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Kultur Dagobert Duck wird 65 Jahre alt
Mehr Welt Kultur Dagobert Duck wird 65 Jahre alt
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15:33 14.12.2012
Von Reinhard Urschel
Von Peer Steinbrück geschätzt: Die Sparmethoden des Geburtstagserpels Dagobert Duck beschäftigten kürzlich sogar namenhafte Finanzexperten. Quelle: dpa
Berlin

Von den Finanzgenies dieser Welt sind ja nicht wenige im Gefängnis gelandet, manche auch im Narrenhaus, das größte Genie von allen aber läuft frei herum. Und das, obwohl es ständig aus niedrigen Beweggründen die Gesetze bricht: aus Furcht vor dem Bettelstab. Dabei erfreut sich der reichste Mann der Welt bester Gesundheit, ist weit älter als er aussieht, auch älter als in seinem Pass steht, und er soll angeblich als Vorbild dafür dienen, wie man in Zeiten wie diesen seinen Reichtum behält und mehrt. Aus gegebenem Anlass ist es an der Zeit, dass die Akte Dagobert Duck neu aufgeschlagen wird. Für empfindsame Kinderseelen ist die Lektüre freilich keineswegs geeignet, der Mann ist schwer kriminell.

Niemand weiß genau wie groß sein Vermögen ist, angeblich sind es 3,21 Fantastilliarden, nach anderen Quellen sind es 13 Trillionen, 224 Billionen, 576 Milliarden, 778 Millionen Taler und 16 Kreuzer, aber weil es beinahe stündlich einige Millionen mehr werden, lohnt sich das Nachzählen längst nicht mehr. Die Finanzkrisen dieser Welt können ihm nichts anhaben, weil er seine Taler und Kreuzer im Geldspeicher von Entenhausen hortet. Von seinen zahlreichen Leitsprüchen sind diese die bedeutsamsten: „Wieso soll ich Geld ausgeben. Dann habe ich es ja nicht mehr“, und „Leute, die Geld ausgeben, verstehen nichts von den wahren Freuden eines Kapitalisten.“

Dabobert Duck, ein Schotte?

Dagobert Duck, der reichste Erpel der Welt und zugleich der größte Geizhals, wird in diesen Tagen vor Weihnachten 65 Jahre alt. Aber das stimmt so schon wieder nicht, weil Onkel Dagobert einerseits alterslos ist, andererseits die Grundlagen seines Vermögens im Goldrausch am Klondike gelegt hat, also im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts. Einschlägigen Überlieferungen zufolge ist er als Scrooge McDuck in eine verarmte, aber ungeheuer geschäftstüchtige Familie in Schottland geboren. So jedenfalls schildert es der verdienstvolle Dagobert-Ahnenforscher Don Rosa in seiner Biografie „Onkel Dagobert – sein Leben, seine Milliarden“. Demzufolge ist der Erpel, der im amerikanischen Original „Uncle Scrooge“ heißt in Anlehnung an den hartherzigen, geizigen Ebenezer Scrooge aus Charles Dickens’ Weihnachtserzählung „A Christmas Carol“, mindestens 130 Jahre alt. Im Parallel-Universum von Entenhausen, in dem Zeitreisen an der Tagesordnung sind, ist das kein Problem.

In unserem Universum wird freilich anders gezählt. In der Weihnachtsausgabe der Comicreihe „Walt Disney’s Donald Duck“ von 1947 hat der unter Donaldisten alleingültige Zeichner Carl Barks einen reichen, übellaunigen Griesgram namens „Uncle Scrooge“ eingeführt, eher eine Nebenfigur. Die Geschichte hieß „Christmas on Bear Mountain“, auf Deutsch ist sie als „Die Mutprobe“ erschienen. In den USA, wo der Typ Self-Made-Kapitalist der alten Schule, den Dagobert mit Backenbart, Kneifer, Zylinder, Gehrock und Gamaschen darstellt, eigentlich zu den Stützen der weißen Gesellschaft zählen müsste, ist die Figur kaum weiter entwickelt worden, wohl aber in Deutschland. Für die Drillinge Tick, Trick und Track ist er gewissermaßen ein Großonkel, weil er ein Onkel von Onkel Donald ist.

In jüngster Zeit haben namhafte Finanzexperten, unter ihnen der ehemalige deutsche Finanzminister Peer Steinbrück ernsthaft die Auffassung vertreten, die augenblickliche Wirtschaftskrise wäre ausgeblieben, wenn es mehr große Panzerschränke gäbe wie den Geldspeicher Dagoberts. Die Begründung klingt volkswirtschaftlich stringent: Gebunkertes Geld kann nicht die Märkte überschwemmen und keine Blase auslösen, die platzen kann. Mit seiner Behauptung, Dagobert sei definitiv kein Spekulant, liegt Steinbrück allerdings falsch. Seine Vorliebe für Muskatnusstee hat ihn einmal dazu verführt, mit den Ernteaussichten einer besonderen Muskatnussart zu spekulieren, ein lupenreines Warentermingeschäft also. Es ist schiefgegangen, wohl auch weil der Spekulant als Süchtiger nicht frei war im Kopf.

Wirtschaftsweisen warnen vor ihm

Der Wirtschaftsweise Peter Bofinger hat anders als Steinbrück aus makroökonomischer Sicht die Grundeinstellung des Entenhauseners als gefährlich eingestuft, andere Fachwissenschaftler beschreiben ihn als eine „Heuschrecke in Erpelform“. Das kommt einem frühen Urteil aus den 68er Jahren nahe, als sich ein offenkundig unter Pseudonym schreibender Grobian Gans daran machte, die systemerhaltende „Funktion der Ente im Spätkapitalismus“ zu entlarven. Bemerkenswert ist, dass Dagobert eine auffällige Nähe zur konservativen Anlageform „Gold“ hat. Missgünstlinge unterstellen ihm, dass sein tägliches Bad in den Goldtalern in Wahrheit eine Sucht verschleiert, nämlich das Schnüffeln des Geruchs von Gold. Es ist aber nicht allein sein prall gefüllter Geldspeicher, der den Mann unabhängig macht von den Weltmärkten. Die Währung, in der Dagobert Duck rechnet, sind Taler und Kreuzer. Weil, anders als beim Euro, keine kriminellen Finanzhaie der Wall-Street dagegen wetten, unterliegt die Taler-Währung von Entenhausen keinerlei Schwankungen. Zudem ist Onkel Dagobert so etwas wie ein Monopolist. Im Kosmos Entenhausen gehören ihm alle Bankhäuser, Eisenbahngesellschaften und Spielzeugfabriken.

Unter Donaldisten ist das Urteil über Onkel Dagobert nicht so zwiespältig wie unter den Wirtschaftsweisen, sondern vielmehr eindeutig. Die Gesetzesverstöße, die Dagobert im Laufe seines langen Lebens auf sein Kerbholz geladen hat, sollten für mehrere Jahre Entenhausener Knast ausreichen. Zu dieser Auffassung kommt schon in den neunziger Jahren eine Studie mit dem Titel „Der Fall Entenhausen“. Die Autoren, die unter dem Namen Botho Bremer firmieren, urteilen hart: Betrachte man die ebenso lange wie ertragreiche Vita des Alten, könne man nur zu der „trostlosen Feststellung“ kommen, „dass dieser von Habgier und Geiz geprägte Mann den allergrößten Teil seines Geldes auf unrechtmäßige Weise erlangt haben muss“.

Schwerer Wucher und Menschenraub

Die schlimmsten Vorwürfe lauten auf schwere Körperverletzung, Verstöße gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz, schwerer Wucher, ja sogar Menschenraub. Letzteres geschieht immer wieder, wenn er seine Sippe entlegene Gegenden der Erde verschleppt, um sie zu Schatzsuchen zu zwingen. Für Wucher mögen zwei Beispiele genügen: Dagobert lockt mit dem Angebot von 5 Talern Donald dazu, den Rasen seines neuen Hauses zu mähen, verschweigt aber, dass dieser fünf Tagewerk groß ist. Der Königin der Sieben Meere zahlt der Alte für ein Fass voller Perlen lediglich tausend laufende Meter Lidschatten ...

Wer glaubt, ein derart reicher Mann lebe sorgenfrei, irrt gewaltig. Sein „Oh weh, ich verarme“ stimmt Dagobert schon an, wenn Donald einen Viertelkreuzer mehr fürs Goldputzen verlangt, besonders aber, wenn die Hexe Gundel Gaukeley einen Angriff auf seinen Glückszehner plant. Auf dieser Münze beruht sein Reichtum, verdient hat er sie dereinst als Schuhputzer. Den Angriffen der kriminellen Vereinigung namens Panzerknacker begegnet Dagobert mit kompromissloser Selbstjustiz. Wer die Schilder „Weg da!“, „Zurück“, „Letzte Warnung“ rund um den Geldspeicher nicht beachtet, bekommt eine Ladung auf den Pelz oder auf den Bürzel gebrannt. Streng genommen ist es nicht hinzunehmen, dass die Geschichten von Dagobert noch immer für Jugendliche unter 18 Jahren freigegeben sind.

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