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Kultur Der Buchmarkt 2013 beginnt mit schwerer Kost
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00:15 18.01.2013
Von Martina Sulner
Hannover

Sind wir letztlich alle nur Monster? Egoistische Typen, denen es vor allem ums Geld und Geldausgeben geht? Ja, meint Frank Schirrmacher, Herausgeber der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ und immer für eine streitbare These gut. „Ego. Das Spiel des Lebens“ heißt das neue Sachbuch des 53-Jährigen, das Ende Januar im Blessing Verlag erscheint - und wohl, wie bei den vorigen Schirrmacher-Büchern, für Debatten sorgen wird.

Schirrmacher gehört zu den einflussreichen Publizisten in Deutschland; ihm gelingt es immer wieder, gesellschaftliche Stimmungen auf den Punkt zu bringen. Doch auch von mehreren Romanautoren kommen in den nächsten Monaten Bücher auf den Markt, in denen es darum geht, wie der Einzelne mit (verschiedensten) gesellschaftlichen Zuständen und Zusammenbrüchen umgeht. Da ist etwa „Frösche“, der 2009 in China veröffentlichte Roman des aktuellen Literaturnobelpreisträgers Mo Yan (Ende Februar im Hanser Verlag). Mo Yan, für seine mäßig kritische Haltung zur Politik seines Heimatlandes oftmals gerügt, erzählt von den Auswirkungen der restriktiven Ein-Kind-Politik Chinas: von Ehekonflikten, von Abtreibungen, die oft tödlich enden, und von den Schuldgefühlen einer „Engelmacherin“.

Wie man an der Politik seines Heimatlandes, das man liebt, fast verzweifeln kann, hat David Grossman in vielen Texten geschildert. 2009 erzählte der israelische Autor in seinem großen Roman „Eine Frau flieht vor einer Nachricht“ von einer Frau, die um das Leben ihres Sohnes fürchtet, der beim Militär ist. Grossmans Sohn Uri wurde kurz zuvor bei einem Militäreinsatz im Libanon getötet. Jetzt erscheint „Aus der Zeit fallen“ (Hanser): eine Totenklage und eine Beschreibung, wie ein Trauernder das Weiterleben lernt - in einem Land voller Widersprüche und politischer Probleme.

In Tom Wolfes neuem Roman „Back to Blood“ (Blessing Verlag) geht es um das Leben in Miami, um den wenig respektvollen Umgang, den weiße Rentner, kubanische Flüchtlinge und korrupte Polizisten miteinander pflegen. Der Autor von „Fegefeuer der Eitelkeiten“ erzählt das gewohnt bissig-satirisch.

Was Geld und Finanzkrise mit uns machen, hat Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek schon in ihrem Theatertext „Die Kontrakte des Kaufmanns“ beschrieben. Jetzt nimmt die Österreicherin das Thema erneut auf und verknüpft es mit dem Geschehen aus Richard Wagners „Ring“. Jelineks Buch „rein gold“ erscheint Anfang März im Rowohlt Verlag.

Der Held aus Ernst-Wilhelm Händlers neuem Roman „Der Überlebende“ (S. Fischer Verlag) hingegen interessiert sich vor allem für die Entwicklung intelligenter Roboter. Händlers Buch kreist dabei um die Fragen, was den Menschen ausmacht, wie das perfekte Lebewesen beschaffen sein sollte - und wohin es führt, wenn jemand nach einem makellosen Menschen sucht. 

Manchmal suchen die Menschen aber auch nur nach Heimat - wie in Reinhard Jirgls Roman „Nichts von euch auf Erden“ (Hanser). Der Büchner-Preisträger erzählt eine Zukunftsgeschichte: Im 25. Jahrhundert kehren Eroberer von Mars und Mond zurück auf die Erde, die ihre Vorfahren einst verlassen haben, weil der Planet durch Egoismus und Zerstörungswut nahezu unbewohnbar geworden war.

Wer es heiterer oder krimineller mag, wird im Frühjahrsprogramm aber auch fündig. Wie bei „Herzblut“ (Droemer), dem neuen Kluftinger-Krimi des Erfolgsduos Volker Klüpfel und Michael Kobr. Astrid Rosenfeld, der mit „Adams Erbe“ ein sensationell erfolgreiches Debüt gelungen war, veröffentlicht „Elsa ungeheuer“ (Diogenes). Es ist die Geschichte einer selbstbewussten Frau, die mehreren Männern den Kopf verdreht. Heinz Strunk schreibt, deutlich autobiografisch, über Kindheit und Jugend im spießigen Hamburg-Harburg: „Junge rettet Freund aus Teich“ (Rowohlt). Und die Norwegerin Linn Ullmann erzählt in ihrem Roman „Das Verschwiegene“ (Luchterhand) von verzwickten Familienverhältnissen. Da geht es nicht um Ego-Monster, sondern um schrecklich-schöne Familienbande.

Das Berliner Filmmuseum ehrt einen der größten Regisseure der USA: Martin Scorsese. Rund 600 Austellungsstücke - darunter Requisiten aus wichtigen Filmen wie „Wie ein wilder Stier" und „Aviator" - sind dort zu sehen.

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