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Kultur „Der Fall Collini“: Dein Freund und Rechtsanwalt
Mehr Welt Kultur „Der Fall Collini“: Dein Freund und Rechtsanwalt
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09:28 17.04.2019
So leicht gibt dieser Anwalt nicht auf: Caspar Leinen (Elyas M’Barek) beißt sich durch seinen ersten Fall. Quelle: Foto: Constantin
Hannover

Reichlich overdressed erscheint der junge Anwalt zu seinem ersten Prozesstermin. Während Richter und Staatsanwalt salopp in Freizeitkleidung warten, schneit Caspar Leinen verspätet mit wehender Robe herein. Das Missgeschick sorgt für arrogante Kommentare bei den Kollegen auf der Leinwand – und garantiert für Sympathiepunkte beim Kinopublikum. Schließlich wird der Nachwuchs-Advokat von Elyas M’Barek gespielt, der seit „Fack ju Göhte“ als beliebtester deutscher Schauspieler gilt.

Es ist Caspars erster Fall als Pflichtverteidiger, und der hat es in sich: Der Italiener Fabrizo Collini (Franco Nero) wird des Mordes angeklagt. Die Beweislast ist erdrückend, der Angeklagte schweigt. Erst spät erfährt Caspar, wer der Ermordete ist: der Industrielle Hans Mayer (Manfred Zapatka), Großvater seiner Jugendliebe Johanna (Alexandra Maria Lara). Ohne Mayers Hilfe hätte er es als Sohn einer alleinerziehenden türkischen Mutter wohl nie zum Juristen gebracht. Caspar hält an dem Pflichtmandat fest und zieht damit einen Fall an sich, der eng mit einem deutschen Kriegsverbrechen verknüpft ist.

Kein Mord mehr, sondern nur noch Totschlag

Mit „Der Fall Collini“ verfilmt Marco Kreuzpaintner den Bestseller von Ferdinand von Schirach, der in seinem Roman einen der größten BRD-Justizskandale spiegelte. Mit der Verabschiedung des sogenannten „Dreher-Gesetzes“ 1968 galten die Verbrechen nationalsozialistischer Befehlsempfänger nicht mehr als Mord, sondern nur noch als Totschlag. Durch den juristischen Kniff konnten die Taten von Tausenden Nazi-Verbrechern nach dem Ablauf der zwanzigjährigen Verjährungsfrist nicht mehr geahndet werden.

„Der Fall Collini“ verhandelt aus dem retrospektiven Blick des Jahres 2001 die späte Rache eines Opfers, das als Kind mit ansehen musste, wie der eigene Vater von der SS ermordet wurde. Da das deutsche Rechtssystem für Collini keine Gerechtigkeitsoptionen bietet, nimmt er das Recht selbst in die Hand.

Widerspruch zwischen Recht und Gerechtigkeit

Der Regisseur inszeniert diesen klassische Widerspruch zwischen Recht und Gerechtigkeit als geradliniges Justizdrama. Mit zunehmender Recherchearbeit deckt Rechtsanwalt Leinen immer neue Facetten des scheinbar eindeutigen Falls auf.

Wenig subtil versucht der Regisseur mit M’Barek als Zugpferd, der jüngeren Zuschauergeneration die juristischen Folgewirkungen des Nationalsozialismus nahe zu bringen. Vor zwanzig Jahren wäre dieses Thema wohl in Form eines trockenen Politschulfilms behandelt worden, hier wird es ins Mainstream-Format gehievt. Das führt zu dramaturgischen Überdeutlichkeiten und eher simplen Figuren.

Es fehlt dem Regisseur an Sensibilität

Peinlich pathetisch gerät der omnipräsente Soundtrack. Und auch bei der Rückblende, in der die Liquidation der italienischen Dorfbewohner durch sadistische SS-Schergen gezeigt wird, fehlt es an der notwendigen Sensibilität. Mit den Mitteln des Unterhaltungskinos historisch-politisches Bewusstsein zu schaffen ist eine Kunst, die Kreuzpaintner nur eingeschränkt beherrscht.

Von Martin Schwickert / RND

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