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Kultur Comic-Strip in Eichenholz
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20:45 20.06.2009
Von Simon Benne
Thomas Kräckel-Hansum Quelle: Jana Striewe

Das Tier sah aus wie ein Hund. Und das hätte ja auch ganz gut zu den Hirten aus der biblischen Weihnachtsgeschichte gepasst, die danebenstehen. Doch jetzt konnten Restauratoren dem graubraunen Vierbeiner wieder zu seiner wahren Identität verhelfen: „Das Tier ist ein domestiziertes Wildschwein, wie es im Mittelalter oft gehalten wurde“, sagt Thomas Kräckel-Hansum, der im hannoverschen Landesamt für Denkmalpflege derzeit den berühmten „Huder Altar“ aus der St.-Elisabeth-Kirche in Hude bei Oldenburg restauriert.

In monatelanger Arbeit haben er und seine Kollegen die blassen, leblosen Farben entfernt, mit denen ein Maler 1954 die geschnitzten Altarfiguren überpinselt hatte. Das frühgotische Meisterwerk zeigt 24 Szenen aus dem Leben Jesu, von Mariä Verkündigung bis Pfingsten – zu lesen von unten nach oben, weil von dort das Heil kommt. Mit seinen gleichmäßigen Fächern mutet der Altar an wie ein frommer Setzkasten, ein Comic-Strip aus Eichenholz, der mit seinen kraftvollen Darstellungen im 14. Jahrhundert dem Bibelwissen der analphabetischen Volksmassen aufhalf.

Im August soll das Stück in die evangelische Kirche von Hude zurückkehren. Dort hatte man jahrelang Spenden für die Restaurierung gesammelt; die Gemeinde, Sponsoren und verschiedene Stiftungen steuern rund 90 000 Euro bei, auch das Land unterstützt das Projekt. Mit einer speziellen Technoskopkamera haben die Denkmalpfleger dafür rund 700 Fotos von teils winzigen Spuren der ursprünglichen Farbschicht gemacht. „Wie im Mittelalter haben wir dann aus Mineralien wie Malachit oder Azurit Grün- und Blautöne angemischt“, sagt Restaurator Detlev Gadesmann.

Die wohl aufwendigste Altarrestaurierung, die es in Niedersachsen in den vergangenen Jahren gab, belegt, dass das vermeintlich düstere Mittelalter durchaus seine farbenprächtigen Seiten hatte – zumindest in einem wohlhabenden Zisterzienserkloster wie dem in Hude. Nicht nur, dass ein Hauswildschwein jetzt wieder aussieht wie ein Hauswildschwein und nicht mehr wie ein Schäferhund. Auch die Gewänder der Figuren schimmern wieder so gelb und strahlen wieder so orange wie vor 700 Jahren, und der Höllenschlund, aus dem Christus Adam und Eva befreit, ist ein leuchtend grüner Drachenkopf. „Bereits fünfzig Jahre später stellten Künstler den Eingang zur Hölle meist als Gebäude dar“, sagt Restaurator Kräckel-Hansum. „Hier jedoch zeigt sich noch etwas von der menschlichen Urangst vor solchen Ungeheuern.“

Die dendrochronologische Untersuchung des Eichenholzes ergab, dass der Altar bereits um 1305 entstand: „Er ist damit eines der ältesten Bildwerke in Niedersachsen“, sagt Restaurator Gadesmann. Bislang galt der Huder Altar Kunsthistorikern eher als provinzielles Stück, das zudem noch durch unsachgemäße Überarbeitung verschandelt worden war: „Jetzt muss seine Bedeutung ganz neu bewertet werden“, sagt Gadesmann. Denn abschließend erforscht ist das Meisterwerk noch lange nicht: So ist beispielsweise ungeklärt, ob es nicht ursprünglich vielleicht als Lettner diente, als Schranke, die in der Kirche Laien und Kleriker voneinander trennte. Bei allem wiedergewonnenen Glanz birgt der Huder Altar noch manches Geheimnis.

Zufälle bestimmen sein Leben. Sagt Jürgen Reitzler, der jetzt nach drei Jahren als künstlerischer Betriebsdirektor Hannover verlässt. Als er diesen Entschluss fasste, ahnte er nicht, dass ihn der ebenfalls scheidende Schauspielintendant Wilfried Schulz einladen würde, mit nach Dresden zu kommen.

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