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Kultur Carlos Fuentes ist gestorben
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20:35 16.05.2012
Von Jutta Rinas
Carlos Fuentes, einer der großen Schriftsteller Lateinamerikas, ist im Alter von 83 Jahren gestorben.
Carlos Fuentes, einer der großen Schriftsteller Lateinamerikas, ist im Alter von 83 Jahren gestorben. Quelle: dpa
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Hannover

Am Tag vor seinem Tod erschien in der spanischen Tageszeitung „El Pais“ noch ein Interview mit dem großen mexikanischen Schriftsteller Carlos Fuentes. Es strotzte nur so vor Lebensfreude und Schaffenskraft. „Zwischen meinen Büchern, meiner Frau, meinen Freunden und meinen Lieben habe ich genügend Gründe, um weiterzuleben“, sagte der 83-Jährige.

Fuentes berichtete auch, dass er gerade das Manuskript seines neuesten Werkes – ein imaginäres Gespräch mit Friedrich Nietzsche – abgeschlossen und einen neuen Roman über Mexiko begonnen habe, jenes Land also, dessen Beschreibung sich wie ein roter Faden durch sein Gesamtwerk zieht.

Zur Vollendung dieses Romans wird es nun nicht mehr kommen. Carlos Fuentes, herausragender Erzähler und zugleich zutiefst kritischer Chronist Mexikos ist am vergangenen Dienstag in einem Krankenhaus in Mexiko-Stadt an einer inneren Blutung gestorben. Diese wurde offenbar durch ein Magengeschwür ausgelöst.

Staatspräsident Felipe Calderón twitterte Beileidsbekundungen. Der peruanische Schriftsteller Mario Vargas Llosa teilte über den Kurznachrichtendienst mit, Fuentes hinterlasse „ein gewaltiges Werk, ein ausdrucksvolles Zeugnis aller großen politischen Probleme und des kulturellen Lebens unserer Zeit“.

Vargas Llosa hatte mit Fuentes, Gabriel Garcia Marquéz und Julio Cortázar zu jenen Autoren gehört, die in den 60er Jahren einen regelrechten Boom auf die lateinamerikanische Literatur auslösten. In ihrer Heimat wurden sie aber vor allem als Autoren wahrgenommen, die sich erstmals der komplizierten Geschichte Lateinamerikas widmeten. In Fuentes’ Romandebüt „Landschaft in klarem Licht“ (1958) spielt eine Stadt die Hauptrolle: Mexiko-Stadt. Das Buch galt als das erste große literarische Werk über die aufstrebende Millionenmetropole. Von dem 1962 erschienenen Roman „Nichts als das Leben. Der Tod des Artemio Cruz“ bis zu der 2003 erschienenen Politsatire „Der Sessel des Adlers“ umkreist der lateinamerikanische Schriftsteller immer wieder seine Heimat – und gibt dabei oft auch den Unterdrückten eine Stimme.

Dass Fuentes einen so genauen Blick auf seine Heimat hatte, mag damit zusammenhängen, dass er ihr innig verbunden war und doch, zumindest räumlich, zeitlebens distanziert gegenüberstand. Der Diplomatensohn wurde am 11. November 1928 in Panama-Stadt geboren, wuchs in verschiedenen latein- und mittelamerikanischen Städten und in Washington auf und studierte Rechtswissenschaften in Genf und Mexiko-City. Danach arbeitete der Schriftsteller auch als Diplomat, unterrichtete an den Universitäten von Harvard und Cambridge, gab Literaturzeitschriften heraus und lebte in Europa und Mexiko.

Fuentes meldete sich zeitlebens auch politisch zu Wort, galt aufgrund seiner Sympathien für den Sozialismus sogar als „Marxist im Smoking“. Für politische Ideologien vereinnahmen ließ er sich literarisch jedoch nicht. Bezeichnend dafür ist der Schlusssatz eines seiner wichtigsten Werke, „Die Gläserne Grenze“ (1995). „Nördlich vom großen Fluss,/ südlich vom wilden Fluss,/ die Worte sollen fliegen,/ armes Mexiko,/ arme Vereinigte Staaten,/ so fern von Gott, so nahe beieinander“ heißt es da. Fuentes schlägt sich im Konflikt zwischen Mexiko und dem Nachbarn USA bewusst auf keine Seite.  

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