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Kultur Das Duell der Worte: „Poetry Slam“ Meisterschaften in Heidelberg
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08:56 19.11.2012
„ABC der Träume“ – Pierre Jarawan aus München gewann den Einzelwettbewerb der 16. deutschsprachigen Poetry-Slam-Meisterschaft in Heidelberg. Quelle: dpa
Heidelberg

Es zählen die inneren Werte. Junge, gutaussehende Frauen bejubeln hemmungslos speckige, unrasierte und teilweise äußerst „verpeilt“ aussehende dichtende Mannsbilder. So etwas gibt es nur beim „Poetry Slam“. Beim Finale der 16. deutschsprachigen Meisterschaften am Samstagabend in der ausverkauften Heidelberger Stadthalle kamen unter die letzten neun Kandidaten nur Männer. Auch das überwiegend junge Publikum ist an Oberflächlichkeiten nicht interessiert und lechzt geradezu nach intellektuellen Ergüssen. Nach knapp zwei Stunden stand dann der Sieger fest.

Der sichtbar gerührte 27-jährige Deutsch-Jordanier Pierre Jarawan überzeugte im Stechen der besten zwei Nachwuchsdichter mit einer essayistischen Kurzgeschichte über die Schönheit und Komplexität von Sprache. Der in München lebende und Kirchheim Teck aufgewachsene Autor schilderte in verschränkter Weise in einem Fünf-Minuten-Beitrag seine kindlichen Leseerfahrungen und verband diese mit philosophischen Überlegungen. In seiner Synthese kam er dann unter dem Jubel der Zuschauer zum Schluss: „Sprache kann in ihrer Einfachheit schön sein, wenn man sie nur ernst nimmt.“

Im Finale der besten neun Slamer hatte sich Jarawan zudem mit dem „ABC der Träume“ beschäftigt und lyrisch angeprangert, dass in der Gegenwart oft die Vernunft die Träume der Menschen ersetze. Für ein Jahr ist er nun der Besitzer der Trophäe des Wettbewerbs, einem „sagenumwobenen Wanderstock“, der als Inspiration für neue Dichtungen dienen soll. Viele der „Slamer“ hoffen, bei den ohne Preisgeld stattfindenden Wettbewerben „entdeckt“ zu werden und Verlagsverträge zu bekommen, mit dem sie einen Teil ihres Lebensunterhalts finanzieren können. Die meisten von ihnen sind Studierende.

Platz 2 erreichte der Wuppertaler Jan Philipp Zymny (19) mit einer kreischenden Sprachcollage über ein Computerspiel, bei der er sich ironisch mit den Futur-Konstruktionen in der deutsche Grammatik auseinandersetzte. Der auf Sprachnonsens und sonstigen lautmalerischen Unsinn spezialisierte Abiturient hatte sich mit einer unstrukturierten und komischen Detektivgeschichte für das Stechen qualifiziert und das Publikum entzückt.

In verschiedenen Vorrunden hatten insgesamt 108 Teilnehmer seit Dienstag in Heidelberg und Mannheim eigene Geschichten oder Gedichte vorgetragen. Eine Publikumsjury bewertete dabei die Teilnehmer, im Finale spielte die Beifallsintensität die ausschlaggebende Rolle. Bei der Bewertung geht es bei dem Dichter-Duell neben den Inhalten auch um die Vortragstechnik und die individuelle Improvisationskunst. Die in den 1980er-Jahren in Chicago entstandene Kunstform des Poetry Slam ist mittlerweile in vielen Ländern ein wichtiger Bestandteil und kreativer Impuls der Jugendkultur. Die Veranstaltungen genießen Kultstatus und werden besonders von jungen Menschen unter 30 Jahren besucht.

dpa

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