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Kultur Die „Bielefeldverschwörung“: Mehr als ein Studentenfilm
Mehr Welt Kultur Die „Bielefeldverschwörung“: Mehr als ein Studentenfilm
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07:37 06.06.2010
„Bielefeld? Das gibt's doch gar nicht!“ Quelle: dpa
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Die „Bielefeldverschwörung“ ist am Mittwoch ins Kino gekommen, vorerst allerdings nur in der betroffenen westfälischen Stadt. Von den ersten Reaktionen dürfte abhängen, ob die Macher von der Universität Bielefeld einen Verleih finden.

Die Story: Eine geheimnisvolle Organisation hat Bielefeld unter ihrer Kontrolle. Die größenwahnsinnigen Bösewichte wollen eine furchtbare Waffe entwickeln und die Stadt droht das erste Opfer zu werden. Warum Bielefeld? Niemand würde eine so langweilige Stadt vermissen, sagt einer der Gauner im Film. Wie gemein! Nur ein Professor, seine Tochter und ein paar Studenten kommen hinter die bösen Machenschaften und leisten Widerstand. Am Ende retten die Helden Bielefeld und nebenbei auch die Welt.

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Für die Dreharbeiten kam im Sommer 2009 auch der Urheber der Verschwörungstheorie nach Bielefeld. Der Kieler Achim Held stellte das Gerücht 1994 ins Internet. Die Idee sei 1993 auf einer Party von Kieler Studenten entstanden. Einer habe behauptet, er komme aus Bielefeld, andere frotzelten: „Bielefeld, das gibt’s doch gar nicht“. Als dann diverse Verschwörungstheorien im Umlauf waren, stellte Held die Geschichte ins Internet.

Seitdem schießen die Theorien ins Kraut. Die Urheber - kurz „SIE“ - haben die Medien unter Kontrolle, die täglich aus Bielefeld berichten. Alles gefälscht! SIE stellen Ortsschilder auf. Leute behaupten, in Bielefeld zu studieren oder dort ihr Abitur abgelegt zu haben, wie etwa Alt-Bundeskanzler Gerhard Schröder. Die Sparrenburg - das Wahrzeichen Bielefelds? Alles nur Kulisse.

Aus der Theorie wurde ein ungewöhnlich großes Uni-Projekt, getragen von den Medienpädagogen Thomas Walden, der das Drehbuch schrieb, und Fabio Magnifico sowie dem Kameramann Alexander Böke. Zahllose Studenten waren Feuer und Flamme, Profi-Schauspieler wie Julia Kahl (Dr. Rita Lihn) und Thomas Huber (Meister-Bösewicht Ashtar Sheran) ließen sich von der Begeisterung anstecken und machten mit. Die Stadt tat sich lange schwer mit dem Ulk. Dann entdeckte sie ihren Humor und vor allem den Werbewert. Die Bielefeld Marketing GmbH hat die Dreharbeiten kräftig unterstützt.

Herausgekommen ist mit Hilfe vieler Sponsoren und mit einem Mini- Budget von 60.000 Euro ein Spielfilm von rund 105 Minuten. In 40 Drehtagen an Aufnahmeorten zwischen Bielefeld und Griechenland, mit 1000 Statisten und nach unzähligen Stunden Arbeit ist mehr als ein Studentenfilm entstanden. „Ein Vergleich mit Filmen wie „Avatar“ wäre unfair“, sagte Walden. Wer aber im Hinterkopf habe, dass es ein Film von Studenten sei, werde nicht enttäuscht. Walden jedenfalls ist begeistert und plant schon Teil II. „Die Story steht, die ersten 20 Seiten sind geschrieben.“

dpa

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