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Kultur Die Dubliners auf Abschiedstournee in Hannover
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06:15 11.11.2012
Von Heinrich Thies
Ein Bart für die Menge: Der 73-jährige John Sheahan im Theater am Aegi. Quelle: dimi anastassakis
Hannover

Ihre Bärte sind schlohweiß geworden, ihre Lieder und Tänze aber sind frisch wie am ersten Tag. Und wenn sie mit ihren kehligen Stimmen ihre Mitklatsch-Klassiker wie „Wild Rover“ oder „Whisky in the Jar“ anstimmen, kocht immer noch der Saal. Die Dubliners scheinen unverwüstlich. Gerade haben sie mal wieder Station in Hannover gemacht - wie seit Anfang der Siebziger in jedem Jahr. Mit einem ausverkauften Gastspiel im Theater am Aegi haben die irischen Raubeine diesmal auf ihre 50-jährige Bandgeschichte zurückgeblickt. Eigentlich sollte es eine Jubiläumstournee werden. Aber nun ist eine Abschiedstournee daraus geworden.

Der Grund dafür liegt in einem Todesfall: Am 5. April ist im Alter von 73 Jahren das letzte Gründungsmitglied der legendären Folkband gestorben: Barney McKenna, genannt „Banjo Barney“ - der kleine Dicke mit der schwarzen Schirmmütze. „Mit Barney ist eine Ära zu Ende gegangen, da wollten wir auch nicht mehr“, sagt John Sheahan, der genauso alt ist wie der verstorbene Bandkollege, bei einem kurzen Interview hinter der Bühne eine Stunde vor Konzertbeginn. Außerdem sei er auch „ein bisschen müde“ von dem vielen Herumreisen, gesteht Sheahan, der nach wie vor singt, Fidel, Banjo und Tin Whistle spielt und immerhin auch schon 48 Jahre dabei ist. Und zwar ganz ohne Whiskey. „Ich trinke nur Bier und Wein“, sagt Sheahan und weist darauf hin, dass auch die meisten seiner Bandkollegen keinen Whiskey anrühren, obwohl in den Liedern so viel davon die Rede ist.

Der Mann mit dem weißen Vollbart verspeist gerade ein Stück Apfelstrudel, den eine Frau aus Braunschweig für die Band gebacken hat. „Die Fans in Deutschland sind wirklich unheimlich treu“, sagt Sheahan. „Viele kommen seit Jahrzehnten Jahr für Jahr, manche besuchen sogar mehrere Konzerte in Deutschland.“ Die treuesten Fans dürfen die Musiker denn auch schon in der Garderobe besuchen. Die meisten haben wie ihre Idole das Rentenalter bereits weit überschritten. Im Publikum aber sind auch junge Gesichter zu sehen. „Von neun bis 90“ bewege sich das Altersspektrum, sagt Sheahan stolz.

Und alle lassen sich nach und nach einfangen von den Sauf- und Liebesliedern, von den Hymnen und Balladen, von den Reels und Jigs. Dabei steht im Mittelpunkt dieses Konzerts der Mann, der gar nicht mehr auf der Bühne steht, sondern nur noch auf Videoclips zu sehen ist, die auf einer Großleinwand hinter der Bühne laufen: „Banjo Barney“ eben. Wehmut schwingt mit, wenn Barney „Fiddlers Green“ oder „I Wish I Had Someone To Love Me“ singt und seine Musikerkollegen ihn mit ernsten Gesichten begleiten.

Fast hat dieses Konzert etwas von einer Totenehrung. Denn auch die anderen verstorbenen Bandmitglieder kommen auf Videos zu Ehren. Außerdem führen die eingespielten Filme dem Publikum vor Augen, dass die alten Haudegen auf der Bühne einmal junge, ungestüme Kerle waren. Gerry O’Connor, der Barneys Banjo-Part übernommen hat, wirkt inmitten der Großväter wie ein junger Hüpfer. Dabei dürfte der auch schon die fünfzig erreicht haben.

Auf die Dauer aber dämpfen die filmischen Reminiszenzen an die Vergangenheit das Konzertvergnügen etwas. Denn die Stärke der Dubliners liegt ja eben in ihrer Livepräsenz, ihrer locker-witzigen Ansprache des Publikums - manchmal sogar auf Deutsch. Zeitweise jedoch scheint der Schatten von Tod und Abschied über diesem Konzert zu liegen. Spätestens als die Dubliners dann aber in einem Medley ihre Hits zum Besten geben, ist das Eis gebrochen, und jeder Zweite im Saal singt die bekannten Nummern mit.

Ob es nicht langweilig ist, 50 Jahre lang immer wieder die gleichen Lieder zu singen? John Sheahan wiegt bedächtig den Kopf. „Nein, das kommt von Herzen, das ist ein Teil von mir“, sagt der alte Herr. „Außerdem sind die Leute sehr ärgerlich, wenn wir die alten Sachen nicht spielen.“ Und der Publikumsgeschmack war für die Dubliners immer schon Gesetz. Besonders raffiniert und experimentierfreudig ist ihre Musik daher nicht, sondern eher schlicht, rhythmisch und eingängig. Jeder dritte Song ist so zum Ohrwurm geworden. Auf diese Weise haben die Dubliners zur Popularisierung der irischen Volksmusik beigetragen wie keine andere Band. „Als wir 1962 angefangen sind, waren unsere Lieder auch in Irland nur unter den alten Leuten bekannt“, sagt Sheahan. „Das hat sich gründlich geändert.“

Der derzeit dienstälteste Dubliner beschränkt sich im Konzert nicht auf die Musik, sondern trägt auch selbstverfasste Gedichte vor. In seinem „Tribut an Barney“ zum Beispiel lässt er den verstorbenen Kollegen in die „Musik der Stille“ segeln. Im bevorstehenden Ruhestand will Sheahan weitere Gedichte schreiben und in einem Buch herausbringen. Die Fans in Hannover aber würden es wohl lieber sehen, wenn er sich von ihnen nicht zum letzten Mal verabschiedet hätte.

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