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Kultur Der Hobbit – das Original und die Fälschungen
Mehr Welt Kultur Der Hobbit – das Original und die Fälschungen
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07:31 14.12.2012
Das Original aus dem Auenland: Martin Freeman als Hobbit im Plausch mit Chefzauberer Gandalf. Quelle: dpa
Mittelerde

Wenn eine Geschichte parodiert wird, ist sie fester Bestandteil des kollektiven Bewusstseins geworden. Bei der allgemeinen Euphorie angesichts des heutigen „Hobbit“-Kinostarts ist es kein Wunder, dass auch weniger bekannte Autoren versuchen, sich am Erfolg J. R. R. Tolkiens zu laben.

Der Piper-Verlag behauptet im Autoren-Porträt frech, Tolkien habe sich eigentlich bei Paul Erickson und seinem Roman „Der Wobbit oder: Einmal Hin- und Rückfahrt, bitte!“ bedient. „Wobbits sind so klein, dass sie regelmäßig von Kobolden verprügelt werden“, heißt es hier. Milbo Muffin wird von einem Zwergen-Managerrudel mit einem Knebelvertrag zwangsverpflichtet, einen Drachen aus ihrer Bank zu vertreiben. Damit soll er nebenbei auch dafür sorgen, dass die Grundstückspreise wieder steigen. Wie unbarmherzig die Finanzwelt sein kann, hat der Autor am eigenen Leib erfahren: Der ehemalige Manager aus Washington verlor in der Bankenkrise seine Arbeit.

Von Myk Jung, einem Essener Autor und Sänger, erscheint dieser Tage die „Hobbit“-Parodie „Der Hobbknick“. Jung tauchte bereits mit „Der Herr der Ohrringe“ ins Reich der „Mittelmäßigen Welt“ ein. In einer leicht altmodischen Sprache, die dem Stoff angemessen ist, erzählt er die Geschichte von „Bilbord Beutelkinn“ nach. Wohl nicht nur Hobbit-Insider werden viele Anspielungen erkennen, Jung übernimmt etwa Tolkiens Gestus als Übersetzer einer alten Runenschrift und flicht immer wieder Anmerkungen des Übersetzers ein. Zudem erfindet er eine Rahmenhandlung, die die Helden aus Tolkiens Hauptwerk ihre eigene Vorgeschichte im Keller der Festung „Vidas Tierlyth“ finden und lesen lassen.

Diese Konstruktion ermöglicht es Jung, den „Hobbit“ direkt zu kommentieren: „Liest sich ein bisschen wie ein Kinderbuch. Ziemlich flapsiger Stil, wenn ihr mich fragt. Und der Autor spricht zuweilen die Leser direkt und solchermaßen an, als wären sie ein bisschen minderbemittelt!“ Jung steigert die Wesenszüge der Gefährten ins Extreme, etwa die selbstverliebte Arroganz des Zauberers „Ganzhalb“. Doch bleibt er zu nah am Original, um die Leser dauerhaft fesseln zu können. Dabei hilft es auch nicht, den eigenen Helden abzuwerten, indem er wiederholt schreibt, „Hobbknick“ sei ein Synonym für „Dös-kopp“. Als „Bilbord“ Gollum begegnet, der bei Jung „Guelle“ heißt, und von ihm den mächtigen Ohrring erhält, stöhnt der Hobbknick: „Da muss ich mir ja erst mal Löcher stechen lassen! Wie ärgerlich!“

Der Heyne-Verlag hat zum Kinostart eine Neuauflage der Tolkien-Parodie „Der Hobbnix“ auf den Markt gebracht. Der britische Autor Adam R.R.R. Roberts erzählt die bekannte Geschichte mit komisch klingenden Namen nach: „Bingo Beutelgrapscher“ begegnet dem trotteligen Zauberer „Ganzalt“, dem griesgrämigen Philosophen Schmollmund, Björn dem Tier und Lord Halbelf. Der Verlag hatte mit „Die Trantüten von Panem“ von Harvard Lampoon jüngst bereits eine Parodie auf die „Hunger Games“-Trilogie veröffentlicht. Die Protagonistin „Kantkiss Neverclean“ kämpft hier um ihr Leben und die Zuneigung der Leser.

Der Goldmann-Verlag brachte mit „Barry Trotter“ gleich eine ganze Parodie-Reihe nach dem Vorbild von Joanne K. Rowling heraus - eine Folge trägt bezeichnenderweise den Untertitel „Barry Trotter und die überflüssige Fortsetzung“.

Paul Erickson: „Der Wobbit oder: Einmal Hin- und Rückfahrt, bitte!“. Piper. 304 Seiten, 12,99 Euro.

Myk Jung: „Der Hobbknick“. Plöttner Verlag. 255 Seiten, 14,90 Euro. Am 31. Januar 2013 liest Jung in der Kneipe „Zeitlos“, Königsworther Straße 32, Hannover.

Adam R.R.R. Roberts: „Der Hobbnix: Die Tolkien-Parodie.“ Heyne. 352 Seiten, 8,99 Euro.

Nina May

Das Warten hat für die Fans ein Ende: Am 13. Dezember ist Peter Jacksons „Hobbit“-Verfilmung gestartet. Martin Freeman spielt die Hauptrolle in der Produktion, die ihr eigenes Bonusmaterial gleich mit ins Kino bringt.

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