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Kultur „Der fantastische Mr. Fox“: Fabulöser Animationsfilm
Mehr Welt Kultur „Der fantastische Mr. Fox“: Fabulöser Animationsfilm
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19:51 11.05.2010
Von Ernst Corinth
Szene aus „Der fantastische Mr. Fox“
Szene aus „Der fantastische Mr. Fox“ Quelle: 20th Century Fox
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Er ist wohl der coolste und vor allem der eleganteste Fuchs der Kinogeschichte: Mr. Fox, der nur aus seiner tierisch distinguierten Haut fährt, wenn ihm seine Frau Pfannkuchen zum Mittag auftischt, die er dann so richtig animalisch herunterschlingt. Doch seine Leibspeise ist eigentlich Huhn, je fetter desto besser. Und sein Lebensmotto: Ohne einen dicken Hahn zwischen den Zähnen kann ein Fuchs nicht glücklich sein. Muss er aber, denn nach der Geburt seines Sohnes hat der ehemalige Meisterdieb seiner Frau, einer begnadeten Landschaftsmalerin, versprochen, auf Hühnerdiebstahl und andere risikoreiche Unternehmungen künftig zu verzichten. Und das notwendige Geld anständig zu verdienen, als Kolumnist einer ausgefuchsten Zeitung. Doch die Versuchung ist leider einfach groß.

Ausgedacht hat sich diese Figur Roald Dahl, der sie in den Mittelpunkt seines Bestsellers „Der fantastische Mr. Fox“ gestellt hat. Genauso nennt sich nun auch die Verfilmung durch den Regie-Exzentriker Wes Anderson („Die Royal Tenenbaums“), der durch seine Porträts kaputter Familien und schwieriger Patriarchen bekannt geworden ist. Gedreht wurde dieser Animationsfilm in der guten, alten Stop-Motion-Technik und nicht, wie mittlerweile üblich, mittels Computer. Dabei werden in einer realen Kulisse wirkliche Figuren, sprich Puppen, für jede Einstellung minimal verändert und dann Schritt für Schritt abgefilmt. Eine Technik oder besser: ein Handwerk, das man aus Filmen kennt wie „Wallace & Gromit“ und „Chicken Run – Hennen rennen“ oder auch durch das Fernseh-Sandmännchen.

Ein Effekt dieser Stop-Motion-Technik ist zumindest in diesem Fall die betonte Künstlichkeit der gezeigten Welt, in der sich die Figuren bewegen. Dabei ist eine durchweg märchenhafte Kulisse entstanden, die recht gut zu der parabolischen Geschichte passt. Denn hier wird vor allem der Beweis angetreten, dass ein Fuchs halt tun muss, was ein Fuchs eben tun muss. Dass sich Kreaturen wie Mr. Fox nicht domestizieren lassen. Und dass auf dieser Welt auch Platz sein muss für wilde, ungebändigte Gesellen und Tiere.

Eine nette Botschaft, die sich wohl besonders an erwachsene Kinogänger und nicht unbedingt an ein kindliches Publikum richtet. Doch auch die Kleinen werden ihren Spaß haben, wenn der gute Mr. Fox seine alten, längst verschütteten Talente wiederentdeckt und loszieht, um sich bei den benachbarten Großbauern Boggis, Bunce und Bean mit Hühnern, Gänsen und Apfelwein illegal einzudecken. Clever werden die Wachhunde, blutrünstige Beagle, mit präparierten Blaubeeren flachgelegt. Und dann beginnt das große Fressen. Doch leider kommen die drei Bauern unserem Fuchs schnell auf die Schliche, und ein actionreicher, aber stets phantastischer Kampf beginnt.

Mr. Fox und seine Familie werden also aus ihrer liebgewonnenen, schicken Baumhöhle vertrieben, zurück in ein verhasstes finsteres Erdloch. Aber auch in größter Not steht die Familie zusammen und kann gegen Ende sogar die drei Großbauern austricksen. Aber nur scheinbar! Denn der Schluss des Films ist überraschend bitter-ironisch. Gleichwohl ist Anderson ein wunderschön altmodisches Animationsabenteuer gelungen, zudem mit tollen Sprechern: In der englischsprachigen Originalfassung wird das Ehepaar Fuchs von George Clooney und ­Meryl Streep gesprochen und bei uns ebenfalls überzeugend von Christian Berkel und Andrea Sawatzki, die auch im realen Leben ein Paar sind. Was man den zwei auch anhört, so gut eingespielt wirkt das Duo.

Hübsche Fabel: Ein wilder Kerl lässt sich nicht zähmen, auch wenn die Familie leidet. Kinos am Raschplatz.