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Kultur Comedian Olli Dittrich liest im Theater am Aegi
Mehr Welt Kultur Comedian Olli Dittrich liest im Theater am Aegi
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20:01 12.11.2012
Comedian Olli Dittrich stellte am Sonntag sein neues Buch im Theater am Aegi vor. Quelle: Frank Wilde
Hannover

Das ist keine Lesung, sondern eine Erzählung. Zumindest erzählt Olli Dittrich und erzählt und erzählt nach drei Stunden immer noch. Die Leseanteile aus seinem Buch „Olli Dittrich - das wirklich wahre Leben“ sind vergleichsweise kurz. Die Zuschauer im gut besuchten hannoverschen Theater am Aegi stört das wenig. Der 55-jährige Komiker, der auch als Musiker, Schauspieler und Komponist aktiv ist, gibt Einblicke in seine Kindheit und verliert sich immer wieder in Nebenerzählungen. Aber gerade das - und der selbstironische Umgang mit dem ungebremsten Erzähldrang - machen den Abend so unterhaltsam.

Graue Anzughose, weißes Hemd und schwarzer Pullunder, dazu eine große Brille mit dickem Rand. Das ist Olli Dittrich heute bei seinen Bühnenauftritten. Der schrille, bunte Spaßmacher, der aus seiner Zeit mit der Band Die Doofen oder den Auftritten bei „RTL Samstag Nacht“ bekannt ist, wird heute nur noch in Dittrichs Geschichten lebendig. Die sind nicht ausgedacht, sondern wirklich passiert. So detailliert beschreibt Dittrich sie, dass unbewusst Bilder vor dem inneren Auge der Besucher erscheinen. Wie Olli Dittrich als kleiner Junge stundenlang in der Kälte auf sein Idol Uwe Seeler wartete. Wie der Fußballer endlich zum Autogramme schreiben erschien. Und wie dann der Kugelschreiber des kleinen Olli versagte. Eingefroren. „Kauf’ dir mal einen vernünftigen Stift, Junge!“ Wenn eine Pointe kommt, verzieht Dittrich keine Miene. Er lacht nicht über seine eigenen Scherze, sondern erzählt munter weiter.

Überzeugend sind auch seine Parodien: Da kommen Rudi Carell, Udo Lindenberg und Otto Waalkes zu Wort. Die inszenierte Talkshow „Zwei Stühle - eine Meinung“ mit Wigald Boning wurde Anfang der neunziger Jahre so zu einer Kultsendung. Auch daran erinnert sich Dittrich gerne und wortreich. Das Publikum amüsiert sich prächtig über seine Imitation der Promis. Zum Beispiel Franziska van Almsicks ganz persönliche, sportliche Sicht auf das Ende der DDR: „Ich bin geschwommen bis zur Mauer, dann kam die Wende.“ Sie war eine der Ersten, die er damals in Interviews imitierte.

Für alle Dittrich-Fans gibt der Abend viel Hintergründiges zur Arbeit des Künstlers preis. Für alle Besucher, denen der Komiker bislang nicht ganz so bekannt war, ist es auch eine Nostalgiereise. Die führt vorbei an alten Automodellen, Telefonsesseln und Schallplatten. „Es gab Zeiten, da standen Telefone noch auf Tischen“, sagt Dittrich. Manchmal wird er dann auch gesellschafts- und vor allem medienkritisch. Dass die heutigen fragwürdigen Ansprüche an das Fernsehprogramm auch seiner Herzensangelegenheit „Dittsche“ (seit 2004 im Programm) den Garaus machen könnten, erwähnt er nur in einem Nebensatz.

Eigentlich geht es auf dieser Lese-Tournee um sein Buch. Das hat man zwischendurch ganz vergessen. Aber wenn Dittrich dann seine Brille aufsetzt und das Manuskript zurechtrückt, wird es auf einmal ganz still im Saal. Alle Lacher verstummen, und der Hamburger beginnt zu lesen. „Olli Dittrich - Das wirklich wahre Leben“ ist zwar bereits 2011 erschienen (Piper Verlag, 232 Seiten, 19,95 Euro). Doch immer noch füllt er damit auf seiner Reise durchs Land die Säle. In der Autobiografie kommen neben den vielen komischen Episoden auch die dunklen Seiten seines Lebens zur Sprache. Berufliche Orientierungslosigkeit und künstlerischer Misserfolg machten Dittrich Mitte der achtziger Jahre regelrecht krank. Im Theater am Aegi ist von diesen Passagen kaum etwas zu hören. Es geht vornehmlich heiter zu.

So unterhaltsam der hannoversche Abend auch ist: Er ist schlichtweg zu lang geraten. Drei Stunden konzentriert solchen detailversessenen und schnellen Ausführungen zuzuhören überfordert irgendwann. Trotzdem hat Olli Dittrich im Theater am Aegi wieder bewiesen, dass er zu den großen deutschen Komikern gehört.

Rebekka Sambale

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