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Kultur Das Musikland Niedersachsen geht online
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20:05 15.09.2009
Von Stefan Arndt
Neue Konzertformen sind ein Ziel des Musiklandes, dessen Internetauftritt Christian Wulff (links) und Lutz Stratmann am Dienstag präsentierten. Quelle: Ralf Decker
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Es ist nicht ganz leicht, etwas als neu zu entdecken, was immer schon da war. Unter dem Begriff Musikland Niedersachsen etwa, den die Landesregierung seit Jahren so nachdrücklich propagiert, muss man sich zunächst die Summe seiner Teile vorstellen: Das Musikland, so bekommt man es stets zu hören, bestehe aus all den Menschen und Institutionen, die hier Musik machen oder ihr zuhören, sie veranstalten oder vermarkten. Das Musikland ist also alles – und darum letztlich auch nichts.

Dieser Beliebigkeit zu entkommen und etwas wirklich Fassbares zu schaffen, ist der fast schon utopisch anmutende Auftrag einer vom Land, der Stiftung Niedersachsen und der Niedersächsischen Sparkassenstiftung finanzierten Institution, die ebenfalls den Titel Musikland führt. Nun, nach gut einem Jahr Arbeit, haben Ministerpräsident Christian Wulff und Kulturminister Lutz Stratmann erste Ergebnisse des Teams um den Musiklandgeschäftsführer Klaus Georg Koch vorgestellt: ein kulturtouristisches Projekt, das außergewöhnliche Musikereignisse vom kommenden Frühjahr an touristisch vermarkten soll, und eine neue Internetplattform, die unter der Adresse www.musikland-niedersachsen.de seit Dienstag online ist.

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Weil das Internet ein guter Ort für Utopien ist, kann man vor allem dort eine Vorahnung bekommen, was geschieht, wenn die gewünschte Vernetzung aller Musiker und Hörer (die hier „Musik-Macher“ und „Musik-Entdecker“ genannt werden) tatsächlich erreicht wird. Auf musikland-niedersachsen.de können sich alle Laien, Profis und Liebhaber auf eigenen „Profilseiten“ ausführlich vorstellen und ihre Konzerttermine veröffentlichen. Gleichzeitig stellen sie sich damit auch der Konkurrenz und zur Diskussion: Wer entwickelt die attraktivsten Konzepte, um neue Zuhörer oder neue Mitspieler zu gewinnen? Wo gibt es spannende Konzerte an ungewöhnlichen Orten?

Die bestehenden Angebote sollen sich nach Wunsch von Koch künftig noch stärker den „sich wandelnden Wahrnehmungsgewohnheiten, Bedürfnissen und Erwartungen der Öffentlichkeit und bestimmter, oft junger, Zielgruppen“ anpassen. Von der Einstellung des Profils bis zur Beratung bei der Musikvermittlung, die ebenfalls zum Angebot des Musikland-Teams gehört, ist es deshalb nur noch ein Klick.

In diesem auf Innovation zielenden Sinne ist es auch zu verstehen, wenn Christian Wulff sagt, Niedersachsen habe sich entschlossen „die gesamte Musikkultur des Landes zu bündeln, zu konzentrieren und nach vorne zu bringen“. Der bisherige Weg hat gezeigt, dass dabei keine schnellen Erfolge zu erwarten sind. Doch die vielen kleinen Schritte, die hier so geduldig wie entschieden gesetzt werden, könnten tatsächlich dazu führen, dass das niedersächsische Modell am Ende doch noch beispielhaft wird.

Das gilt auch für eine für das Frühjahr geplante Werbeoffensive, die Musik und Tourismus gleichermaßen betrifft. So umständlich der Name Musikbox Musikland Niedersachsen ist, so vielversprechend ist das Konzept: Die Musikveranstalter suchen sich bestimmte Hotels oder Restaurants aus, mit denen sie zusammenarbeiten wollen, und können so eine Art Pauschalangebot zusammenstellen. Bedingung für die Förderung und Aufnahme in das Werbeprogramm ist, dass das Programm ungewöhnlich und an einen typischen Ort gebunden ist. Beispielhaft sind für die Initiatoren etwa Konzerte der Niedersächsischen Musiktage, die die Zuhörer in Stahlwerke oder Bergschächte führen und ihnen dort ungewöhnliche und besonders intensive Höreindrücke ermöglichen. Finanziert wird das 800.000 Euro teure und zunächst auf drei Jahre angelegte Projekt auch mit EU-Fördermitteln, was eine niedersächsische Besonderheit ist: Laut Wulff hat bisher kein anders Land solche Gelder „zur Verbreiterung der kulturellen Basis des Landes“ genutzt.

Auch der ambitionierte neue Internetauftritt ist bundesweit einmalig. Doch wie vieles Neue birgt er auch ein nicht geringes Risiko: Er wird ein belastbarer Test dafür sein, ob die Vision eines Musiklands je Wirklichkeit werden kann. Die Seite lebt von der Interaktivität, von der Bereitschaft der Nutzer, sich mit der Marke Musikland zu identifizieren und eigene Beiträge einzustellen, die Foren zu beleben und den Reichtum an Musikern im Land tatsächlich sichtbar zu machen. Falls das nicht geschieht, bleibt das Musikland Behauptung. Und die Utopie Utopie.

Werden Sie auch Teil des Musiklandes, und lernen Sie ein Instrument. Bloß welches? Die Wochenendbeilage „der 7. tag“ gibt am 19. September Orientierung.

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