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Kultur Orff ’n’ Roll
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17:38 23.01.2014
Von Uwe Janssen
Foto: Rock mit Pose: Das Trans Siberian Orchestra in der Swiss Life Hall in Hannvover.
Rock mit Pose: Das Trans Siberian Orchestra in der Swiss Life Hall in Hannvover. Quelle: Philipp von Ditfurth
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Hannover

Die Show hat sich an Ost-und Westküste zu einem vorweihnachtlichen Spektakel entwickelt und ist entsprechend weitschweifend ausgelegt, nicht nur räumlich. Alles hier ist Bombast, Pathos, Effektwucher.

Mit Sibirien, Kälte oder Eisenbahn hat das alles gar nichts zu tun. Die internationale Truppe auf der Bühne besteht zum Teil aus der früheren Metalkombo „Savatage“, dazu kommen auf der Bühne zehn Sänger, eine Streicherabteilung und zwei Tastendrücker, einer davon immerhin aus der Ukraine. Sie spielen eine Mischung aus Rockoper, Pink Floyd, Broadwaymusical, Night of the Proms und Rocky Horror Metal Show, und das satte zweieinhalb pausenlose Stunden lang.

Zwischen den Rocksongs ertönen verrockte Klassikhits von Mozart oder Liszt, Orffs „O Fortuna“ oder „Freude schöner Götterfunken“. Der Ukrainer darf sich kurz als Solist austoben, die Gitarristen sowieso. Lasergitter zucken durch die Halle, Feuersäulen züngeln in die Höhe, Nebelschwaden kriechen über den Bühnenboden, die üppigen Lichtbatterien zucken punktgenau im Takt der Musik. Ja, hier ist was los!

Die Story? Irgendwas mit Raum und Zeit und Glück und Wunsch und Mensch und Liebe, der Teufel kommt auch vor. Ist aber auch egal. Hier geht’s um die Inszenierung von Pathos, rockorchestrale Wucht, breitbeinige Posen, fliegende Mähnen. Und es geht nicht zuletzt um den guten alten Rock ’n’  Roll, in den das Klassikrepertoire kurzerhand eingemeindet wird. Neu ist diese Vermengung nicht, schon in den Siebzigern haben Saitenkönner Bach auf der Rockklampfe gezupft. Das Trans-Siberian Orchestra befördert das Ganze in der Präsentation jetzt auf eine andere Stufe. Eine moderne Old-School-Veranstaltung. Seltsam, kitschig, professionell, ehrlich. Das hannoversche Publikum spart nicht mit Jubel und Applaus.

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