalane geht den Schritt vom Bild zur Skulptur. Die wird nach der Urform aus Ton vom Silikonnegativ in Polyesterharz gegossen. Und das bis zu siebenmal - was diese „Lady“ ebenso wie die anderen, stets verfremdeten Büsten von Gerard Mas noch halbwegs bezahlbar macht.

Kurz: Robert Klümpen lohnt einen Besuch in der Galerie Drees, und Gerard Mas sicher mehr als nur einen Blick in den „Outlook“-Raum.

Bis zum 17. Mai in der Galerie Robert Drees, geöffnet mittwochs und freitags 10 bis 18.30 Uhr, donnerstags 14 bis 18.30 Uhr, sonnabends 11 bis 14 Uhr, Weidendamm 15, Internet: www.galerie-robert-drees.de.

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