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Kultur Das Ausschlachten Michael Jacksons hat begonnen
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19:51 12.07.2009
Von Uwe Janssen
Quelle: Robin Beck/afp
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Die letzten Lebensgeheimnisse treiben die Auflagen der Straßenverkaufszeitungen in die Höhe, unveröffentlichte (und vermutlich auch bereits veröffentlichte) Aufnahmen werden auf Bild- und Tonträgern für ­außergewöhnliche Verkaufszahlen sorgen. Und in den Buchläden wird die Geschichte des Mannes in Wort und Bildband zu kaufen sein. Der erste Gedenkkalender „In Memoriam“ für 2010 ist in Arbeit, für die vorweihnachtliche Besinnlichkeit sorgt in diesem Jahr der bereits jetzt vorbestellbare Jackson-­Adventskalender. Auch Jackson-Chroniken schießen jetzt wie Pilze aus dem Boden. Zwei Chinesen waren die Schnellsten und schrieben binnen 48 Stunden ihre Blitzbiografie „Moonwalk in Paradise“, wobei für Recherche nach Aussage der Autoren einfach keine Zeit blieb.

Diesen Vorwurf kann man Hanspeter Künzler nicht machen, obwohl auch er Michael Jackson oder dessen Entourage nie persönlich kennengelernt hat. Der Schweizer Musikjournalist beschäftigt sich seit geraumer Zeit mit Jackson und hatte die nachvollziehbare Idee, zum Comeback des Musikers eine Biografie zu veröffentlichen. Jackson starb zwei Tage vor Drucklegung, eiligst wurde eine aktualisierte Fassung erstellt. Dafür wurden der Klappentext geändert sowie ein Vorwort und ein kurzes letztes Kapitel hinzugefügt. Jetzt ist das Buch im österreichischen Hannibal-Verlag erschienen, die erste Auflage von 16.000 Exemplaren ist bereits vergriffen, es wird nachgedruckt. Ein amerikanischer Verlag möchte Künzlers Werk in einer übersetzten Version in den USA herausbringen. Der 63-Jährige ist momentan gefragter Experte und Komoderator. Der Zeitpunkt von Jacksons Tod, bekannte er jetzt in einem Interview, sei für ihn ein Glücksfall gewesen. Der Vorfall selbst habe ihn aber schockiert, er habe kaum schlafen können. Noch nie habe ihn der Tod eines Popstars dermaßen beschäftigt. Kann man sich lebhaft vorstellen.

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Künzler hat seine Ausführungen getreu dem titelgebenden Motto „Black & White“ geteilt, indem er Jacksons Lebens­chronik kapitelweise zunächst die „positiven Seiten“ und anschließend die „negativen Seiten“ abgewinnt. Dass sich derart küchenpsychologische Vordergründigkeit bei einer so komplexen Karriere für jede Phase konstruieren lässt, lässt das Ganze ebenso schal wirken wie die Tatsache, dass Künzlers Einordnungen ausschließlich auf Sekundärquellenrecherche beruhen. Er versucht zwar, Jacksons Jugendzeit in den sozial- und kulturhistorischen Kontext einzuordnen, doch hangelt sich das Buch schließlich weitgehend an den veröffentlichten Platten entlang, den Songs und ihrer Entstehung. Den tiefgründigeren, unterhalt­sameren und sprachgewandteren Versuch, die Figur Jackson zu beleuchten oder gar zu entschlüsseln, hat der Soziologe Jochen Ebmaier mit seinem Buch „Das Phänomen Michael Jackson“ unternommen – vor zwölf Jahren.

Wirkliche Wahrheiten will demnächst ein anderer zu Geld machen, einer, der Michael Jackson schon sehr früh getroffen hat – und das in jeder Hinsicht. Der Untertitel des Anfang September erscheinenden Buches „Die Jacksons“ lautet: „Die Wahrheit über die erfolgreichste Familie der amerikanischen Musikgeschichte“. Und über den Autor steht zu lesen: „Joseph Jackson, geboren 1929, gilt als der einflussreichste Manager in der Geschichte der Popmusik. Ohne viel Geld oder Vorbildung gelang es dem schwarzen Stahlarbeiter aus ärmlichen Verhältnissen, seine neun Kinder zu den erfolgreichsten Popmusikern der letzten vierzig Jahre zu machen. Joseph Jackson lebt gemeinsam mit seiner Frau Katherine in Los Angeles.“