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Kultur Die Biennale in Venedig in Zeiten der Krise
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00:01 06.06.2009
Von Johanna Di Blasi
Besucher der Biennale in den "Galaxien" des Argentiniers Tomas Saraceno. Quelle: Alberto Pizzoli/afp

Ein Herr im dunklen Anzug gibt sich als Makler aus und lädt stündlich zur Führung durch den Bau im modernen Bungalow-Stil. Allerdings ist die Gegend wenig einladend. Von Fahrrädern werden die Räder geklaut, und vor dem Haus nebenan schwimmt eine Leiche im Swimmingpool. Ein Kunstsammler hat die Markenschuhe säuberlich am Poolrand abgestellt und sich dann ertränkt. So suggeriert es jedenfalls das in Berlin lebende dänisch-norwegische Künstlerpaar Elmgreen & Dragset.

Die beiden haben den Dänischen und den Nordischen Pavillon gemeinsam mit zwei Dutzend der angesagtesten Künstlerkollegen, darunter Wolfgang Tillmans, Terence Koh und Maurizio Cattelan, in mit Kunst und Design bestückte Luxusvillen verwandelt: gleichsam als Sammelanleitung für die Hautevolee, die dem Kunstspektakel in Venedig ja erst seinen Glanz verleiht. Bleibt abzuwarten, welcher Sammler den Sammler im Pool kaufen möchte.

2007 war der Höhepunkt des Kunstmarkthypes. Damals schien Venedig als eine Art verlängerter Verkaufstisch der traditionell in der Woche darauf laufenden Art Basel. Nun aber ist auf dem Markt eingekehrt, was der „Spiegel“ als „Kater nach dem Vollrausch“ bezeichnete. Auf der Biennale bekommt man jetzt allenthalben versichert, dass man sich nun endlich wieder der Kunst widmen könne.

Da kommt es gerade recht, dass mit dem Schweden Daniel Birnbaum ein Mann für die 53. Ausgabe der Lagunenshow verantwortlich ist, der als Leiter der renommierten Frankfurter Städelschule ganz nah dran ist an der künstlerischen Produktion. Auf die einzelnen Nationenpavillons – es sind 77 – hat der Biennaleleiter allerdings keinen direkten Einfluss. Hier bestimmen Kuratoren aus den einzelnen Ländern das Programm.

Während im Deutschen Pavillon diesmal ein Brite, Liam Gillick, nationale und geschlechtliche Kategorien hintersinnig durchkreuzt, setzt sich gleich nebenan im Britischen Pavillon der im Vorjahr in Cannes ausgezeichnete Filmemacher Steve McQueen kritisch mit dem Biennale-Gelände auseinander. Er zeigt, wie die einstmals unter Napoleon eingerichteten Giardini im Winter aussehen: öde und verdreckt.

Gewollt unwirtlich geht es im Französischen Pavillon weiter. Dort setzt sich Claude Léveque in einer Installation aus Käfigen und den schwarzen Fahnen des Anarchismus mit dem Vorabend der Revolution auseinander. Es ist kühl, dröhnt und riecht nach Diesel. Der Titel „Le Grand Soir“ verweist auf die Zeit der Pariser Kommune. Statt nach Aufbruch sieht das Ganze aber eher nach Tod aus.

Im Russischen Pavillon meint man dagegen, in eine Disco geraten zu sein: Aus Lautsprechern tönt ein Rap des bekannten Moskauer Konzeptualisten Pavel Pepperstein, gekreuzt mit Strawinskys „Le Sacre du Printemps“ von 1913. Dazu ironisiert der Künstler mit witzigen Zeichnungen den russischen Futurismus. Hat Russland die Zukunft schon hinter sich? Und was macht eigentlich die Avantgarde?

„Making Worlds/Weltenmachen“: Vor allem im Arsenale löst sich das Biennale-Motto ein. Dort haben Künstler kleine Parallelwelten eingerichtet. Ein paar Dutzend Computer, Drucker, Faxgeräte, Stereoanlagen und Kühlschränke erzeugen in einem dunklen Raum eine seltsam heimelige Galaxie aus rot, blau, weiß und gelb blinkenden Lichtern. „Constellation“ heißt die Arbeit des Chinesen Chun Yun. Er versteht es, dem in unseren Wohnungen bedrohlich anwachsenden technischen Gerätepark im Standby-Modus eine poetische Note abzugewinnen. „Overgrowth“ betitelt die in Berlin lebende pakistanische Künstlerin Ceal Floyer eine wandhohe Projektion eines Baumes. Es handelt sich um ein riesenhaft vergrößertes Bonsai-Gewächs. Doch der Versuch, die künstliche Kleinzüchtung „natürlicher“ aussehen zu lassen, macht sie nur noch monströser.

Das Herzstück der Biennale ist der frühere Italienische Pavillon. Der 77-jährige Altmeister John Baldessari hat die Fassade mit einer meerblauen Tapete samt Palmenmotiv dekoriert, aber das trügt. Statt auf relaxte Lido-Atmosphäre stößt man im zentralen Pavillon vor allem auf konzentrierte bis spröde Exerzitien. Diese Biennale zeigt, wie schon die documenta 12 und die vergangene Berlin-Biennale, sehr genau die Baustellen, auf denen Künstler heute laborieren. Sie analysieren komplexe Systeme, hinterfragen die gebaute Umwelt, untersuchen die weltweiten Krisen wie unter der Lupe, zu Visionärem aber kann sich momentan keiner emporheben. Das globalisierte Zeitalter scheint Künstler eher zu entmutigen, als zu großen Veduten anzuspornen.

Zu den Kunst-Höhepunkten außerhalb der Biennale zählt die bösartigerweise einen Tag vor Biennale-Beginn angesetzte Eröffnung des zweiten venezianischen Privatmuseums des französischen Milliardärs und Sammlers François Pinault. Ein eklatanter Fall von Show-Diebstahl! Bei der Biennale 2007 wurde wenige Minuten vor Beginn bekannt, dass Pinault ein Ensemble von fünf riesigen Polke-Gemälden gekauft hatte. Nun kann man einen ganzen Polke-Weiheraum bewundern. Der Besitzer diverser Marken (Yves-Saint-Laurent, Puma etc.) und des weltweit umsatzstärksten Auktionshauses (Christie’s) hat sich am Ausläufer des Canal Grande für 20 Millionen Euro vom japanischen Stararchitekten Tadao Ando die ehemaligen Salinen Punta della Dogana umbauen lassen. Dort zeigt er, was gut und teuer ist. Die Openingparty war allerdings zurückhaltender als die champagnersprühende Eröffnung des Palazzo Grassi vor drei Jahren. Sekt statt Champagner – die Krise ist in Venedig angekommen.

Biennale Venedig: 7. Juni bis 22. November, täglich 10 bis 18 Uhr. Infos: www.labiennale.org

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