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17:25 22.09.2011
Der Pokal vom „Wunder von Bern“ wird bei der Ausstellung gezeigt. Quelle: dpa
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Hamburg

In einer Vitrine glänzt der Pokal der Fußball-Weltmeister von 1954, der viel kleiner und filigraner wirkt, als der heutige. Das „Wunder von Bern“, der unfassbare WM-Sieg der deutschen Nationalmannschaft, ist nur eine von vielen wundersamen Begebenheiten, die in einer bunten Schau in den Hamburger Deichtorhallen thematisiert wird. Diese will von Freitag an zeigen, wie Kunst, Technik und Religion Unglaubliches schaffen.

„Es ist eine Ausstellung über die Grenzen der abendländischen Rationalität“, erklärt Kurator Daniel Tyradellis. „Das Wunder bezeichnet eine Öffnung der Welt.“ Es gehe um das, was aus dem Rahmen falle - von der unerklärlichen Heilung, dem wundersamen Fremden, unglaublichen Naturschauspielen, technischen Innovationen, künstlerischen Ideen bis hin zum bloßen Zufall.

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Moderne Kunstwerke von Joseph Beuys oder Martin Kippenberger und Albert Oehlen sind ebenso dabei wie Heiligenbilder - etwa eine Statue des Heiligen Nikolaus (um 1520) - oder Votivgaben, die Gläubige an Wallfahrtsorten hinterlegen, um sich für wundersame Ereignisse zu bedanken. Der Besucher begebe sich auf eine Entdeckungsreise, bei der die ästhetische Erfahrung genauso zentral sei wie die inhaltliche Auseinandersetzung mit den Exponaten, sagte Kurator Tyradellis.

Unter den mehr als 50 Ausstellungsstücken findet sich jede Menge Überraschendes, aber auch Triviales. Da ist das Patent für Wunderkerzen, das 1907 in Hamburg vergeben wurde, der Zauberkasten, den Johann Wolfgang von Goethe seinen Enkeln schenkte, da sind auch Geisterhände, Tiefseefische und ein Meteorit.

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel gehört zu den Leihgebern der Schau. Sie steuerte ein Geschenk des chilenischen Staatspräsidenten bei: Einen Stein jener Mine, aus der im vergangenen Jahr beim„Wunder von Chile“ 33 verschüttete Bergleute nach 69 Tagen gerettet wurden. „Wunder sind Ereignisse an der Grenze von Zufall und Schicksal. Beeinflussbar werden sie durch individuelle Expertise und Technologie, die die Grenzen des Machbaren verschieben“, heißt es in einem Ausstellungstext.

Die magischen Kräfte von Zauberstäben werden ebenfalls veranschaulicht. So gibt es einen Original-Zauberstab aus Sumatra zu bewundern, aber auch die Zauberstäbe von Harry Potter oder den Taktstock des großen Dirigenten Daniel Barenboim. Daneben lehnt Joseph Beuys’ „Eurasienstab“ (1968/69) an der Wand - ein Kunstwerk, das aus vier mit Filz überzogene Winkelprofilen besteht.

„Wunder - Kunst, Wissenschaft und Religion vom 4. Jahrhundert bis zur Gegenwart“ läuft bis zum 5. Februar 2012.

dpa

22.09.2011
21.09.2011