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Kultur Chaos um Elbphilharmonie beschäftigt Gericht
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17:16 18.11.2011
Das Chaos beim Bau der Elbphilharmonie beschäftigt nun das Hamburger Landgericht. Quelle: dpa
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Hamburg

Das Chaos um die Elbphilharmonie beschäftigt das Hamburger Landgericht. Bei der juristischen Auseinandersetzung zwischen der Stadt Hamburg und Hochtief will die Hansestadt von Freitag an prüfen lassen, wer für die massive Bauzeitverzögerung und damit auch die Kostenexplosion verantwortlich ist. Unabhängig davon hat am Donnerstagabend der Schweizer Architekt Pierre de Meuron als Zeuge vor dem Parlamentarischen Untersuchungsausschuss ausgesagt.

Die Stadt beziffert die aktuelle Bauzeitverlängerung mit 14 Monaten, drei davon nimmt sie aufgrund von Planungsänderungen auf ihr Konto. Für die verbleibenden elf Monate will sie dem Konzern eine ordentliche Rechnung schreiben: Pro Tag Verzögerung soll Hochtief 200.000 Euro zahlen.

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Unterdessen hat Star-Architekt de Meuron sowohl den Baukonzern Hochtief als auch die Stadt für Fehler verantwortlich gemacht. So kritisierte er die verfrühte Ausschreibung des Projekts, vor Erteilung einer Baugenehmigung. Das Projekt sei noch nicht in Tiefe beschrieben gewesen. Wenn man ein Auftrag erteile, müssten die Grundlagen „knallhart und präzise“ definiert werden. „Damals ist es versäumt worden, die Weichen für den Projekterfolg richtig zu stellen.“ Erstaunlich sei auch, dass in der Schlussphase des Bieterverfahrens nur zwei Kandidaten beteiligt waren. Bei einem derartigen Projekt hätte es de Meuron zufolge mindestens drei Bieter geben müssen.

Der 61-Jährige kritisierte zudem ein massives Forderungsmanagement seitens der Projektgesellschaft Adamanta, einem Konsortium aus dem Baukonzern Hochtief und der Commerz Real AG. “Überspitzt gesagt: Fast jede Schraube wurde mit einer Mehrkostenforderung versehen.“ Auch die Stadt habe dabei Fehler gemacht: „Sie hätte dafür sorgen müssen, dass die immer neuen Wünsche irgendwann ein Ende haben.“

Kostenexplosion und Bauzeitverlängerung sorgen seit Jahren für Ärger bei der Elbphilharmonie. Wie viel der Steuerzahler letztendlich bezahlen wird, ist noch völlig offen. Laut der ersten Machbarkeitsstudie sollten es 77 Millionen Euro sein. Zuletzt lag der öffentliche Anteil bei mindestens 323 Millionen Euro. Die endgültige Summe ist aber weiter unklar.

Nach dem letzten Vertrag sollte das Konzerthaus eigentlich Ende November 2011 fertiggestellt werden. Vor wenigen Monaten nannte Hochtief April 2014 als möglichen Termin. Vermutlich kann aber auch dieses Datum nicht eingehalten werden. „Trotz meiner langjährigen Erfahrung mit Großprojekten muss ich ihnen sagen, dass ich das in dieser Art und Weise noch nicht erlebt habe.“

Das Architekten-Duo Jacques Herzog & de Meuron, die auch die Münchener Allianz-Arena und das Pekinger Olympiastadion entworfen haben, hatten im Juni 2003 den ersten Entwurf der Elbphilharmonie präsentiert. De Meuron gab an, trotz aller Widrigkeiten weiter hinter dem Bauwerk zu stehen: „Die Schmerzgrenze ist noch nicht erreicht. Wir glauben an das Projekt und das Projekt braucht uns.“

dpa

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